Abzocke bei Rentenauskünften

Betrug im Netz: Wenn Rentenauskünfte plötzlich Geld kosten

Wer Rentenunterlagen anfordert, kann schnell auf falschen Portalen und bei Drittanbietern landen. Verbraucherschützer warnen vor Kostenfallen im Netz.

Betrug im Netz: Wenn Rentenauskünfte plötzlich Geld kosten

Auskünfte online einzuholen ist bequem – doch man sollte genau hinschauen, wer die Webseite betreibt.

Von Imelda Flaig

Die Rente treibt viele Bundesbürger um. Wie hoch fällt sie aus, welche Zeiten werden angerechnet, gibt es Lücken im Versicherungsverlauf? Wer sich im Internet informieren will, kann schnell in die Kostenfalle tappen, wenn er auf einer Fake-Webseite landet. Verbraucherschützer warnen vor der Abzocke bei Rentenauskünften.

Neben dem offiziellen Angebot der Deutschen Rentenversicherung finden sich im Internet auch private Dienstleister, die Anfragen gegen Entgelt entgegennehmen und diese nach eigenen Angaben an die Deutsche Rentenversicherung weiterleiten. Die Seiten sehen dem offiziellen Portal zum Verwechseln ähnlich. Verbraucherschützer warnen derzeit vor allem vor der Webseite rentnerauskunft.de, weil dazu vermehrt Beschwerden eingehen.

Fast 30 Euro für eine Auskunft

Nach Angaben auf der Website verlangt der Anbieter, eine britische Kapitalgesellschaft mit Sitz in London, für seinen Service eine Gebühr von 29,90 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Die Website weist zwar darauf hin, dass kein Vertragsverhältnis zur Deutschen Rentenversicherung besteht, orientiert sich bei Gestaltung und Ansprache aber sehr an deren offiziellem Angebot.

„Wer Rentenunterlagen anfordert, übermittelt besonders sensible persönliche Daten. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten deshalb genau prüfen, ob sie sich auf der offiziellen Seite einer Behörde oder bei einem kostenpflichtigen Drittanbieter befinden“, sagt Julia Rehberg von der Verbraucherzentrale Hamburg. Sie empfiehlt, sich bei Auskünften und Unterlagen rund um die Rente direkt an die Deutsche Rentenversicherung zu wenden beziehungsweise an deren offizielle Seite. Dort sind Rentenauskünfte kostenlos.

Beschwerden auch in Stuttgart

Auch bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart gibt es immer wieder Verbraucherbeschwerden im Zusammenhang mit täuschend echt aussehenden Webseiten, bei denen private Anbieter abkassieren. Der Betrug beschränke sich nicht nur auf Rentenangelegenheiten, es gehe um unterschiedlichste Anträge und Auskünfte – das reiche beispielsweise vom Punktekonto in Flensburg über Nachsendeaufträge, Rundfunkbeiträge oder Grundbuchauskünfte bis hin zu Kirchenaustrittserklärungen, nennt der Stuttgarter Verbraucherschützer Oliver Buttler Beispiele.

Solche Beschwerden hätten in den letzten ein bis zwei Jahren exorbitant zugenommen. Buttler spricht von „perfider Abzocke“ der Betrüger.

Auf der Internetseite www.vzhh.de/behoerden-nepp informiert die Verbraucherzentrale Hamburg über die Masche und listet Beispiele zweifelhafter Onlineangebote auf. Nicht immer stecke hinter dem Angebot tatsächlich die Familienkasse, das Bezirksamt oder die Deutsche Post, so die Verbraucherschützer. Vielmehr betrieben private Unternehmen diese Webauftritte.

Die Seiten wirken professionell und seriös, imitieren die offiziellen Portale nahezu perfekt. Nur bei genauem Hinsehen sind dann etwa Buchstabendreher in der Internet-Adresse zu sehen oder ein Impressum, das einen Anbieter im Ausland ausweist. Statt der gewünschten Dokumente erhalte man beispielsweise einen „Wegweiser“, wie man diese beantragen könne oder zahle für die Weiterleitung der Anfrage an die zuständige Behörde oder Firma, so die Verbraucherschützer.