Politbarometer

Deutliche Mehrheit der Deutschen für militärische Ukraine-Hilfen

Laut einer neuen Umfrage befürworten knapp zwei Drittel der Befragten militärischen Beistand für Kiew. Glauben die Deutschen, dass Putin auch weitere Länder angreift?

Deutliche Mehrheit der Deutschen für militärische Ukraine-Hilfen

Ein ukrainischer Soldat neben einer Drohne. In ihrem Verteidigungskampf gegen Russland ist die Ukraine auf militärische Hilfe aus Europa und den USA angewiesen. (Symbolbild)

Von Ole Rockrohr

Es sind schwere Zeiten für die Ukraine. Der russische Angriffskrieg ist im fünften Jahr, und derzeit häufen sich die Meldungen darüber, dass die Unterstützung für die Regierung in Kiew wegbricht. Trump zeigt sich mehr und mehr als Putin-Freund und der Techmilliardär Elon Musk soll persönlich dafür gesorgt haben, dass den ukrainischen Streitkräften das Internet gedrosselt wurde. Hinzu kommt in Europa die hohe Beliebtheit von Parteien, die sich kritisch gegenüber den Ukraine-Hilfen äußern. Doch die Mehrheit der Deutschen spricht sich laut einer neuen Umfrage noch immer für die Unterstützung der Ukraine aus.

Grünen-Wähler fordern mehr militärischen Beistand

Laut ZDF-Politbarometer befürworten knapp zwei Drittel der Deutschen den militärischen Beistand der Ukraine. 30 Prozent der Befragten sprachen sich demnach für stärkere Hilfen aus, während 33 Prozent für die Fortführung auf gleichem Niveau plädieren. Rund ein Drittel, 32 Prozent, empfinden die Hilfeleistungen als zu hoch und sind für eine Reduzierung der europäischen Ukraine-Hilfe.

Dabei unterscheidet sich die Meinung zu diesem Thema stark, je nach der Partei, die die Befragten wählen würden. Am deutlichsten ist die Zustimmung bei Anhängern der Grünen und der Unionsparteien. 89 Prozent der Befragten, die die Grünen wählen würden, sind für eine Erhöhung (54 Prozent) oder die Beibehaltung (35 Prozent) der militärischen Unterstützung durch Europa. Bei der Union sind es 83 Prozent, wobei auch hier eine Mehrheit für die Intensivierung ist (43 Prozent) und 40 Prozent sie auf dem jetzigen Level beibehalten wollen.

Die höchste Ablehnung findet man bei den Anhängern der AfD. Wenig überraschend spricht sich der Großteil der AfD-Wähler für geringere Hilfen aus. Insgesamt sind es 81 Prozent der Sympathisanten, die beim militärischen Beistand der Ukraine Kürzungen sehen wollen.

Mehrheit in Ost und West befürwortet militärische Ukraine-Hilfen

Und auch der Wohnort der Befragten spielt eine Rolle, auch wenn er nicht so stark ins Gewicht fällt wie die präferierte Partei. In Ostdeutschland befürwortet eine knappe Mehrheit von 49 Prozent die Ukraine-Hilfen, wobei 27 Prozent dafür sind, dass die militärische Unterstützung so bleiben soll, und 22 Prozent dazu tendieren, sie zu verstärken. 42 Prozent der Ostdeutschen sprechen sich für eine Reduzierung des militärischen Beistands aus. 9 Prozent antworteten auf die Frage mit „weiß nicht“.

Im Westen der Republik fordern 29 Prozent weniger Beistand für Kiew. 67 Prozent der Befragten in Westdeutschland sind jedoch dafür. 32 Prozent sprechen sich für eine Erhöhung aus, 35 Prozent sagen, die Hilfe solle so bleiben wie bisher.

Hälfte der Befragten glaubt nicht an einen Angriff Putins auf NATO-Länder

Uneinigkeit herrscht bei der Einschätzung von Putins Aggressionspotenzial. Ob der Kremlchef neben der Ukraine auch die östlichen NATO-Länder oder die baltischen Staaten (Estland, Lettland und Litauen) angreifen wird, darüber gibt es in Deutschland keine klare Meinungsmehrheit. 46 Prozent gehen davon aus, während 48 Prozent nicht mit einem Angriff rechnen. In Ostdeutschland zeigen sich mit 57 Prozent deutlich mehr Befragte skeptisch, was einen solchen Angriff angeht, als in Westdeutschland, wo 46 Prozent nicht daran glauben.

Für die Umfrage ist die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen zuständig. Sie befragten 1.225 zufällige Wahlberechtigte via Festnetz und Mobilfunk. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die wahlberechtigte Bevölkerung Deutschlands, wobei der Fehlerbereich bei rund drei Prozentpunkten liegt.