Die Commerzbank hat 2025 fast ein Rekordergebnis eingefahren, nun soll der Gewinn im laufenden Jahr noch stärker steigen. Das soll eine Übernahme durch die italienische Großbank Unicredit abwenden.
Commerzbank-Chefin Orlopp will noch mehr Gewinn erreichen (Archivbild)
Von Von Steffen Weyer, dpa-AFX, und Alexander Sturm, dpa
Frankfurt/Main - Die Commerzbank setzt sich nach einem Gewinn fast auf Rekordniveau höhere Ziele, um eine feindliche Übernahme durch die Unicredit zu verhindern. Neue Bestmarken sollen den Aktienkurs nach oben treiben, was einen Kauf durch die italienische Großbank erschweren würde. Doch Unicredit-Chef Andrea Orcel spielt bei seinen Plänen auf Zeit.
Dieses Jahr soll der Commerzbank-Gewinn die bisherige Zielmarke von 3,2 Milliarden Euro noch übertreffen, wie der Dax-Konzern in Frankfurt mitteilte. Analysten hatten jedoch im Schnitt noch mehr erwartet. Bis 2028 soll der Gewinn wie geplant auf 4,2 Milliarden Euro wachsen.
"Wir haben unsere ehrgeizigen Wachstumsziele für 2025 nicht nur erreicht, sondern an vielen Stellen sogar übertroffen", sagte Vorstandschefin Bettina Orlopp. "Und unser Aktienkurs hat sich mehr als verdoppelt. Das zeigt: Die Commerzbank spielt heute in einer anderen Liga."
Hartes Ringen mit Unicredit
Die Unicredit mit Sitz in Mailand buhlt seit September 2024 um die Commerzbank und verspricht sich von einer Übernahme Vorteile im deutschen Markt mit Privat- und Mittelstandskunden. Mit ihrer Tochter Hypovereinsbank ist sie hierzulande schon vertreten, was Einsparungen ermöglichen würde - ein Horrorszenario aus Sicht der Arbeitnehmervertreter. Inzwischen ist die Unicredit mit gut 26 Prozent der Anteile größter Aktionär der Commerzbank und hat über Finanzinstrumente Zugriff auf weitere gut drei Prozent.
Doch Unicredit-Chef Orcel hat bisher kein Übernahmeangebot für die Commerzbank vorgelegt - ab der Schwelle von 30 Prozent wäre er dazu verpflichtet. Die Commerzbank hat ihren Börsenwert auf rund 38 Milliarden Euro hochgeschraubt, was sie selbst für die etwa dreimal so wertvolle Unicredit schwer angreifbar macht.
Orlopp setzt auf den hohen Aktienkurs als Abschreckung: "Es gibt kein Angebot, und wenn ich auch die Nachrichten richtig verstanden habe, ist das auch im Moment nicht zu erwarten." Unterstützung bekommt sie aus Berlin: Die Bundesregierung, die rund 12 Prozent der Commerzbank-Anteile hält, lehnt eine Übernahme ab und will ihre Aktien nicht verkaufen.
Orlopp setzt auf KI und Konjunkturerholung
Für ihr Ziel der Eigenständigkeit will Orlopp die Einnahmen weiter nach oben treiben und zugleich die Kosten im Griff halten. So soll der Zinsüberschuss dieses Jahr stärker als gedacht von zuletzt 8,2 Milliarden auf 8,5 Milliarden Euro wachsen. Der Provisionsüberschuss etwa aus Wertpapiergeschäften soll um sieben Prozent zulegen, und die Kosten sollen nur noch 54 Prozent der Erträge aufzehren - nach 57 Prozent im vergangenen Jahr.
Für 2028 hat sich Orlopp dann eine Aufwand-Ertrags-Quote von 50 Prozent vorgenommen und setzt dabei verstärkt auf den Einsatz Künstlicher Intelligenz. So und mit einer anziehenden Konjunktur könnte die angepeilte Rendite noch höher ausfallen, deutete die Managerin an.
Hoher Gewinn trotz teurer Abfindungen
Unterm Strich verdiente die Commerzbank 2025 wie bereits am Vortag mitgeteilt gut 2,6 Milliarden Euro. Die Erträge - die gesamten Einnahmen - wuchsen um zehn Prozent auf 12,2 Milliarden Euro.
Trotz hoher Kosten für den Abbau von 3.900 Vollzeitstellen, davon den Löwenanteil in Deutschland, verfehlte die Bank damit ihren Rekordgewinn von 2024 nur knapp. Ohne die Umbaukosten von 562 Millionen Euro hätte sie mit 3 Milliarden Euro eine neue Bestmarke erreicht.
Gewinn geht komplett an Aktionäre
Doch die Commerzbank ist zum Erfolg verdammt: Orcel hält betont gelassen an seinem Übernahmeplan fest. "Wenn der richtige Zeitpunkt kommt und die Konditionen stimmen, dann wird es auf die richtige Weise passieren", sagte er jüngst in einem Interview. Falls nicht, habe man genügend andere Themen.
Die Commerzbank geht daher in die Vollen, um ihre Aktionäre zufriedenzustellen. Sie schraubt die Dividende von 65 Cent auf 1,10 Euro je Anteil hoch und will für bis zu 540 Millionen Euro weitere Aktien zurückkaufen. Zusammen mit dem abgeschlossenen Rückkaufprogramm von 2025 gibt sie damit 2,7 Milliarden Euro für Dividenden und Aktienrückkäufe aus - mehr als ihren ganzen Jahresgewinn. Zusammen mit den steigenden Gewinnen soll dies das Geldhaus für Anleger so attraktiv machen, dass sie ihre Commerzbank-Aktien lieber behalten, als sie an die Unicredit zu verkaufen. An der Börse machte sich am Mittwoch dennoch Skepsis breit. Trotz der starken Zahlen gaben Commerzbank-Aktien deutlich nach - nach den Erfolgen in Serie wird es immer schwerer, die Erwartungen an der Börse zu toppen.
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