In der Landesmesse findet an diesem Wochenende die Comic Con statt. Mit Stargästen und vielen kostümierten Besuchern.
Drag Queens Vava Vilde, Rachel Intervention und Bambi Mercury (von links).
Von Frank Rothfuß
Stuttgart - Sean Gunn kann nichts erschrecken. Der Mann hatte es bereits mit sprechenden Waschbären und Weltenzerstörern zu tun. In „Guardians of the Galaxy“ spielt er den etwas tumben Weltraumpiraten Kraglin. Bei „Gilmore Girls“ gab er das Muttersöhnchen Kirk Gleason. Am Wochenende ist er in Stuttgart bei der Comic Con. Und gibt Autogramme.
Nicht umsonst natürlich. 45 Euro kostet sein Namenszug, für 45 Euro darf man sich auch mit ihm fotografieren lassen. Auch Kida Khodr Ramadan verdient sich ein Zubrot. Der Toni Hamady aus „4 Blocks“ lässt sich sein Autogramm 40 Euro kosten. Sasha Pieterse ist mit „Pretty Little Liars“ bekanntgeworden, Lee Ingleby als Schaffner Stan Shunpike bei „Harry Potter“. Auch die beiden zählen zur Riege der Gaststars. Die allerdings ausgedünnter daherkommt als in den Vorjahren. Da waren in Stuttgart schon mal Mads Mikkelsen da oder MacGyver Richard Dean Anderson.
Comic Con in Stuttgart: Vier Hallen rund um die Popkultur
Offenbar braucht es nicht mehr die ganz großen Namen, um die Menschen anzulocken. Die Messe füllt sich an den beiden Tagen auch so mit 50 000 Menschen, ohne dass man viel Geld für teure Stars ausgeben muss. Seit dem Start vor neun Jahren ist die Messe stetig gewachsen. In zwei Hallen hatte man begonnen, dieses Jahr füllt man erstmals vier Hallen mit allem rund um Popkultur. Ein Portfolio, dass sich stetig erweitert und bei dem man sich wundert, mit was sich Menschen so alles inständig und begeistert beschäftigen.
Das merkt schon, wer einfach durch die Hallen wandelt. Viele der Besucher haben sich in ihre Lieblingscharaktere aus Filmen, Serien, Spielen, Comics und Mangas verwandelt. Cosplay genannt. Eine Welt, die so ganz anders ist als die Welt draußen. Das merkt man schon an dem Hinweis im Programmheft: „Bitte beim Verlassen des Geländes darauf achten, Cosplaywaffen ordnungsgemäß zu verstauen und nicht offen zu tragen.“ Sturmtruppen dürfen also ihre Blastergewehre nur in der Galactic Cantina präsentieren. Jener Zone in der Halle 4, in der „Star Wars“ und all seine Ableger gefeiert und gelebt werden.
400 Zeichner sind da, zeigen ihre Künste. Auf der Bühne diskutiert man unter anderem über den Stand der hiesigen Comicszene. Es gibt die größte in Lego gebaute Ninja-Go-Ausstellung der Welt, die Game Zone wurde vergrößert, dort kann man 50 verschiedene Spiele zocken, dabei gibt es Europa-Premieren. Auch die Card Zone wächst und wächst, jener Bereich, in dem mit Karten gehandelt wird, seien es die den meisten wohl bekannteren Fußballkarten, die es aber zu jedem noch so schrägem Thema mittlerweile gibt. Der Kapitalismus neigt dazu abzuklopfen, wie sich die Leidenschaft der Mitmenschen in Geld umsetzen lässt. So zeigt sich auch Ebay auf der Messe. Die Auktionsplattform startet ihr deutsches Live-Format am Samstag in Stuttgart. Natürlich mit Verkäufern von Karten. Die in der Sprache des Internet natürlich „Top Seller“ sind.
Die Drag Queens wie Bambi Mercury, Rachel Intervention, Vava Vilde verkaufen sich auch ein Stück weit selbst bei ihren Auftritten auf der Bühne und im Fernsehen, man muss ja von was leben. Entertainment halt. Doch legen sie Wert darauf, dass das, was sie tun, mehr ist als nur Fassade. Seit einigen Jahren gibt es bei der Comic Con die Queer Avenue mit Tipps zum Stylen. Aber auch Organisationen wie die Aids-Hilfe und „100 Prozent Mensch“ sind vertreten. Mut machen zum sich ausprobieren wollen sie, zum Spiel mit Identitäten, auch mal „drüber sein“, zeigen, es ist okay wie Du bist. Und vor allem, man ist nicht alleine mit dem Gefühl und dem Wunsch, anders zu sein. Da ist man bei der Comic Con gut aufgehoben.