Verwirrung um den unabhängigen Senatskandidaten Dan J. Sullivan jr., der aktuell nicht auffindbar sein soll.
Von Michael Maier
Donald Trump hat auf Truth Social den unabhängigen Bewerber Daniel J. Sullivan Jr. als „Fake-Kandidaten“ bezeichnet und behauptet, niemand könne ihn finden. Ferner brachte Trump ohne konkrete Belege die Möglichkeit ins Spiel, demokratische Anwälte könnten Sullivan entführt haben.
Was ist über Sullivan bekannt – und was bleibt Spekulation? Sullivan ist pensionierter Lehrer und lebt seit 1980 in Petersburg (Alaska). Er kandidiert als Unabhängiger für den US-Senat. In einem Wahlkampfmanifest schrieb er, er sei zunehmend besorgt, dass der amtierende republikanische Senator – sein Namensvetter Daniel S. Sullivan – den Kontakt zu den Menschen verloren habe, die er vertreten soll.
Doppelter Sullivan nicht erreichbar?
Laut CBS News hatte Daniel J. Sullivan jr. seine Heimatstadt vor der Wahlwoche verlassen und war für Medien zunächst nicht mehr erreichbar. Eine ehemalige Schülerin sagte dem Sender, sie habe ihn am Montag, dem 26. Oktober, auf einem Flug nach Anchorage gesehen. Sein derzeitiger Aufenthaltsort soll demnach unklar sein.
Der konservative Influencer Nick Sortor schrieb auf X, er habe zwei Tage lang Sullivans Haus observiert und dort keine Bewegung festgestellt. Er brachte das mit einem Bericht der New York Times in Verbindung, wonach demokratische Wahlkampfstrategen Sullivan als Kandidaten angeworben hätten, um Wähler zu verwirren. Sortors mutmaßliche Beobachtung belegt jedoch weder, wo Sullivan ist, noch warum er Petersburg verlassen haben könnte.
Eine Entführung ist laut Medienberichten von Newsweek, CBS News und AP jedenfalls nicht bestätigt. Auch ein behördlich bestätigter Vermisstenfall liegt nicht vor. Trumps Darstellung geht somit weit über das hinaus, was belegbar ist.
Demokraten wollen von „falschem“ Sullivan nichts wissen
Das Democratic Senatorial Campaign Committee (DSCC) erklärte gegenüber Newsweek, es habe Daniel J. Sullivan nicht als Bewerber lanciert. Auch die Kampagne der demokratischen Kandidatin Mary Peltola bestritt jegliche Verbindung kategorisch. Ein Sprecher des amtierenden Senators Dan S. Sullivan warf Peltola und den Demokraten dagegen vor, Wähler gezielt zu täuschen und zu verwirren.
Im Senatsrennen stehen zwei Kandidaten mit dem Nachnamen Sullivan: der republikanische Amtsinhaber Dan S. Sullivan und der unabhängige Herausforderer Daniel J. Sullivan. Auf dem Wahlzettel sind die Unterschiede jedoch hinreichend dadurch klar gemacht, dass der Amtsinhaber gekennzeichnet wurde.
Bis 19.11. Patt im Senat wegen Alaska?
Zwischen den aussichtsreichen Bewerbern in Alaska ist das Rennen um den Senatssitz indes sehr knapp. Eine aktuelle Umfrage von New York Times und Siena unter 610 wahrscheinlichen Wählern sieht Mary Peltola (D) bei 48 Prozent und Dan S. Sullivan bei 46 Prozent. Anfang Oktober hatte Peltola in einer früheren Umfrage noch klar mit 50 zu 43 Prozent geführt. Könnten die Entwicklungen um den „falschen“ Sullivan für die Demokraten womöglich nach hinten losgehen?
Eine Trump-Klage gegen die Wahl mit dem doppelten Sullivan ist jedenfalls aus formalen Gründen gerichtlich abgelehnt worden. Aufgrund von Besonderheiten des Wahlrechts könnte sich die Auszählung in dem nördlichen Bundesstaat jedoch im Extremfall bis zum 19. November verzögern – und damit womöglich zu einer vorübergehenden Pattsituation im Senat führen.
Trump mit dem „echten“ Dan Sullivan.