Deutschlands Serie gerissen

Eine schwache Leistung führt zur ersten Niederlage der DFB-Elf bei der Weltmeisterschaft. Ecuador siegt mit 2:1 – bei einem Spiel, bei dem Deniz Undav dieses Mal kein Faktor war.

Von Carlos Ubina

New York - Das war nichts! Nach einer in Teilen erschreckend schwachen Leistung steht für die DFB-Elf die erste Niederlage bei dieser WM. Das Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann, das vorher bereits als Gruppensieger festgestanden hatte, verlor am Donnerstag im Finalstadion von New Jersey verdient mit 1:2 gegen Ecuador.

Nagelsmann hatte sich im letzten Gruppenspiel gegen die große Rotation entschieden. Antonio Rüdiger begann in der Innenverteidigung für Nico Schlotterbeck, für den nach seinem Bänderriss im Sprunggelenk die WM vorbei ist. David Raum startete links hinten für den angeschlagenen Nathaniel Brown (Adduktorenprobleme) – das war es an Wechseln in der Startelf. Weshalb Top-Scorer Deniz Undav vom VfB Stuttgart wieder nur ein Platz auf der Bank blieb.

Aber dieses Mal schien es Undav zunächst gar nicht zu brauchen. Denn schon nach zwei Minuten stand es 1:0 für die DFB-Elf. Florian Wirtz legte im Sechzehner ab auf Leroy Sané – und der umstrittene Flügelstürmer betrieb Eigenwerbung: mit einem platzierten Linksschuss erzielte er die Führung. Der Treffer allerdings war hochumstritten, denn in der Entstehung hatte Mittelfeldmann Aleksandar Pavlovic das Bein im Zweikampf gegen Pedro Vite sehr hoch. Der Fuß war im Gesicht, doch der Treffer zählte am Ende. Eine sehr glückliche Entscheidung aus Sicht des deutschen Teams.

Unglücklich lief es aber schon wenig später– weil Ecuador früh ausgleichen sollte. Der zuletzt so hochgelobte Felix Nmecha verlor im Mittelfeld den Ball, Nilson Angulo traf mit sattem Schuss ins lange Eck: 1:1 in der neunten Minute.

Was für ein Start ins Spiel – sollte es so spektakulär weitergehen? Klare Antwort: nein. Ecuador machte es der deutschen Elf mit aggressiver Zweikampfführung und kluger Raumaufteilung schwer. Die Südamerikaner dominierten die Partie. Das allerdings, ohne sich Chancen herauszuspielen.

Der Auftritt des Nagelsmann-Teams geriet bis zur Trinkpause nach 27 Minuten enttäuschend. Hektisch und fahrig war der Spielaufbau, auch bedingt durch das starke Pressing der Ecuadorianer. Nach der Erfrischung wurde es nicht besser, auch wenn das Spiel nun ausgeglichen war. Mit dem 1:1 ging es in die Pause.

Nach dem Wiederbeginn dann kam Mittelfeldmann Angelo Stiller vom VfB Stuttgart für Pavlovic in die Partie – in der nach drei Minuten ein Elfmeter für das deutsche Team (Foul an Kai Havertz) nach Eingriff des Videoassistenten zurückgenommen wurde: Sané hatte seinen Gegenspieler vorher im Mittelfeld gefoult.

Das deutsche Spiel wurde danach weiter nicht besser. Zeit also für den Top-Joker. Undav kam nach einer Stunde für den schwachen Kai Havertz ins Spiel. Und alles wartete wieder darauf, dass Undav seine Undav-Dinge machte. Die bisherige WM-Bilanz: zwei Jokereinsätze, fünf Scorerpunkte.

Am Donnerstagabend hatte kurz nach der Einwechslung des VfB-Angreifers aber Ecuador die erste Chance des zweiten Durchgangs: Enner Valencia prüfte nach 62 Minuten Manuel Neuer.

Nach der Trinkpause in Hälfte zwei stand wieder Neuer im Mittelpunkt, denn es gab ein Missverständnis des Keepers mit Innenverteidiger Jonathan Tah. Glück für die DFB-Elf, dass die ecuadorianische Offensive diesen Fauxpas nicht nutzen konnte. Wenig später vergab Sané auf der anderen Seite, als er den Ball nicht richtig traf – und dann, ja dann gab es den verdienten Rückstand für Deutschland.

Nach einer Ecke und der folgenden Kopfballverlängerung von Kevin Rodriguez vollendete Gonzalo Plata in Minute 78 aus kurzer Distanz zum 2:1 – Neuer war schon entschlossener aus seinem Tor gekommen. Wo ist eigentlich die vielzitierte Aura des Weltmeisters von 2014 bei dieser WM? Neuer war bisher kein Faktor gewesen. Jetzt, gegen Ecuador, war er ein negativer.

Und Undav? Sollte er sich wie bei seinem Doppelpack zum 2:1 gegen die Elfenbeinküste wieder zu einer Art Retter für die Nagelsmann-Mannschaft aufschwingen? Dieses Mal wurde daraus nichts, Undav war kein Faktor. Und am Ende stand die Niederlage des DFB-Teams im dritten Gruppenspiel.

Weiter geht es für Deutschland mit dem Sechzehntelfinale am Montag in Boston (22.30 Uhr). Der Gegner, ein Gruppendritter, ist noch offen.