Auswahlverfahren

Der harte Wettlauf um einen Posten bei der EU

Brüssel startet das Auswahlverfahren für die begehrten Jobs in der Verwaltung der EU-Institutionen. Dort ist Deutschland unterrepräsentiert – das soll sich nun ändern.

Der harte Wettlauf um einen Posten bei der EU

Die EU-Kommission sucht wieder einmal neues Personal. Doch wer in der Behörde arbeiten will, muss eine hohe Hürde überwinden: den Concours.

Von Knut Krohn

Deutschland sucht dringend Nachwuchs für die EU. Mit Werbevideos auf verschiedenen Social-Media-Kanälen, Podcasts und Anzeigen macht die Bundesregierung deshalb jungen Menschen die Arbeit in der Verwaltung der Brüsseler Institutionen schmackhaft. Doch vor einem möglichen Berufsstart in der Herzkammer der Europäischen Union steht eine hohe Hürde: der Concours. Das ist ein Auswahlverfahren, das alle Bewerber durchlaufen müssen. Nachdem die Prüfung zuletzt auch wegen der Corona-Pandemie immer wieder ausgesetzt worden war, findet der Concours in diesem Jahr zum ersten Mal seit sieben Jahren wieder statt.

Die EU-Verantwortlichen erwarten deshalb über 50.000 Bewerber, von denen es aber nur knapp 1500 auf die heißbegehrte „Shortlist“ schaffen und damit die Chance auf eine Stelle in der Kommission, beim Parlament oder auch am Gerichtshof in Luxemburg haben. Die EU-Institutionen beschäftigen insgesamt mehr als 60.000 Menschen aus den 27 EU-Ländern.

Berlin rührt die Werbetrommel

Berlin wirbt auch deshalb die Werbetrommel, weil Deutschland in den EU-Institutionen gemessen an der Einwohnerzahl eher schlecht vertreten ist. Das gilt nicht für die politische Ebene mit der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, aber in der Verwaltung haben nicht einmal zehn Prozent der Mitarbeiter einen deutschen Pass – obwohl Deutschland rund ein Fünftel der EU-Einwohner stellt. Eigentlich sollte die Staatsangehörigkeit bei der Arbeit in Brüssel keine Rolle spielen, verrät ein Diplomat, dass in Brüssel aber jeder dann doch seine nationale Brille aufhabe, sei nicht wegzudiskutieren. Das wirke sich dann natürlich auch auf die Entwicklung und Umsetzung von EU-Gesetzen aus.

Ein Grund, weshalb Deutschland unterrepräsentiert ist, liegt wohl auch daran, dass es im Land selbst viele gutbezahlte Arbeitsplätze in der Industrie und der Verwaltung gibt. Der finanzielle Anreiz ist also nicht so hoch, die Strapazen wie einen möglichen Umzug in ein anders Land zu auf sich zu nehmen. Das ist in kleinen Staaten wie Malta, Slowenien oder Estland anders, die proportional zu ihrem Bevölkerungsanteil sehr viele Leute in der EU-Verwaltung haben. Das Einstiegsgehalt für einen Hochschulabsolventen liegt etwa bei 5500 Euro. Hinzu kommen verschiedene Zulagen und die Gehälter werden jährlich an die Inflation und Kaufkraftentwicklung in der EU angepasst.

Hilfe vom Auswärtigen Amt für die Bewerber

Ein Problem für deutsche Bewerber ist auch, dass diese mit der Kultur der harten Auswahlverfahren über einen Concours nicht so sehr vertraut sind wie etwa die Franzosen. Damit täten sich deutsche Uni-Absolventen etwas schwer, räumt ein Diplomat ein. Aus diesem Grund bietet das Auswärtige Amt in Berlin zur Vorbereitung verschiedene Seminare, Coachings oder Webinare an.

Gefordert ist nicht nur Wissen über die EU

Wenig attraktiv ist allerdings auch der zeitliche Ablauf der Bewerbung. Die Bewerbungsfrist endet in diesem Jahr am 10. März, im Sommer findet dann der Concours statt und erst Anfang kommenden Jahres ist die „Shortlist“ mit den rund 1500 Namen fertig. Doch auch das ist keine Garantie für einen Job bei der EU. Erst wenn die Kommission oder eine andere Institution eine Stelle nachbesetzen muss, greift sie auf die Leute zurück, die es auf die Liste geschafft haben. Gefragt ist also nicht nur viel Prüfungswissen über die Europäische Union, sondern auch eine gewisse hartnäckige Ausdauer.