Blitze zucken am Abend über Wechmar mit der Dorfkirche Sankt Viti (Mi.) während Gewitter über Teile von Thüringen ziehen (Archivfoto).
Von Markus Brauer
Unmittelbar nach dem Ende des meteorologischen Sommers (1. Juni bis 31. August) hat Meteorage, eine Tochtergesellschaft von Météo-France mit Sitz in Pau und europäischer Experte für Blitzortung, seine erste Bilanz der Gewitteraktivität in Deutschland und Europa veröffentlicht.
Auch wenn der Sommer 2026 nicht zu den blitzreichsten Sommern der vergangenen Jahre zählt, war er laut Meteorage von mehreren schweren Gewitterlagen geprägt, die zu großem Hagel, zerstörerischen Windböen, Starkregen und lokal sogar Tornados führten.
Diese Wetterereignisse hatten spürbare Auswirkungen auf zahlreiche Wirtschaftssektoren: Verkehr, Energieversorgung und Stromnetze, Freizeit- und Sportveranstaltungen, kritische Infrastrukturen sowie die Landwirtschaft, die besonders von Hagelschäden betroffen war.
So oft hat es im Sommer 2026 geblitzt
Zur Info: Diese Analyse basiert auf den seit 1989 vom Meteorage-Blitzortungsnetz erfassten Daten. Das Netzwerk erkennt demnach mehr als 98 Prozent aller Blitze und lokalisiert sie mit einer Genauigkeit von rund 100 Metern.
Was ist ein Blitz?
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach definiert Blitze als „Funkenüberschlag großen Ausmaßes zwischen Wolken mit entgegengesetzter Ladung oder zwischen Wolken und der Erdoberfläche“. Die unglaublich Energie, die in Blitzen gespeichert ist, entlädt sich binnen Zehntelsekunden.
Wie entstehen Blitze
Ein Blitz wird durch ein elektrisches Feld in einer Gewitterwolke ausgelöst. In den Wolken trennen sich die Ladungen: Die winzigen Eiskristalle laden sich positiv auf, die Wassertropfen negativ. Der kalte obere Teil der Wolke ist dann positiv geladen der untere Teil negativ. Schließlich entlädt sich die Energie – in einem Blitz.
Dieser kann die Luft auf etwa 30 000 Grad Celsius erhitzen und eine Länge von vielen Kilometern erreichen. So erstreckte sich der längste jemals gemessene Blitz laut der UN-Wetterorganisation WMO über mehr als 750 Kilometer durch die USA.
Diese Entladungen können unterschiedliche Formen annehmen, wobei insbesondere die Erdentladungen zwischen Wolken und Boden als besonders gefährlich gelten. Wolkenentladungen bleiben hingegen innerhalb einer Gewitterwolke und lassen den Himmel aufleuchten. Und Luftentladungen richten sich in den Luftraum, ohne den Boden zu erreichen.
Welche Gefahren drohen bei Blitzeinschlägen?
Sogenannte Trockenblitze schlagen zwischen Wolken und Erde ein, ohne dass in der Nähe Regen fällt. Dieser Typ ist besonders gefährlich, da er oft Waldbrände auslöst, insbesondere nach langen Trockenperioden. In Deutschland können Trockenblitze auftreten, wenn das Gewittergebiet, das normalerweise Regen mitbringt, nicht über den Ort des Einschlags zieht oder nur geringe Niederschläge hinterlässt.
Woran erkennt man, dass ein Gewitter aufzieht?
Gewitter kündigen sich im Sommer meist während des Tages mit schwüler, feuchter Luft an. Wenn sich schon am Mittag kleine Quellwolken auftürmen, kann das ein Anzeichen für ein Gewitter am Abend sein. Kurz vor dem Unwetter bilden sich dann die typischen aufgetürmten Wolken – sogenannte Cumulonimben.
Warum blitzt es bei Gewittern?
Die aufsteigenden Wassertröpfchen stoßen mit den schon vorhandenen Tropfen in der Atmosphäre aneinander. So entsteht eine elektrische Spannung. Überschreitet sie eine bestimmte Schwelle, kommt es zu einem gigantischen Kurzschluss. Der Blitz entlädt sich innerhalb der Wolke oder zwischen Wolke und Boden.
Warum grollt der Donner?
Der Donner, der nach einer Entladung folgt, ist das Ergebnis der explosionsartigen Erhitzung der Luft im Blitzkanal. Die extrem hohen Temperaturen bringen die Luft dort zum Explodieren. Die Luft dehnt sich schlagartig in alle Richtungen aus und erzeugt eine Druckwelle, die durch die Umgebung rast. Unser Ohr nimmt dies als lauten Donner wahr.
Liegt der Blitzkanal rechtwinklig zum Beobachter oder der Beobachterin, kommen alle Schallwellen zur gleichen Zeit an. Dann ist der Donner ein Knall. Ist der Blitzkanal hingegen zur Person geneigt, treffen die Druckwellen von den verschiedenen Orten des Blitzkanals zu verschiedenen Zeiten ein. Dadurch entsteht ein anhaltendes Donnergrollen.
Wie berechnet man den Abstand zu einem Gewitter?
Wenn man sich beim Gewitter, bei dem sich gewaltige elektrische Spannungen entladen, im Freien aufhält, sollte man wissen, wie weit die Blitze noch entfernt sind:
Gibt es durch den Klimawandel mehr Gewitter in Deutschland?
Der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf hält es für wahrscheinlich, „dass wir auch in Deutschland künftig mit häufigeren heftigen Gewittern rechnen müssen“. Der Grund hierfür sei die Physik: Eine wärmere Atmosphäre könne mehr Wasserdampf halten, entsprechend stärker können die Niederschläge ausfallen, so Rahmstorf.
Der Klimaexperte verweist auf eine Studie des Schwedischen Meteorologischen Instituts, für die Messdaten über Gewitterregen ausgewertet wurden. Sie zeige, „dass diese konvektiven Niederschläge noch rascher zunehmen, als es aufgrund der höheren Wasserspeicherfähigkeit von wärmerer Luft zu erwarten wäre.“
Gibt es ein Nord-Süd-Gefälle bei der Gewitterneigung?
Untersuchungen von Klimaforschern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) belegen diesen Trend: Sie fanden heraus, dass in Deutschland die Wahrscheinlichkeit für schwere Gewitter in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen hat.
Die Wissenschaftler haben für ihre Untersuchungen Radarmessungen, Daten von Versicherungen und Simulationen mit regionalen Klimamodellen ausgewertet. „Das Gewitterpotenzial hat eindeutig zugenommen“, erklärt KIT-Meteorologe Michael Kunz.
Laut KIT zeigt sich eine Zunahme in ganz Deutschland mit Ausnahmen des Nordostens. In Süddeutschland, wo die Gewitterneigung höher ist als im Norden, betrug die Zunahme zwischen vier und acht Tagen pro Jahr. Dieser Trend dürfte sich in den kommenden Jahrzehnten weiter verstärken. (mit AFP-/dpa-Agenturmaterial und Meteorage-Infos)
Ein Gewitter zeichnet sich hinter Windrädern ab in Duben (Archivfoto).
Dramatische Gewitter im Landkreis Leipzig (Archivfoto).
Blitze am Hamburger Hafen (Archivfoto).