US-Angriffe auf Iran

Die Kriegsfrage entfremdet Trump und Vance

Donald Trump hatte einst versprochen, Amerika aus militärischen Abenteuern rauszuhalten. Der Iran-Krieg entzweit den Präsidenten und seinen Vize.

Die Kriegsfrage entfremdet Trump und Vance

Seit Januar 2025 haben sie das Sagen im Weißen Haus: Präsident Donald Trump und sein Vize JD Vance.

Von Rainer Pörtner

JD Vance gilt derzeit als Favorit, wenn es um die Nachfolge von Donald Trump geht. Er ist erst 41 Jahre alt und bereits Vizepräsident. Für einen Großteil der „Make-America-Great-Again“-Bewegung (MAGA) steht der Mann aus Ohio auf Platz Eins, wenn es um die Frage geht, wer Präsidentschaftskandidat der Republikaner im Jahr 2028 werden soll.

Vance ist auch deshalb ein MAGA-Liebling, weil er sich stets wortgewaltig gegen militärische Abenteuer der USA einsetzte. Als er Trump 2023 seine Unterstützung im Präsidentschaftswahlkampf versprach, nannte Vance als wichtigsten Grund: Trump habe in seiner ersten Amtszeit als Präsident „keinen Krieg angefangen“.

Vance steht wie wenige andere für einen Anti-Interventionismus der USA. Im Wahlkampf 2024 sprach er sich ausdrücklich gegen einen Krieg gegen den Iran aus. Der liege nicht im nationalen Interesse, würde nur „Ressourcen binden“ und sei „teuer für die Vereinigten Staaten“.

Trump: „Ich werde keine Kriege beginnen, ich werde Kriege beenden“

Neben vielen anderen Trump-Anhängern hat auch Vance große Mühe, der Wendung ihres Idols vom Friedens- zum Kriegspräsidenten zu folgen. „Ich werde keine Kriege beginnen, ich werde Kriege beenden“, versprach Trump am Abend seines Wahlsiegs im November 2024. Seit er jedoch zurück ist im Weißen Haus, griff er sieben Staaten militärisch an. Mit dem Iran-Krieg geht er das Risiko ein, die USA in einen lang anhaltenden Kampf mit vielen Opfern zu verstricken.

Nach Beginn des Iran-Kriegs blieb Vance 72 Stunden lang still. Kein Interview, kein Post auf Social Media. Das war höchst ungewöhnlich für einen Mann, der ansonsten keine Gelegenheit auslässt, für Trump zu trommeln. „Wo zur Hölle ist JD Vance?“, fragte schon Marjorie Taylor Greene, ein Urgestein der MAGA-Bewegung und dezidierte Kriegsgegnerin.

Als er sein Schweigen brach, betonte er vor allem, dass es keinen längeren Einsatz geben werde. „Donald Trump wird es auf keinen Fall zulassen, dass daraus ein jahrelanger Konflikt wird, ohne Ende in Sicht.“

Intern spricht sich Vance zunächst gegen den Iran-Krieg aus

So versuchte er die eigene Glaubwürdigkeit zu retten, ohne dem Präsidenten in den Rücken zu fallen. Und doch ist offensichtlich, dass es in dieser Frage einen Dissens zwischen dem Präsidenten und seinem Vize gibt.

Laut einem Bericht der „New York Times“ hatte sich Vance bei Besprechungen im Weißen Haus zunächst gegen die Iran-Attacke positioniert, dann aber eingesehen, dass er mit seinen Zweifeln nicht durchdringen würde. Er habe schließlich nur noch gebeten, dass der Angriff „schnell“ durchgeführt und „groß“ gedacht werden müsse – um amerikanische Verluste gering zu halten.

Mehrheit der Amerikaner ist gegen die Luftschläge

Mit seiner Skepsis hat Vance eine große Mehrheit der Amerikaner hinter sich. Laut einer Umfrage der Washington Post lehnen 52 Prozent der US-Bürger die Luftschläge ab. CNN berichtet, unter den Republikanern sei ein Viertel gegen den Iran-Krieg.

Viele Amerikaner fragen sich, warum ihr Präsident einen teuren Krieg anfängt, wenn zuhause das Geld für Soziales und Gesundheit zusammengestrichen wird. Die Entwicklung dieser Stimmungslage dürfte entscheidend davon abhängen, ob noch mehr US-Soldaten sterben und ob der Krieg die weltweiten Energie- und Warenströme dauerhaft schwer stört – mit Folgen für die Preisentwicklung in den USA.

JD Vance, der einst selbst als Presseoffizier im Irak-Krieg Dienst tat, hatte sich eigentlich einem Präsidenten verschworen, der daran gemessen werden wollte, wie viele Kriege er verhindert oder sogar beendet. Jetzt hängt sein politisches Schicksal mit am Ausgang eines Krieges, den Trump aus eigenem, freien Entschluss führen wollte.