Steigende Dieselpreise setzen Busunternehmen im ländlichen Raum unter Druck. Der Verband warnt vor Einschränkungen im Nahverkehr und fordert finanzielle Hilfe vom Staat.
Angesichts des stark gestiegenen Dieselpreises warnt der Verband Baden-Württembergischer Omnibusunternehmen (WBO) vor Einschnitten im Busverkehr (Symbolbild).
Von red/dpa/lsw
Angesichts des stark gestiegenen Dieselpreises warnt der Verband Baden-Württembergischer Omnibusunternehmen (WBO) vor Einschnitten im Busverkehr vor allem auf dem Land. Geschäftsführerin Yvonne Hüneburg sagte in Böblingen: „Wir stehen vor einer ernsthaften Gefährdung der Mobilität im Land.“ Die Unternehmen könnten die Kosten in dieser Größenordnung nicht aus eigener Kraft abfangen. Der Verband forderte finanzielle Hilfe von der öffentlichen Hand.
Hüneburg sagte, sollte der Dieselpreis auf dem aktuellen Niveau bleiben oder gar weiter steigen, seien - ohne kurzfristige Maßnahmen zur Abfederung der Kostenexplosion - gefährliche Liquiditätsengpässe realistisch, die dazu führen würden, dass Verkehre kurzfristig eingestellt werden müssten. „Gerade bei kleineren Unternehmen sind Betriebsaufgaben dann wahrscheinlich.“ Dies sei für den ländlichen Raum fatal, denn diese Unternehmen erschlössen das Land in der Fläche und sorgten jeden Tag dafür, dass Kinder und Jugendliche sowie Arbeitnehmer zur Schule oder zur Arbeit kämen.
Der öffentliche Personennahverkehr ist nach Verbandsangaben für den überwiegenden Teil der Unternehmen das Haupttätigkeitsfeld neben der Bustouristik und dem Mietomnibusgeschäft. Der Kraftstoffanteil an den Gesamtkosten liegt zwischen 15 bis 20 Prozent.
Zum Start des Ukraine-Krieg 2022 waren die Spritpreise zuletzt stark angestiegen. Damals hatte das Land Mittel aus dem ÖPNV-Rettungsschirm und weitere Fördermittel vorzeitig ausbezahlt, um die Liquidität der Verkehrsunternehmen kurzfristig zu sichern. Zudem wurden die Unternehmen durch allgemeine Maßnahmen wie der temporären Energiesteuersenkung entlastet.
Landkreise sehen kein Spielraum für Unterstützung
Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) sagte: „Wir kommen mit Subventionen nicht permanent gegen steigende Kraftstoffpreise an.“ Die Mehreinnahmen des Staates durch steigende Preise müssten nicht beim Staat bleiben. Das Geld könnte genutzt werden für Hilfsmaßnahmen, auch bei der Transformation in klimafreundliche Mobilität.
WBO-Chefin Hüneburg sagte, Aufgabenträger müssten diese Verkehre in der bestehenden Krise finanziell stützen. „Die Landkreise nehmen die Herausforderungen der Verkehrsunternehmen sehr ernst und beobachten die weitere Entwicklung fortlaufend“, sagte deren Hauptgeschäftsführer Alexis von Komorowski. Angesichts der derzeit äußerst angespannten Haushaltslage verfügten die kommunalen Aufgabenträger jedoch über keine zusätzlichen finanziellen Spielräume. Daher seien nun insbesondere Bund und Land gefordert, tragfähige Lösungen zur Entlastung der Verkehrsunternehmen zu entwickeln.
In den rund 320 privaten Busunternehmen, die im WBO organisiert sind, sind mehr als 8.000 Menschen beschäftigt.