Millionen-Boni

Boris Palmer: „Empörend“ hohe Zahlungen an Curevac-Manager

Laut einer Aufstellung der US-Börsenaufsicht bekam allein der Geschäftsführer von Curavec bei der Übernahme durch Biontech 4,3 Millionen Euro. Der Tübinger OB regt sich öffentlich darüber auf.

Boris Palmer: „Empörend“ hohe Zahlungen an Curevac-Manager

Boris Palmer fordert eine gesetzliche Begrenzung von Manager-Boni.

Von Caroline Strang

Mit dem Hashtag „Gekauftes Management?“ hat der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer einen seiner jüngsten Einträge auf Facebook überschrieben. Auf dem Bild ist eine Tabelle zu sehen, die die Abfindungen für verschiedene Curevac-Manager in  Zusammenhang mit der Übernahme durch Biontech aufzählt.

Beim Geschäftsführer Alexander Zehnder beispielsweise steht ein Gesamtbetrag von 4,9 Millionen US-Dollar (umgerechnet 4,36 Millionen Euro), vier weitere Manager liegen zwischen 1,2 und knapp 2,7 Millionen Dollar. Für die fünf führenden Köpfe kommt somit ein Betrag von rund 12,7 Millionen Dollar (knapp 11,3 Millionen Euro) zusammen. Quelle sind Zahlen der U.S. Securities and Exchange Commission (SEC), der offiziellen Wertpapier- und Börsenaufsichtsbehörde der Vereinigten Staaten, wie in der Tabelle zu lesen ist.

Curevac mit Sitz in Tübingen war im Wettrennen um einen Corona-Impfstoff einst ein Wettbewerber von Biontech. 2025 hat Biontech den Konkurrenten übernommen und inzwischen angekündigt, dass der Standort in Tübingen, wie auch die Niederlassungen im rheinland-pfälzischen Idar-Oberstein und im hessischen Marburg, zwischen Ende 2027 und Ende 2028 geschlossen werden. Betroffen sind davon rund 1800 Beschäftigte.

„Zukunft von Curevac wurde verkauft“

Nun schimpft Palmer über die Abfindungssummen der Curevac-Manager. Es sei gut, dass die US-Börsenaufsicht SEC solche Zahlungen öffentlich mache, schreibt er. „Denn diese Zahlen sind empörend.“ So sei Alexander Zehnder, der ganz oben auf der Liste aufgeführt wird, erst im April 2023 Geschäftsführer von Curevac geworden. „Im Zusammenhang mit der Übernahme waren für ihn Vergütungen in Millionenhöhe vorgesehen.“

Palmer schreibt weiter: „Für mich liegt genau hier der Skandal: Es wurde nicht einfach eine Firma verkauft. Es wurde die eigenständige Zukunft von CureVac verkauft – seine Forschung, seine Patente, sein Know-how und die Chance, als deutsches Biotech-Unternehmen selbst weiterzumachen. Und ausgerechnet diejenigen, die diesen Verkauf mitgetragen haben, konnten persönlich mit Millionenvergütungen davon profitieren.“

Politische Forderung nach Obergrenzen

Er ist überzeugt, dass so etwas nie passiert wäre, wären die Gründer noch an Bord gewesen. „Wer ein Unternehmen selbst aufgebaut, über Jahrzehnte dafür gekämpft und seine wissenschaftliche Grundlage geschaffen hat, hat ein völlig anderes Verhältnis zu dessen Zukunft als ein Management, das erst wenige Jahre zuvor eingestiegen ist“, meint Palmer. Genau deshalb dürften Manager keinen persönlichen Millionenanreiz haben, die Eigenständigkeit ihres Unternehmens aufzugeben.

Palmer verbindet seinen Post auch gleich mit einer politischen Forderung: „Wir brauchen eine gesetzliche Begrenzung von Managementvergütungen und insbesondere von Übernahme-Boni. Die Zukunft eines Unternehmens darf kein Millionen-Jackpot für diejenigen sein, die über ihren Verkauf entscheiden.“

Die Reaktionen unter seinem Beitrag fallen unterschiedlich aus. Einige Facebook-User sind ähnlich empört wie der Politiker. Andere weisen darauf hin, dass Manager den Eigentümern verpflichtet sind und deren Wünsche umsetzen. Und wenn sie das schafften, bekämen sie eben Boni. Ein Kommentator fasst zusammen: „Das ist wirklich traurig, aber weder illegal noch unüblich.“