Politischer Aschermittwoch

CDU übt in Fellbach scharfe Kritik an Grünen-Spitzenkandidaten Özdemir

CDU gegen Grüne, Bierzelt-Atmosphäre gegen Stammtisch-Feeling: Wer punktet beim traditionellen Polit-Spektakel wenige Tage vor der Landtagswahl?

CDU übt in Fellbach scharfe Kritik an Grünen-Spitzenkandidaten Özdemir

Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) kritisierte in Fellbach (Rems-Murr-Kreis) die Grünen und deren Spitzenkandidaten Cem Özdemir scharf.

Von red/dpa/lsw

Keine 20 Tage vor der Landtagswahl haben vor allem die Parteien der Spitzenkandidaten von Schwarz und Grün den politischen Aschermittwoch für Attacken gegen den direkten Gegner genutzt. Sie vertrauten dabei auf Schützenhilfe von außerhalb – und auf die traditionelle Bierzelt-Stimmung. 

Während Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) in Fellbach (Rems-Murr-Kreis) die Grünen und deren Spitzenkandidaten Cem Özdemir scharf kritisierte, warf Grünen-Urgestein Joschka Fischer der CDU und ihrem Spitzenkandidaten Manuel Hagel Erbschleicherei vor. 

Ex-Außenminister Fischer: Erbe Kretschmanns gehört uns Grünen 

Hagel hatte bei einer Rede im Vorfeld seiner Wahl zum CDU-Landeschef gesagt: „Das politische Erbe von Winfried Kretschmann wird bei uns in guten Händen sein.“ Das aber stößt dem ehemaligen Außenminister sauer auf: „So was nennt man Erbschleicherei“, sagte er beim politischen Aschermittwoch der Grünen in Biberach. „Das Erbe Kretschmanns gehört den Baden-Württembergern, aber es gehört auch uns Grünen.“

Özdemir sei der beste Kandidat, den er sich vorstellen könne, lobte Fischer. In Zeiten vieler Krisen brauche es Kandidaten mit Erfahrung und politischer Kenntnis. „Deswegen setzen wir auf Cem Özdemir.“

Rundumschlag von Hessens Regierungschef

Dagegen holte Rhein in Fellbach zum Rundumschlag gegen die Grünen und auch gegen Özdemir aus: „Die Leute haben die Nase voll von grünen Bevormundungen, von grünen Verboten und besonders von der grünen Besserwisserei“, sagte Rhein. Bei der Landtagswahl am 8. März gehe es um eine Richtungsentscheidung. Die CDU stehe für Freiheit statt für Verbote.

Rhein nahm aufs Korn, dass auf den Plakaten Özdemirs dessen Parteizugehörigkeit kaum zu erkennen sei. Dafür habe er größtes Verständnis, sagte Rhein. „Wer von uns würde denn gerne auf sein Plakat die Grünen schreiben?“ 

Vor allem Tradition in Süddeutschland 

Kräftige Politkost wie diese hat zum Auftakt der Fastenzeit vor allem in Süddeutschland Tradition. In Baden-Württemberg sind die Grünen seit 1996 mit ihren Spitzenleuten der Bundes- und der Landespartei in Biberach vertreten. Die anderen Parteien im Südwesten zogen nach. Seit 2003 trifft sich die Südwest-CDU in Fellbach (Rems-Murr-Kreis). Die SPD trifft sich in Ludwigsburg bei Stuttgart. Die FDP kam ab 2001 zunächst in Bad Rappenau nahe Heilbronn zusammen, seit 2008 ist sie in Karlsruhe.

In diesem Jahr stehen allerdings Grüne und CDU im Zentrum der Aufmerksamkeit, da deren Spitzenkandidaten als einzige reale Chancen auf den Job des Ministerpräsidenten in Baden-Württemberg haben. Derzeit führt die CDU in den Umfragen für die Wahl am 8. März, die Grünen holten zuletzt aber Punkte auf.