Donald Trump betreibt einen exzessiven Kult um die eigene Person. Der Präsident stellt sich damit in die Tradition schrecklicher Potentaten, kommentiert Rainer Pörtner.
Der US-Präsident verkündete die Nachricht persönlich: Eine Serie von Kampfschiffen soll unter der Bezeichnung „Trump Class“ gebaut werden.
Von Rainer Pörtner
Er war sicher nicht der erste, aber gewiss der fleißigste Namensaufpräger: Ramses II. ließ noch zu seinen Lebzeiten reihenweise Tempel und Statuen, Obelisken und Monumentalfiguren, Stelen und sogar Ziegel mit seinem Namen versehen.
Der ägyptische Pharao war nicht nur auf prachtvollen neuen Gebäuden und Denkmälern präsent, sondern überschrieb auch die Namen verstorbener Pharaonen auf schon bestehenden Monumenten – um so die Erinnerung an seine Vorgänger zu tilgen und die eigene Autorität zu unterstreichen.
Ramses II. ist damit ein ebenso frühes wie extremes Beispiel, wie Potentaten sich durch Umbenennungen und steinerne Inschriften zu verewigen suchen, noch bevor sie das Zeitliche segnen.
Die Neuzeit kennt viele Nachahmer. In der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft gab es kaum eine deutsche Stadt ohne eine „Adolf-Hitler-Straße“ oder einen „Adolf-Hitler-Platz“. Der sowjetische Diktator Josef Stalin ließ mit Stalinabad (heute Duschanbe) oder Stalingrad (heute Wolgograd) ganze Städte nach sich selbst benennen.
Die Machthaber erklären sich selbst zu historischen Figuren
Das Stempeln von Städten, Straßen oder Gebäuden mit dem eigenen Namen ist weit mehr als nur Ausdruck einer übertriebenen Eitelkeit der Herrschenden. Das „Benennen“ ist Teil ihrer Machtsicherung und gleichzeitig Geschichtsschreibung von oben. Die Machthaber erklären sich selbst zu historischen Figuren, noch bevor die Geschichte ihr Urteil gesprochen hat.
Demokratische Gesellschaften verzichten gewöhnlich darauf, Flughäfen oder Plätze nach noch lebenden Politikern zu benennen. Lieber wird abgewartet, ob dieser Politiker oder diese Politikerin doch noch irgendeinen Blödsinn verzapft und ob die historische Bewertung mit etwas zeitlichem Abstand vielleicht nüchterner ausfällt als zunächst gedacht.
Kennedy würde sich im Grabe umdrehen
Der amerikanische Präsident Donald Trump will so lange nicht warten – und sagt damit viel aus über sein Selbstbild und seine demokratische Grundierung. Trump zelebriert den Kult um die eigene Person in seiner zweiten Amtszeit exzessiv, einschließlich des fast allgegenwärtigen Hinterlassens des eigenen Namens.
So wie er als Unternehmer seinen Hochhäusern und Hotels den eigenen Namen aufdrückte, so lässt er nun das Washingtoner Friedensinstitut kurzerhand zum „Donald J. Trump U.S. Institute of Peace“ umwidmen. Eine Kultstätte der amerikanischen Kultur in der Hauptstadt heißt nun „Donald J. Trump and John F. Kennedy Center for the Performing Arts“ – obwohl sich der verstorbene Kennedy, eine Ikone der demokratischen Linken, vermutlich im Grabe umdrehen würde, müsste er davon erfahren. Nur drei Tage nach dieser Umbenennung verkündete Trump, dass bald eine ganze Flotte neuer Militärboote als Kampfschiffe der „Trump Class“ zu Wasser gelassen werden.
Ein Trump-Kopf in der steinernen Präsidenten-Galerie?
In allerbester Diktatoren-Manier will auch Trump damit Macht demonstrieren und absichern. Wie ein absolutistischer König tut er so, als ob staatliche Einrichtungen sein Privateigentum seien.
„Alles meins!“, ist die Botschaft. Jeder, der in diesen scheinbar neutralen Umfeldern auf seinen Namen stößt, soll wissen, wer das Sagen hat. Der Name Trump soll allgegenwärtig sein, sich einbrennen bei den Amerikanern und ihnen einbläuen, dass diese Macht von Dauer sein will.
Wie üblich in solchen Fällen gibt es getreue Anhänger, die eifrig weitere Namensaufprägungen vorschlagen. Im US-Kongress liegen Gesetzentwürfe von republikanischen Abgeordneten, um einen der Flughäfen in Washington nach Trump zu benennen ebenso wie die Metro-Linie der Hauptstadt. Auf dem 100-Dollar-Schein soll sein Konterfei stehen statt dem von Benjamin Franklin. Und die steinerne Präsidenten-Galerie von Mount Rushmore wollen sie um einen Trump-Kopf erweitern.
Trump sagt: „Trump hat mit allem recht“
Das alles lässt sich belächeln und leicht verspotten, zumal Trump neben dem Pompösen ganz primitive Geldschneiderei betreibt: auch T-Shirts, Parfums und Krawatten, die jedermann gegen ordentlich Dollars käuflich erwerben darf, tragen seinen Namen. Konsequent, wie er ist, bietet er dazu eine Baseballkappe an mit der Aufschrift „Trump hat mit allem recht“.
Aber die suggestive, dauerhaft prägende Wirkung dieses Kults um den eigenen Namen darf nicht unterschätzt werden. Ramses II. war nicht der bedeutendste ägyptische Herrscher aller Zeiten. Und doch ist er heute der bekannteste der Pharaonen. Oder erinnert sich noch jemand an Ramses I., Thutmosis III. oder Haremhab?