Hunde, Katzen und andere Tiere vegetieren zusammengepfercht in kleinsten Wohnungen qualvoll dahin: Die Zahl der Fälle von krankhaftem Tiersammeln steigt. In Großbritannien ist jetzt ein besonders schlimmer Fall bekannt geworden.
Dieses undatierte Foto zeigt Pudel-Mischlinge und andere Hunde, die in einem Haus an einem nicht näher genannten Ort in Großbritannien gehalten wurden.
Von Markus Brauer/AFP
Eine britische Tierschutzorganisation hat nach eigenen Angaben mehr als 250 Hunde aus einem Privathaushalt gerettet. Die Tierschutzorganisation RSPCA weist Vorwürfe zurück, dass ein von ihr veröffentlichtes Foto der verwahrlosten Pudel-Mischlinge eine KI-Fälschung sei.
„Wir können verstehen, dass die Leute so entsetzt sind, dass sie nicht glauben können, was sie sehen“, erklärt RSPCA-Leiterin Jo Hirst, nachdem das Foto viral gegangen war. „Aber dieses Foto ist keine Künstliche Intelligenz, es ist echt.“
250 verwaarloosde honden gered uit Brits huis: ’Geen AI, maar helaas echt’ https://t.co/CZMdp5oXLo — De Telegraaf (@telegraaf) April 9, 2026
Auf dem Foto sind dutzende Hunde, viele von ihnen in schlechtem Zustand, in einem Wohnzimmer zu sehen. Die RSPCA, die älteste Tierschutzorganisation der Welt, nahm 87 der Hunde selbst auf, der Rest kam bei einer anderen Organisation unter.
Hundehalter sind „extrem schutzbedürftig“
Weitere Details wurden nicht veröffentlicht, auch nicht die Lage des Hauses. Die in den Fall verwickelten Animal Hoarder seien „extrem schutzbedürftig“, heißt es. RSPCA-Leiterin Hirst erklärt, der Fall sei ein Beispiel dafür, „was passieren kann, wenn auch gutmeinende Besitzer überfordert sind“. Die Zucht könne ausufern und die Haltungsbedingungen außer Kontrolle geraten.
Laut der RSPCA werden ihre Mitarbeiter zunehmend mit Einsätzen konfrontiert, bei denen zu viele Tiere in einem einzelnen Messie-Haushalt leben. 2025 habe es in England und Wales 4200 Fälle mit mindestens zehn Tieren in einem Haus oder in einer Wohnung gegeben.
Messies – Könige der Unordnung
Messies sind „Mess“-Meister, Könige der Unordnung (so der englische Begriff). Sie leiden unter zwanghaftem Horten („compulsive hoarding“).
Wie der Name schon sagt, ist das Messie-Syndrom eine Form der Zwangsstörung. Diese auch als neurotische Belastungs- und somatoforme Störungen (englisch: obsessive-compulsive disorder, OCD) bezeichneten Erkrankungen zählen zu den besonders schweren seelischen Leiden.
Betroffene verspüren innere Zwänge, bestimmte Dinge zu denken und/oder zu tun. Auch wenn diese (wie ein Wasch-, Aufräumzwang und Hortungszwang) als übertrieben und sinnlos erlebt werden, kann man sich ihnen nicht entziehen, wodurch das komplette Leben beeinträchtigt wird.
Animal Hoarding“: Die Tiermessies
Besonders dramatisch wird die unkontrollierbare Leidenschaft, wenn Lebewesen im Spiel sind. Tierschützer und Veterinäre nennen es „Animal Hoarding“ – Tierhorten oder Tiersammeln.
Experten vermuten, dass Vernachlässigungen in der Kindheit oder ein pervertierter Pflegetrieb Ursachen sein könnten. Auch massive seelische Verletzungen und Kränkungen können dazu führen, dass sich ein Mensch derart isoliert und in eine Pseudo-Welt vergräbt. Die Tiere werden zum Trostspender und Ersatz für fehlende Zuwendung und Kommunikation.
Animal Hoarder sind mehrheitlich Einzelpersonen, die sich von ihrer Umwelt total zurückgezogen haben. Sie schotten sich ab, lassen niemanden in ihre Wohnung. So kann es passieren, dass Vermieter und Nachbarn oft jahrelang nichts von dem „Hobby“ des Hausbewohners merken.