Radler gedenken dem verstorbenen Aktivisten Andreas Mandalka mit einer Fahrt von Stuttgart nach Pforzheim.
Die Gedenkfahrt in Erinnerung an Andreas Mandalka findet zum dritten Mal statt.
Von Michael Bosch
An diesem Wochenende gedenken mehrere Rad-Organisatoren dem vor rund zwei Jahren verstorbenen Radaktivisten Andreas Mandalka. Von Stuttgart aus machen sich Radler an diesem Samstag, 31. Januar, auf nach Pforzheim, der Heimatstadt von Mandalka.
Im Netz hatte sich der Aktivist und Blogger unter dem Pseudonym „Natenom“ jahrelang für mehr Sicherheit für Radfahrerinnen und Radfahrer eingesetzt. Sein Tod auf seiner Stammstrecke bei Neuhausen (Enzkreis) war ein Schock für die Radszene in der Region und weit darüber hinaus. Ermittler kamen zu dem Schluss, dass ein Autofahrer ihn „aus Unachtsamkeit gänzlich übersehen“ habe. Das Amtsgericht erließ wegen fahrlässiger Tötung einen Strafbefehl von 150 Tagessätzen und sprach ein zweimonatiges Fahrverbot aus. Mandalka wurde nur 43 Jahre alt.
441 Tote im Jahre 2024 – einer davon war „Natenom“
Die „Critical Mass“ in Pforzheim in Gedanken an den bekannten Radfahrer findet in diesem Jahr zum dritten Mal statt. In der Vergangenheit hatten mehrere Hundert Radlerinnen und Radler teilgenommen – in diesem Jahr sollen es mindestens 441 werden. Die Zahl steht für die 441 toten Radfahrer, die 2024, dem Jahr, in dem auch Mandalka ums Leben kaum, auf deutschen Straßen starben.
Radlobbyisten sehen die Zustände auf deutschen Straßen nach wie vor kritisch, Radler seien nach wie vor nicht ausreichend geschützt – viel zu oft erhalte das Auto den Vorzug. „Die Gedenkfahrt steht für die klare Forderung nach besseren Bedingungen für Radfahrende und zu Fuß Gehende“, schreibt der Zweirat Stuttgart, der die „Zubringer-Fahrt“ nach Pforzheim gemeinsam mit dem ADFC organisiert. „Baulich getrennte Radwege, konsequente Kontrollen und flächendeckende Tempolimits gehören zu den zentralen Anliegen. Ziel ist Vision Zero, also Straßen ohne Tote und Schwerverletzte“, heißt es weiter.
Start der Tour, die von der Polizei begleitet wird, ist um 7.20 Uhr am Bahnhof in Stuttgart-Vaihingen. Von dort führt die Strecke über Renningen und Weil der Stadt bis nach Pforzheim (weitere Infos gibt es hier). In den vergangenen zwei Jahren hatten sich jeweils rund 70 Radler auf den Weg dorthin gemacht. In der Goldstadt beginnt um 11 Uhr die zentrale Gedenkveranstaltung. Anschließend fahren die Teilnehmer gemeinsam durch die Innenstadt. Am Leopoldplatz ist ein sogenannter Bike-Down geplant, bei dem Fahrräder auf die Straße gelegt werden. Danach führt die Strecke weiter bis zur Unfallstelle zwischen Schellbronn und Neuhausen, wo eine weitere Kundgebung stattfindet. Das Land Baden-Württemberg ist mittlerweile für den Streckenabschnitt verantwortlich, er soll in diesem Jahr saniert und radfreundlich umgebaut werden.
Nicht nur von Stuttgart aus machen sich am Samstag Demo-Teilnehmer auf den Weg. Weitere Fahrten sind von Frankfurt, Darmstadt und Karlsruhe aus geplant. Weitere Gedenkfahrten finden laut den Organisatoren in Hamburg, Berlin und Hannover statt.