Angelika Kronmüller, Sabine Stapf, Ulrike Häußermann und Christina Schmidgall (von links) sind Teil des Küchenteams Jeden Mittwoch bereiten sie in der Zionskirche rund 100 Mahlzeiten zu und verteilen diese auch. Foto: Alexander Becher
Backnang. Im Gemeindesaal der Zionskirche Backnang herrscht zwischen April und Oktober seit 15 Jahren immer mittwochs das pralle Leben. Dann kommen meist so zwischen 90 und 100 Menschen, die sich über einen Mittagstisch, Gespräche und Kontakt freuen. Zwar dürfen grundsätzlich alle Menschen kommen, um ein Essen zu genießen. Die Hauptzielgruppe sind aber Menschen, denen die finanziellen Mittel oder Möglichkeiten fehlen, ein warmes Essen zu bekommen. Die Resonanz auf dieses Angebot ist groß. Pastor Holger Meyer sagt: „Jeden Mittwoch brauchen wir acht bis zehn Helfer, um den Ansturm bewältigen zu können. Sechs Helfer sind in der Küche nötig, die anderen bedienen. Schließlich müssen jeden Mittwoch etwa 100 Essen zubereitet und ausgegeben werden.“
Die Gäste kommen nicht nur aus Backnang und dem näheren Umland, sondern zum Teil auch von weiter her, „wir haben ein großes Einzugsgebiet“. Meyer ist aufgefallen: „Sobald die S-Bahn aus Stuttgart mal wieder ausfällt, fehlen uns 10 bis 15 Leute.“ Er kennt Gäste aus Esslingen, Stuttgart oder Ludwigsburg. Die weiteste Anreise, die er bislang mitbekommen hat, war die eines Manns aus Nagold. Er berichtet auch von einem Gast, der immer in Begleitung seines Betreuers gekommen ist, „für die beiden war das ein schöner Tagesausflug“. Irgendwann ist die betreute Person gestorben, „aber der Betreuer kommt immer noch“.
Angebot soll am Leben erhalten werden
Die Finanzierung des Projekts ist schwierig. Zwar bittet die Zionskirche die Besucher jedes Mal um Spenden, mit dem Zusatz: „Zwei Euro sind gut, fünf Euro sind besser.“ Doch die Ausbeute ist gering. Üblicherweise findet Meyer 160 Euro im Spendenkässle. „Bei 100 Essern etwas mager, wenn man bedenkt, dass auch die Mitarbeiter mitessen und diese sicher fünf Euro bezahlen.“ Der Rekord an Einnahmen liegt bei 280 Euro. Der Pastor rechnet vor: „Wir bräuchten aber 350 bis 400 Euro, um finanziell rauszukommen, sonst legen wir drauf.“
Dass der Kirchenmann das Angebot weiter am Leben erhält, steht trotz der ständigen finanziellen Herausforderung außer Frage. „Es ist auch für uns wichtig, diese Aufgabe zu haben. Wir führen bei all diesen Zusammenkünften immer gute Gespräche.“ Meyer verweist darauf, dass die Leute das Bedürfnis haben, mit den Helfern, den anderen Gästen und auch mit ihm zu reden: „Manchmal ist es wichtig, etwas ausgesprochen zu haben, vielleicht auch gegenüber einem Pastor.“ Wie groß die Bedeutung der Gemeinschaft ist, zeigte sich im vergangenen Jahr, als einer der Stammgäste starb. Meyer sah sehr wohl, wie einige Gäste Bilder des Verstorbenen herumgereicht haben und damit von Tisch zu Tisch gegangen sind. Einige waren sogar an der Beerdigung des Manns, „das war eine sehr schöne Geste“, so Meyer.
Es gibt auch ein Stammpublikum
Der 59-Jährige beobachtet, dass es auf der einen Seite ein Stammpublikum gibt, von dem einige sogar feste Sitzplätze haben. Auf der anderen Seite sind auch jede Woche neue Leute da. Der gebürtige Ulmer schildert: „Es herrscht eine gute Atmosphäre untereinander. Man hilft sich gegenseitig.“ Das Miteinander stößt zuweilen auch an seine Grenzen. So schildert Meyer: „Wir hatten eine Zeit lang Schwierigkeiten mit dem Salatbuffet, da gab es ein Hauen und Stechen.“ Um Streit und die ungute Stimmung aus dem Gemeindesaal zu verbannen, haben die Verantwortlichen eine wöchentlich wechselnde Tischreihenfolge festgelegt. Diese Regelung brachte Ordnung und wurde gut angenommen.
Obwohl das Angebot einen großen Aufwand darstellt, bereitet die Organisation Meyer aus verschiedensten Gründen große Freude. So ist allein schon das gemischte Helferteam „eine Bereicherung für mich“. Aktiv sind nicht nur Menschen, die er von der Kirche her kennt und denen diese Arbeit sehr wichtig ist. Es sind auch Nachbarn und Freunde der Kirchenmitglieder, die von dem Angebot gehört haben und die sagen: „Da helfe ich auch mal mit.“ Denn auch bei den Mitarbeitern spielt der Aspekt Begegnung eine große Rolle.
Essen Jeden Mittwoch lädt die Evangelisch-methodistische Kirche Backnang zum offenen Mittagstisch in die Zionskirche in Backnang ein. Hauptzielgruppe sind Menschen, denen die finanziellen Mittel fehlen, ein gutes warmes Essen zu bekommen. Jede Woche gibt es ein Salatbuffet, ein warmes Essen als Hauptgang und ein Dessert. Darüber hinaus gibt es immer auch Mineralwasser, Säfte sowie Kaffee und Tee. Die Gäste werden bedient, sodass sie am gedeckten Tisch sitzen und genießen können.
Aktivitäten Zusätzlich zum Essen beginnt jede Zusammenkunft mit einer kurzen Besinnung, einem kleinen Impuls zu Fragen der Zeit. Die Kleidertische mit gebrauchten gespendeten Kleidern werden von vielen intensiv durchgesehen und immer wird einiges auch anprobiert und mitgenommen. In Gesprächen findet Beratung und Hilfe in persönlichen Notsituationen statt.
Mittagstisch Der Mittagstisch wird in der Evangelisch-methodistischen Kirche von April bis Oktober organisiert; im Winterhalbjahr hat die katholische Gemeinde ein ähnliches Angebot.