Bei den Erdkröten klammern sich die Männchen auf der Wanderung gerne auf dem Rücken der Weibchen fest. Foto: privat
Backnang. Ob sich die Erdkröten und Grasfrösche tatsächlich in Prinzen verwandeln, wenn man sie küsst, dafür gibt es keine Garantie. Dennoch wirbt der Nabu Backnang augenzwinkernd mit dem Märchen und sucht nach „Prinzenrettern“. Denn für die heimischen Amphibien steht die Wandersaison vor der Tür, die Hochzeitsreise der Frösche und Kröten. „Zu Tausenden starten die Amphibien nun erneut ihre gefährliche Reise zu ihren Laichgewässern“, heißt es in der Pressemitteilung des Nabu.
Weil aber viel befahrene Straßen wie etwa die Kreisstraße 1897 zwischen Backnang und Steinbach ihre Wanderroute durchziehen, benötigen die Tiere Hilfe, um die Reise unbeschadet zu überstehen.
In Backnang haben am vergangenen Wochenende daher zahlreiche Helferinnen und Helfer zusammengearbeitet und einen knapp 500 Meter langen Zaun errichtet. Dieser hält die Kröten, Frösche und Molche davon ab, auf die Straße zu hüpfen. Stattdessen wurden in regelmäßigen Abständen Eimer im Boden eingelassen, in welche die Tiere im besten Fall hineinplumpsen.
In Eimern werden die Tiere in das Biotop gebracht
Damit ist die Arbeit aber noch nicht getan, im Gegenteil: Die umfangreichere Aufgabe steht erst noch an. Jeden Morgen und jeden Abend gehen Ehrenamtliche die Zäune ab und kontrollieren, ob sich dort Kröten, Frösche und Molche befinden. Diese Tiere werden in Eimern gesammelt und durch die Unterführung in das Biotop gebracht, wo sie schließlich laichen können. Und auch bei der Rückwanderung bekommen die Amphibien Hilfe und werden im Eimertaxi zurück in den Plattenwald gebracht. Neue Helferinnen und Helfer sind stets gerne gesehen (siehe Infotext), denn die Wanderzeit der Tiere kann sich über Monate erstrecken.
„Warum der viele Aufwand?“, wird sich manch einer fragen. Die Antwort darauf liefert der Nabu Backnang: „Unsere heimischen Amphibien sind allesamt bedroht und in ihrem Bestand gefährdet“, heißt es auf dessen Website. „Das immer dichter werdende Straßennetz sowie die hohe Verkehrsdichte sorgen für einen dramatischen Rückgang der Populationen. Die Natur bedarf unserer Hilfe, um den Fortbestand dieser geschützten Arten nicht zu gefährden.“
Auch wird ausgeführt, welche Funktion die Amphibien in unserem Ökosystem haben: „Sie sind Jäger und Gejagte und fressen lästige Schnecken und Schädlinge wie zum Beispiel den gefürchteten Borkenkäfer. Damit schützen sie auch unsere Wälder und Gärten.“ Seit Jahren ist die Amphibienpopulation in Baden-Württemberg rückgängig. Das Backnanger Biotop trotzt dieser Entwicklung bislang. Wurden 2018, als Nabu-Engagierte erstmals den Schutzzaun errichteten, 744 Tiere ins Biotop transportiert, so waren es wenige Jahre später schon mehr als 4000. Doch auch in Backnang sind die Voraussetzungen nicht ideal, denn die Pfaffenrinne verlandet immer mehr. In der Vergangenheit wurde immer wieder mithilfe des THW Wasser hineingepumpt. Perspektivisch sollen neue Laichgewässer errichtet werden.
Ort Der Nabu Backnang betreut zwei große Wanderrouten, einmal zwischen Backnang und Steinbach am Biotop Pfaffenrinne sowie entlang der Winnender Straße am Ebnisee (Kaisersbach). Für beide werden Helfer gesucht. Am Ebnisee muss der Zaun auch erst noch aufgebaut werden.
Ausrüstung und Wissen Wer bei der Amphibienrettung mitmachen will, benötigt keine Vorkenntnisse, eine Einweisung erfolgt durch den Nabu. Helferinnen und Helfer sollten aus Sicherheitsgründen beim Sammeln eine Warnweste tragen, außerdem sollte man Taschenlampen oder Stirnlampen sowie Eimer (nach Möglichkeit mehrere) mitbringen.
Kontakt Naturschützer, die abends und morgens bei den Sammlungen helfen möchten, melden sich per E-Mail an amphibien@nabu-backnang.de.