Klima kippt immer schneller

„Der Planet Erde wird an seine Grenzen gebracht“

2015 bis 2025 sind die heißesten Jahre seit Messbeginn. Wie menschengemachte Treibhausgase das Gleichgewicht sprengen. Und welche kleiner Hoffnungsschimmer der Weltwetterorganisation WMO zufolge trotzdem bleibt.

„Der Planet Erde wird an seine Grenzen gebracht“

Waldbrände wie hier im US-Bundesstaat Washington im Jahr 2022 sind nur eine von vielen Ursachen, die zu Rekord-Emissionen an Treibhausgasen in die Atmosphäre beitragen.

Von Markus Brauer/dpa

In vielen Regionen der Erde könnte die Erwärmung schon Mitte des 21. Jahrhunderts die Drei-Grad-Schwelle erreichen oder sogar überschreiten. Weit schneller als bislang vorhergesagt. Auch Mitteleuropa, das Mittelmeer, Südasien und Teile Afrikas gehören zu diesen Gebieten, wie KI-gestützte Klimaprognosen nahelegen.

Demnach überschreiten 31 von 34 untersuchten Regionen schon 2040 die Zwei-Grad-Schwelle. 26 von 34 Regionen erreichen bis 2060 sogar die Drei-Grad-Marke. Die Folgen dürften gravierend sein.

Starke Erwärmung in Europa

Bei weiter steigendem Treibhausgas-Ausstoß könnten die Temperaturen in Europa bereits bis 2060 um mindestens drei Grad verglichen mit den vorindustriellen Werten steigen. Das schließen Forscher aus KI-gestützten Analysen. Europa erwärmt sich schneller als der globale Durchschnitt: 2023 war es bereits 2,3 Grad wärmer. Global waren es nach Daten des Klimadienstes Copernicus rund 1,48 Grad.

Jetzt hat die World Meteorological Organization (WMO) bei den pessimistischen Prognosen noch eins draufgelegt: Beim Zustand des Weltklimas gibt es nach Einschätzung der Weltwetterorganisation nur wenig Raum für Optimismus. Das Ungleichgewicht zwischen Energieaufnahme und -abgabe der Erde wächst rasant, wie es im WMO-Bericht zum Zustand des Klimas 2025 (State of the Global Climate 2025) heißt.

Today is World Meteorological Day Only by observing today can we protect tomorrow. Be part of #WorldMetDay—and explore the findings of the WMO Global #StateOfClimate 2025. LIVE at 1500 CET: https://t.co/rWdP3ZpR4u Live interpretation in all @UN official languages pic.twitter.com/Ec92FiQTrz — World Meteorological Organization (@WMO) March 23, 2026

Ein Negativrekord jagt den nächsten

Bei den Klima-Indikatoren jagen sich die negativen Rekorde. Die Temperaturen steigen, die Ozeane heizen sich auf, Eis und Gletscher schmelzen und die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre steigt unvermindert an.

„Es lässt sich nicht leugnen, dass sich diese Indikatoren nicht in eine Richtung entwickeln, die Anlass zu großer Hoffnung gibt“, sagt die Vizechefin der WMO, Ko Barrett.

UN-Generalsekretär António Guterres spricht in seiner Videobotschaft zum World Meteorological Day 2026 am 23. März von einem Notstand: „Der Planet Erde wird an seine Grenzen gebracht.“

Notstand beim Energie-Ggleichgewicht

Die WMO bestätigt, dass die Jahre 2015 bis 2025 die heißeste Elf-Jahres-Periode seit Beginn der Messungen waren. Das vergangene Jahr war das zweit- oder drittheißeste Jahr mit einer Durchschnittstemperatur von 1,43 Grad über dem vorindustriellen Niveau (1850 bis 1900). Nur 2024 war noch heißer - mit rund 1,55 Grad.

Die Organisation, die Klimawissenschaft aus aller Welt auswertet, benennt erstmals das Energie-Ungleichgewicht, das Indikatoren wie Temperaturen, Eisschmelze, Treibhausgasemissionen und andere zusammenfasst.

Bei einem stabilen Klima hielten sich die Energieaufnahme durch die Sonne und die Abgabe die Waage. Doch die menschengemachten Treibhausgase in der Atmosphäre seien auf ein Niveau gestiegen, dass die Welt seit mindestens 800.000 Jahren nicht mehr erlebt hat. Dies behindere die Hitzeabgabe.

Ozeane sind mit Abstand größte Energiespeicher

Mehr als 91 Prozent der überschüssigen Energie würden in Ozeanen gespeichert, heißt es in dem WMO-Bericht:

Sie habe trotz allem Hoffnung, betont WMO-Klimawissenschaftlerin Claire Ransom. Wenn alle dächten, man könne nichts mehr tun, würden die Emissionen weiter wachsen. „Wenn wir hingegen die Verzweiflung überwinden können, können wir das Ausmaß dieser drastischen Veränderungen begrenzen.“

Wodurch, ist auch klar: eine Verringerung des Treibhausgas-Ausstoßes. Das heißt für den Einzelnen etwa: erneuerbare Energien statt solche aus fossilen Brennstoffen nutzen, mehr Zug fahren statt fliegen, mehr Rad als Auto fahren und mehr lokale statt exotische Produkte kaufen.