Große Turniere sind immer auch eine millionenschwere Transferbörse – und die Bundesliga ist mittendrin.
Von sid
Stuttgart - Das berühmte Transferfenster öffnet am Mittwoch – doch schon längst ist der Markt in heller Aufregung. Die Fußball-Weltmeisterschaft in Nordamerika stellt viele Stars und Sternchen noch mehr als sonst ins Schaufenster, und die Bundesliga ist mittendrin im Geschacher der Clubs um die Hochbegabten. Ob Yan Diomande, Nathaniel Brown, Felix Nmecha, Ismael Saibari, Deniz Undav, Alejandro Grimaldo oder Johan Manzambi – ihre Auftritte werden international genau beobachtet.
Vor allem RB Leipzig darf sich Hoffnungen auf ein „unmoralisches Angebot“ machen. Supertalent Diomande gilt als einer der begehrtesten Spieler an der Börse. Den 19-jährigen Ivorer zieht es zu Champions-League-Sieger Paris Saint-Germain – trotz Vertrags bei RB bis 2030 ohne Ausstiegsklausel. Zuletzt hatte auch der FC Liverpool Interesse an dem schnellen Flügelstürmer signalisiert. Eine Ablöse von 130 Millionen Euro steht im Raum. RB-Geschäftsführer Sport Marcel Schäfer hatte sich trotz des anbahnenden Abschieds zuletzt gelassen gezeigt. „Wir sitzen auf dem Fahrersitz und alle anderen auf der Rückbank“, sagte er.
Ähnlich ist die Lage beim Freiburger Manzambi, der jeden Tag teurer wird, weil die englischen Topclubs Manchester United, FC Arsenal, FC Chelsea und Manchester City den 20-Jährigen verpflichten wollen. Man verfolge dies alles „sehr entspannt“, betonte SC-Sportdirektor Klemens Hartenbach: „Wir haben unsere Vorstellung, entweder wir verkaufen super, oder wir haben einen super Spieler, wenn Johan bleibt.“ Bis 2030 hatte der Schweizer Manzambi im vergangenen Sommer verlängert. Inzwischen sind 60 oder 70 Millionen Euro keine Utopie mehr.
Auch der VfB Stuttgart und Borussia Dortmund hatten vorausblickend die Verträge mit Undav (bis 2029 plus Option) und Nmecha (bis 2030) rechtzeitig angepasst. Doch eine Garantie für einen Verbleib ist dies noch lange nicht. „Unabhängig von Vertragslaufzeiten können starke Leistungen bei einer WM alles verändern – für die Zukunft der Spieler und deren Clubs“, sagte Rekordnationalspieler Lothar Matthäus: „Wenn die unmoralischen Angebote kommen, können Clubs wie der VfB oder der BVB irgendwann nicht mehr nein sagen.“
Der FC Bayern hatte frühzeitig die Verhandlungen mit Eintracht Frankfurt über WM-Aufsteiger Brown und mit der PSV Eindhoven über Saibari, der bei Marokko für reichlich Furore sorgt, aufgenommen. Für Brown zahlt der Rekordmeister rund 50 Millionen plus fünf Millionen Euro Bonus, für Saibari knapp unter 55 Millionen Euro.