Gegenstand einer schwäbischen Redewendung: Weinbergschnecke
Von Jan Sellner
Siegmar Windholz aus „Esslenga am Neggr“ beginnt ihren Beitrag mit den Worten: „Ich pflege meine schwäbische Muttersprache und verschdand emmer no et älles.“ Dazu liefert er folgendes Beispiel: „Kürzlich berichtete eine gute Bekannte aus ,Oberberga' (Oberberken im Schurwald), dass ihre langjährige Freundin nicht mehr gut zu Fuß sei und des Öfteren stolpere, weil ,se d’Fiaß vermischdgabled'. Diesen Ausdruck hab ich noch nie gehört. Er beschreibt jedoch bildhaft, was passieren kannt, wenn man sich bei der Stallarbeit mit den Zinken der Mistgabel verhakt oder hängen bleibt. Wie kreativ! Überhaupt empfehle ich, einmal einen Nachmittag im Backhäusle eines Landfrauen-Vereins zu verbringen. Das ist sowohl kulinarisch wie sprachlich ein Hochgenuss!“
Bei der Gelegenheit stimmt Herr Windholz ein Loblied auf die Mundart an: „Hinsichtlich sprachlichem Erfindungsgeist und Facettenreichtum an Beschreibungsmöglichkeiten isch onsr Schwäbisch dem nüchternen Schriftdeutsch doch bei weitem überlegen. Dort gibt es zum Beispiel nur die mageren Steigerungsformen groß, größer, am größten. Im Schwäbischen dagegen gibt es dutzendfach Varianten: ,ganz schee groß', ,overschämt groß', ,saumäßig groß', ,granatenmäßig groß'. Superlative, so fährt Siegmar Windholz fort, mögen wir Schwaben eigentlich gar nicht. Wenn sie jedoch biblische Ausmaße annehmen, dann sind sie ,jesasmäßig groß' oder ,gottsallmächtig groß' oder noch besser ,grauß'! Im präzisen Beschreiben von Größenverhältnissen sind wir ohnehin Weltmeister, wie man am berühmten Muggaseggele sehen kann.“
Die schwäbische Arbeitsmoral ist über jeden Zweifel erhaben. Oder etwa nicht? Ein gerne zitiertes Gedicht, eingeschickt von zwei Leserinnen, lautet: „Mondag isch mein blaur Dag/Dienschdag ich nicht schaffen mag/Mittwoch do isch Wochamarkt/Doschdich schaf e au ed arg/Freidich lass e Freidich sei/Ond Samschdig schupft en Sonndich nei.“
Der schwäbische Spruch des Tages kommt von M. Rausenberger aus Neckartailfingen: „Vor a paar Wocha, wo's so gottsalmächdig hoiß gwä isch, sage zo meiner Frau: ,Jetzt sag mir au, was kenna mr heid bei dera Bollahitz bloß au do?' No seid se: ,Schnegga auf d'Schwenz schlaga, dass se bolled! (bellen)!' Also den Schbruch haue au schau lang nemme ghörd.“
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