Auto-Talk mit Ferdinand Dudenhöffer

Der Experte rät: „Bosch sollte wieder mutiger werden“

Im Auto-Talk unserer Zeitung äußert sich der Experte Ferdinand Dudenhöffer auch zur angespannten Situation bei den Zulieferern und benennt deren Chancen und Risiken.

Der Experte rät: „Bosch sollte wieder mutiger werden“

Große Frage beim dritten Auto-Talk: Wann ist bei Bosch wieder alles im grünen Bereich?

Von Peter Stolterfoht

Seine Expertise ist in der Automobilindustrie gefragt wie kaum eine andere. Manchmal ist sogar ehrfurchtsvoll vom „Auto-Papst“ die Rede, wenn die pointierten Aussagen von Ferdinand Dudenhöffer herangezogen werden. Und das ist aktuell besonders häufig der Fall, steckt die Branche doch in der größten Umbruchphase seit Erfindung des Automobils.

Der gute Rat ist in diesem Fall nicht teuer

Da ist guter Rat teuer, und den hat der Gründer des Center Automotive Research (CAR) jetzt exklusiv den Lesern und Leserinnen dieser Zeitung gegeben – kostenlos im Veranstaltungsformat Auto-Talk, in dem Online-Fragen an den Gast gestellt werden können. Und von diesem Angebot, moderiert von Veronika Kanzler und Klaus Köster aus unserem Auto-Reporter-Team, wurde reichlich Gebrauch gemacht.

Auf großeres Interesse stoßen dabei die Einschätzungen Dudenhöffers in Bezug auf die Situation bei den Zulieferern, ganz besonders beim Weltmarktführer Bosch. „Ein tolles Unternehmen“, beginnt der Experte seine Ausführungen sehr wohlwollend über den Konzern mit seiner Zentrale auf der Gerlinger Schillerhöhe. Doch dabei belässt es Ferdinand Dudenhöffer natürlich nicht.

Zumindest für diskussionswürdig hält er die Entscheidung von Bosch, bei der Frage nach einer eigenen Batteriezellfertigung schon früh abgewunken zu haben. Vor allem die häufig gehörte Begründung habe ihn nie überzeugt. „Das hieß es, ‚wir sind doch keine Chemiebude’ und ‚viel zu teuer’.“ So würde in China nie argumentiert werden, führt Dudenhöffer weiter aus und lobt den dortigen „langen Atem“, der deutschen Unternehmen fehle. „Bosch muss wieder mutiger werden“, sagt Dudenhöffer. Man dürfe sich hierzulande nicht nur vom schnellen finanziellen Erfolg leiten lassen.

Als Nachteil benennt der frühere Autoindustrie-Manager, der unter anderem für Porsche und Opel tätig gewesen ist, auch die Rechtsform von Bosch, aber auch von ZF. Es räche sich nun, dass Aktiengesellschaften von diesen Stiftungsunternehmen als Teufelswerk betrachtet worden seien. „Im Vergleich zu börsennotierten Unternehmen fehlt nämlich jetzt das finanzielle Gerüst für milliardenschwere Investitionen, die beispielsweise mit Blick auf den Einsatz von Künstlicher Intelligenz nötig werden“, sagt Dudenhöffer.

Die Forderung: „Mehr Erfinder, weniger Controller“

Gleichzeitig erteilt er einer gemeinsamen Batterie-Produktion der EU-Mitgliedsstaaten eine Abfuhr: „Diese 27 Flöhe bekommst du nie unter einen Hut und schon gar nicht schnell.“ Denkbar wäre in diesem Fall höchstens die Zusammenarbeit mit England und Frankreich, mit Ländern, die ähnliche Interessen wie Deutschland verfolgten.

Ganz allgemein rät Dudenhöffer der Zulieferer-Branche noch: „Es braucht wieder mehr Erfinder und weniger Controller.“