Von Barry White bis Johnny Cash: Tiefe Männerstimmen gelten als sexy. Der Ein Grund: Frauen vermuten dahinter attraktivere Menschen, Männer hingegen dominantere Typen.
Johnny Cash in der Royal Albert Hall in den London (1960er Jahre).
Von Markus Brauer
Was haben Typen wie Heino, Johnny Cash, Dr. House, Tom Jones, Barry White oder Joe Cocker gemeinsam? Sie sehen nicht gerade umwerfend aus und wirken dennoch elektrisierend auf Frauen. Was haben sie nur, was andere Männer nicht haben?
Was die Tonlage über die Physis verrät
Es soll ja immer noch Menschen geben, die auf Inhalte achten. Dabei sind Aussehen und Charakter total überbewertet. Auf die Stimme kommt es an. Je tiefer, grooviger und cooler umso mehr ist das feminine Geschlecht entzückt. Was gesagt wird, spielt biologisch eine eher untergeordnete Rolle. Entscheidend ist, wie es gesagt wird.
Die Tonlage verrät eine ganze Menge über den Sprecher und seine Physis: Körperbau, genetische Fitness, physische Stärke, Dominanzverhalten. Demnach gibt es zwischen der Frequenz der Stimme und dem männlichen Hormonspiegel einen direkten Zusammenhang.
Wie tiefe Männerstimmen wirken
Attraktivität angeht, ist die Biologie immer noch maßgeblich bei der Partnerwahl. Der weibliche Wunsch gemeinsam mit dem Alpha-Männchen Nachwuchs zu zeugen und aufzuziehen, ist so alt wie das Menschengeschlecht.
Auf männliche Geschlechtsgenossen wirken tiefe Männerstimmen einschüchternd, für viele Frauen dagegen sind sie ein erotischer Magnet. Der erste instinktive Eindruck, so haben US-Forscher herausgefunden, ist dabei stärker ausgeprägt als der nachfolgende intellektuelle. Was beweist: Wenn es um die Erhaltung der Art geht, hat der Unterleib klar die Nase vorn vor dem Kopf.
Testosteron und tiefe Stimme – WOW!
Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass es einen Zusammenhang zwischen männlicher Stimmlage und der Produktion des Stresshormons Cortisol sowie des Sexualhormons Testosteron gibt. Ein hoher Testosteronspiegel gepaart mit einem niedrigen Cortisolspiegel steht für Aggressivität und Dominanz.
Die Art des Sprechens erfüllt bestimmte biologische Funktionen. Frauen können sich tiefe Stimmen besser merken. Außerdem sind Hörer verschiedenster Kulturen in der Lage, von der Sprache auf die Stärke eines Mannes zu schließen.
Anders als bei Männern fanden Forscher bei Frauenstimmen indes keine bestimmte Frequenz, die als besonders attraktiv oder erotisierend wahrgenommen wird. Ebenso wenig konnten sie einen hormonellen Zusammenhang zwischen Stimme und Sexualität nachweisen. Das Ergebnis verwundert, weil normalerweise zarte Stimmchen als besonders feminin und anziehend gelten.
Männer – ständig auf der Jagd
Wissenschaftler haben für eine Studie bei 1721 Primatenlauten genauer hingehört. Dabei festigte sich die Annahme, dass vor allem intrasexuelle Selektion – also das Durchsetzten gegen das eigene Geschlecht – ein Grund für die unterschiedlichen Stimmhöhen sein könnte. Die hörbaren Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind demnach größer, wenn die Männchen einer bestimmten Art polygam leben und nur einige wenige zum Zug kommen.
Beim Menschen deuten Evolutionsmerkmale wie die Verkleinerung der Eckzähne eigentlich daraufhin, dass der Selektionsdruck eher abgenommen hat. Die Forscher waren deshalb überrascht, dass die Menschen die stärksten geschlechtlichen Stimmunterschiede aller untersuchten Arten hatten.
Daraus schließen die Forscher unter anderem, dass Menschen wohl nicht als grundsätzlich monogam angesehen werden sollten und stärker polygam orientiert sind als angenommen.