Digitale Gewalt

Collien Fernandes erneuert Vorwürfe – und kritisiert Medien

Collien Fernandes erhebt erneut schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Partner. In einem Instagram-Posting übt sie auch Kritik an den Medien.

Collien Fernandes erneuert Vorwürfe  – und kritisiert Medien

Collien Fernandes bei einer Demo am Donnerstagabend in Hamburg.

Von Michael Bosch

Collien Fernandes hat in einem Instagram-Posting ihre Vorwürfe gegen ihren Ex-Partner erneuert. Der nun veröffentlichte Beitrag auf der Social-Media-Plattform ist überschrieben mit: „Was er mir gegenüber gestanden hat“. Ihr Ex-Partner habe einen „Degradierungsfetisch“ entwickelt, schreibt Fernandes. Er habe in den vergangenen rund zehn Jahren „diverse Fakeprofile unter meinem Namen auf Social Media erstellt“, heißt es weiter. Über diese habe er „männliche User kontaktiert, fremde Männer und Männer aus meinem beruflichen Umfeld“.

Außerdem habe er „pornografische Videos und erotische Fotos verschickt“. Es sei ihm wichtig gewesen, „dass alles glaubwürdig wirkt und dass das erotische Material privat anmutet, so als habe ich mich heimlich beim Sex gefilmt, selbst nackt aufgenommen“.

Fernandes: Echte Videos oder Deepfakes?

Insgesamt habe der Beschuldigte unter Fernandes Namen mit „etwa 30 Männern eine intensive Online-Affäre“ gepflegt, angeschrieben habe er deutlich mehr, heißt es in dem Posting. Außerdem sei es auch zu Telefonsex gekommen, persönliche Treffen seien zwar angebahnt worden, seien aber kurzfristig wieder abgesagt worden.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von Collien Monica Fernandes (@collien_ulmen)

Was die Inhalte angeht, die unter falscher Identität verbreitet worden sein sollen, ist nach wie vor nicht abschließend geklärt, ob es sich um echte Videos handelt, die Frauen zeigen, die Fernandes ähnlich sehen, oder um sogenannte Deepfakes. Dabei handelt es sich um Material, das mit Hilfe von künstlicher Intelligenz erstellt werden. Ebenfalls nicht geklärt ist, wer die KI-Videos erstellt hat. Auch dazu nimmt Fernandes Stellung. Sie schreibt: „Wenn mir Männer sagen, die mit ‚Collien’ in Kontakt standen, dass sie ein Gangbangvideo von mir gesehen haben VON MIR (!) nicht von Frauen, die mir ähnlich sehen, dann gibt es doch zwei Möglichkeiten: Möglichkeit a) bei meinem letzten Gangbang lief eine Kamera mit oder Möglichkeit b) es ist ein Deepfake, eine Montage, ein was auch immer. So und jetzt ratet mal, was wahrscheinlicher ist.“

Fernandes übt Kritik an Presse

Fernandes übt in diesem Zusammenhang deutliche Kritik an der medialen Berichterstattung. Sie erhalte „im 5-Minuten-Takt 30-seitige-Fragebögen“, dafür „verfluche“ sie die Presse. Ich komme nicht mehr hinterher! Ich kann nicht mehr! Ich habe auch noch andere Dinge zu tun!“, schreibt Fernandes in Versalien. Antworte sie nicht, werde daraus „eine Verschwörungstheorie gestrickt“.

Fernandes hat mit ihren Vorwürfen eine deutschlandweite Debatte über digitale Gewalt gegen Frauen ausgelöst. Auch die Politik will sich dem Thema annehmen. Hintergrund ist eine „Spiegel“-Recherche. Laut dem Nachrichtenmagazin hat Fernandes ihren Ex-Mann, den Schauspieler und Produzenten Christian Ulmen, wegen „Anmaßung des Personenstands, öffentlicher Beleidigung, Offenlegung von Geheimnissen, wiederholter Körperverletzung im familiären Näheverhältnis und schwerer Bedrohung“ angezeigt.

Ulmens Anwalt Christian Schertz kündigte rechtliche Schritte gegen die Berichterstattung an, bei der es sich „in großen Teilen um eine unzulässige Verdachtsberichterstattung“ handle. Zudem würden „unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet“, wie es in einem veröffentlichten Informationsschreiben heißt. Eine Anfrage unserer Zeitung zu den neuerlichen Vorwürfen und dem Instagram-Posting auf Fernandes’ Kanal ließ die Kanzlei unbeantwortet. Ein in Spanien geführtes Ermittlungsverfahren befindet sich in einer frühen Phase. Es gilt die Unschuldsvermutung. Die Staatsanwaltschaft Itzehoe bestätigte indes am Freitag einen Anfangsverdacht gegen Ulmen. Strafrechtlich gehe es um den Vorwurf der Nachstellung.