Nicht der bayerische, sondern der schleswig-holsteinische Ministerpräsident hält die Laudatio auf Manuel Hagel bei der Verleihung der Narrenschelle. Markus Söder ist trotzdem Thema.
In „falschen Klamotten“, aber mit guten Ratschlägen hat Daniel Günther (links) seinem baden-württembergischen Parteifreund Manuel Hagel zur Narrenschelle gratuliert.
Von Eberhard Wein
Die erste Lektion in Schwäbisch-Alemannischer Fasnet lernt Daniel Günther im Handumdrehen. „Narri“ ruft er am Mittwochabend in den großen Saal des Colosseo-Hotels im Europa-Park. Und schon tönt ihm ein lautes „Narro“ entgegen. „Das war ja einfach“, ist er selbst verblüfft. Dass man ihm den Narrenamateur gleichwohl ansieht, weiß der CDU-Ministerpräsident aus dem hohen Norden natürlich. „Ich habe die falschen Klamotten an“, gibt er zu. Am Revers seines schwarzen Anzugs steckt sogar ein kleines Schleswig-Holstein-Wappen. Zwischen all den Hexen, Weißnarren und Blätzle, die aus dem ganzen Südteil des Landes nach Rust gekommen sind, fällt er da schon ein wenig auf.
Und doch ist Roland Haag zufrieden mit seinem Gast von der Waterkant. Die Überraschung ist dem Präsidenten des Verbandes Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN) jedenfalls gelungen. Noch schnell hat er Günther das rote Halstuch des VSAN umgebunden. In Rust soll er die Laudatio auf den diesjährigen Träger der Narrenschelle, den baden-württembergischen CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel halten.
Der Geehrte erscheint im Ehinger Zunfthäs mit Zylinder
Eigentlich hätte man Günther eher als Gastredner in Hagels Wahlkampf erwartet. Aber Wahlkampf und Fasnachtskampagne sind ja in diesem Jahr fast dasselbe. Zumindest hat Hagel bei den Narren an diesem Abend ein Heimspiel. Er ist einer von ihnen, das betont er auch selbst. Im Ehinger Zunftratshäs mit grauem Zylinder ist er gekommen. Viele würden ihn sich wohl als neuen Ministerpräsidenten wünschen, obwohl auch der Grüne Widerpart Cem Özdemir vor Jahren schon die Narrenschelle erhalten hat.
Wie gut Günther Hagel kennt, wird nicht so ganz deutlich. Aber in Narrendingen ist das Nordlicht gar nicht so unbedarft. In Schleswig-Holstein gebe es immerhin Kinderfasching, verrät er und prahlt dann damit, gerade erst beim Kieler Carnevalsverein die Laudatio auf den SPD-Linksausleger Ralf Stegner gehalten zu haben. „Das ist unsere Antwort auf die schwäbisch-alemannische Fröhlichkeit“, spöttelt Günther. Wer das bewältigt, dürfte sogar eine Ehrenansprache auf CSU-Chef Markus Söder halten können.
Aber Cem kann es auch, glaubt Günther
Auch der hat den Preis schon erhalten, weil sich der VSAN nicht daran gehalten hat, was Günther an diesem Abend Manuel Hagel dringend ans Herz legt: „Willst du ein guter Ministerpräsident sein, halte dich fern von Markus Söder und Boris Rhein“, reimt er und fügt hinzu: „Ein Löwen im Wappen hat Schleswig-Holstein auch, wir machen aber keine große Sache draus.“
Pointen auf Söder sind immer gut. Auch Hagel versucht sich daran. „Wenn Söder mit dieser Schelle laut schellt, klingt es so wie ein Kampfhund, der mit Heiserkeit laut bellt“. Den Narren verspricht er einen Bürokratieabbau in radikal: „Papierkram und Kruscht, das war ein Mal!“.
Seine Rede hält Hagel auf Schwäbisch, und als die Furtwanger Stadtkapelle das Badnerlied spielt, singt er tapfer mit – und ist für einen Ehinger aus dem tiefsten Winkel Oberschwabens erstaunlich textsicher. Für einen, der baden-württembergischer Ministerpräsident werden will, ist das allemal die halbe Miete.
Günther gibt derweil schon mal eine Wahlempfehlung aus. Nicht nur bei der Fastnacht, auch in der Politik komme es auf die richtige Haltung an. „Bei Manuel – und ja, auch bei dem Cem – da bin ich mir sicher, die kriegen das hin“, sagt er und stellt dann klar: „Auch wenn ich selbst mit den Grünen gut kann, beim Regieren gehen die Schwarzen voran.“ Und dann darf Hagel endlich kräftig schellen.