Benzin und Diesel werden in ganz Europa teurer. Doch ein Blick auf aktuelle Vergleichsdaten zeigt: In Deutschland steigen die Preise derzeit besonders stark – stärker als in unseren Nachbarländern.
Tanken wird immer teurer.
Von Katrin Jokic
Die Preise für Benzin sind in Deutschland innerhalb weniger Wochen besonders stark gestiegen. Am 9. März lag der durchschnittliche Preis für einen Liter Benzin bei 2,03 Euro. Im Vergleich zum Vormonat entspricht das einem Anstieg von rund 16 Prozent.
Damit verzeichnet Deutschland im Vergleich mit unseren Nachbarländern den größten Preissprung. Zwar sind auch in anderen Ländern deutliche Verteuerungen zu beobachten, doch sie fallen meist geringer aus. In Österreich etwa stieg der Benzinpreis um knapp 15 Prozent auf rund 1,71 Euro pro Liter. In Luxemburg, wo Tanken traditionell günstiger ist, betrug der Anstieg etwa 13 Prozent bei einem Preis von 1,65 Euro.
Noch moderater verlief die Entwicklung in anderen Teilen Europas. In Frankreich verteuerte sich Benzin um rund 6,5 Prozent, während der Preis in Polen nur um etwa 2,3 Prozent und in Tschechien um 1,7 Prozent zulegte. Dort bleibt Tanken mit rund 1,36 bis 1,39 Euro pro Liter deutlich günstiger als in Deutschland.
Auch Dieselpreise ziehen deutlich an
Ähnlich sieht es beim Diesel aus. In Deutschland kostete ein Liter am 9. März durchschnittlich 2,18 Euro – rund 27,5 Prozent mehr als einen Monat zuvor. Nur Luxemburg verzeichnete mit etwa 28 Prozent einen minimal stärkeren Anstieg, allerdings von einem deutlich niedrigeren Preisniveau aus.
Auch in Österreich und Dänemark kletterten die Dieselpreise kräftig um mehr als 20 Prozent. In vielen anderen Ländern fiel der Preisanstieg dagegen deutlich schwächer aus. In Frankreich lag er bei rund 16,8 Prozent, in der Schweiz bei etwa 9,5 Prozent. Besonders gering war die Entwicklung erneut in Osteuropa: In Tschechien und Polen stiegen die Preise nur um rund 2 Prozent.
Konflikt im Nahen Osten treibt Ölpreise nach oben
Auslöser der Entwicklung ist vor allem der Konflikt im Nahen Osten. Die geopolitische Unsicherheit treibt die Preise für Rohöl an den internationalen Märkten nach oben. Besonders wichtig ist dabei die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Öltransportrouten der Welt. Ein großer Teil des globalen Rohöls wird durch diese Meerenge transportiert.
Steigt der Ölpreis, wirkt sich das meist relativ schnell auf die Preise für Benzin und Diesel aus.
Hoher Steueranteil in Deutschland
Dass Tanken in Deutschland besonders teuer ist, hat auch strukturelle Gründe. Ein großer Teil des Preises besteht aus staatlichen Abgaben. Dazu gehören die Energiesteuer, die CO2-Abgabe sowie die Mehrwertsteuer von 19 Prozent.
Insgesamt machen Steuern und Abgaben laut ADAC etwa 64 Prozent des Benzinpreises und rund 56 Prozent des Dieselpreises aus. Dadurch können Preisschwankungen auf den internationalen Märkten hierzulande stärker sichtbar werden als in Ländern mit geringeren Abgaben.
Kritik an der Mineralölbranche
Verbraucherschützer und der ADAC kritisieren zudem, dass steigende Rohölpreise häufig sehr schnell an Autofahrer weitergegeben werden. Sinkende Ölpreise würden dagegen oft deutlich langsamer an den Zapfsäulen ankommen.
Politik beobachtet Entwicklung
Die steigenden Preise sind inzwischen auch Thema in der Politik. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat angekündigt, die Entwicklung gemeinsam mit dem Bundeskartellamt prüfen zu lassen. Dabei soll beobachtet werden, ob Unternehmen die Situation ausnutzen.
Die verwendeten Zahlen stammen von der Plattform GlobalPetrolPrices.com. Dort werden wöchentlich durchschnittliche Kraftstoffpreise aus rund 150 Ländern und mehr als 250 Städten weltweit erfasst und veröffentlicht.