Tourismus-Messe

Dunkle Schatten über der ITB in Berlin

Auf der Tourismus-Messe ITB in Berlin dominieren Sorgen um Sicherheit und gestrandete Reisende. Profitiert Mallorca von der Nahost-Krise?

Dunkle Schatten über der ITB in Berlin

Verwaister Israel-Stand auf der ITB in Berlin.

Von Michael Maier

Der Konflikt um Iran und seine Auswirkungen auf die gesamte Region bringen alles mit sich, was die Tourismusbranche fürchtet: Gefahren für die Sicherheit – wie aktuell in Dubai und Abu Dhabi – erhebliche Probleme bereits bei der An- und Abreise sowie steigende Kosten, insbesondere im Hinblick auf den Ölpreis. Auch Richtung Ägypten scheint sich die Krise bereits auszuweiten.

Gleichzeitig ist die Nahost-Region nicht nur ein beliebtes Reiseziel, sondern auch ein bedeutendes Drehkreuz, etwa für Reisen von Europa nach Südostasien. Ist das Jahr 2026 für die Tourismuswirtschaft also schon verloren?

Der Krieg verschärfe für die Branche die wirtschaftlichen Unwägbarkeiten, sagte Anke Budde, Präsidentin der Allianz Selbstständiger Reiseunternehmen, im RBB-Inforadio. „Sicherlich wird uns das wirtschaftlich, finanziell treffen, weil jetzt auf absehbare Zeit ein wichtiges Drehkreuz möglicherweise wegfallen wird“, sagte die Verbandschefin mit Blick auf die Flughäfen in Dubai und Doha. „Es herrscht eine große Unsicherheit.“

Krieg überschattet Tourismus-Messe ITB in Berlin

Die ist auf der Tourismus-Messe ITB in Berlin eindeutig zu spüren. Denn nur wenige Tage nach Beginn des Kriegs treffen sich in der Hauptstadt Tausende Touristiker auf der weltweiten Leitmesse der Branche. Statt über neue Trends wird vor allem über die Eskalation im Iran gesprochen, über die Auswirkungen für die Branche, über gestrandete Reisende und über Vertreter, die es wegen der Reisebeschränkungen nicht nach Berlin geschafft haben.

Komplett verwaist ist der große Stand Israels in Halle 21. Das Land hat seine Teilnahme abgesagt, laut der Messe Berlin konnten keine Vertreter anreisen. Der Tourismus ist ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor des Landes. 

Ähnlich wie am IsraelStand sieht es einige Hallen weiter bei der Repräsentanz der Vereinigten Arabischen Emirate aus. Der Stand ist zwar geöffnet, aber kaum mit Personal besetzt.

Tiefe Sorgenfalten am Dubai-Stand

„Ich gehöre, wenn man das so sagen will, zu den wenigen Glücklichen, die schon am 26. Februar hierher gereist sind“, sagt eine Mitarbeiterin. Sie geht nicht davon aus, dass es noch viele weitere nach Deutschland und zur ITB schaffen werden. Für ihre Rückreise macht sie sich dagegen wenig Sorgen. „Es wird sich ein Weg finden, nach Hause zu kommen“, sagt sie nur. 

Wird die aktuelle Krise in der Region denn die Tourismuswirtschaft der Vereinigten Arabischen Emirate treffen? „Nein“, sagt die Frau mit großer Überzeugung. „Es war schon immer so: Wenn es irgendwo auf der Welt eine Krise gab, ging es im Tourismus der Vereinigten Arabischen Emirate steil nach oben.“ Das sei etwa 2008 so gewesen, als im Westen wegen der Finanzkrise die Stimmung einbrach. „Unsere Regierung weiß, wie man das Spiel spielt, und sie wird einen Weg finden, die Touristen anzulocken.“

„Deutsche achten sehr auf die Sicherheit“

Der aktuelle Krieg betreffe den Iran, die USA und Israel, die Vereinigten Arabischen Emirate aber nicht, das betont sie immer wieder. Dabei hatte der Iran im Zuge von Gegenschlägen auch einen US-Stützpunkt in dem Land angegriffen. 

Und wirken sich die Sorgen der Touristen über die Sicherheit in der Region nicht auch auf angrenzende Länder aus? „Die Deutschen machen sich viele Sorgen über die Sicherheit - die Menschen aus anderen Ländern nicht so sehr“, sagt sie. 

Die Touristiker in Deutschland müssen sich darauf einstellen, dass je nach Dauer und weiterem Ausmaß des Kriegs deutlich weniger Menschen als bisher aus Israel und den arabischen Golfstaaten in die Bundesrepublik kommen werden. Zuletzt sorgten Gäste aus Israel pro Jahr für rund 615.000 Übernachtungen, Besucher aus den Golfstaaten für rund 1,2 Millionen Übernachtungen. 

Drehkreuze in Dubai, Abu Dhabi und Doha in Gefahr

Konflikte und Kriege im Nahen und Mittleren Osten betreffen aber auch den Tourismus darüber hinaus, etwa weil Fluglinien wie Emirates, Qatar Airways und Etihad Flughäfen in der Region als zentrale Umstiegsorte nutzen. Flüge dieser Airlines von Europa Richtung Südostasien führen in der Regel über Abu Dhabi, Dubai oder Doha.

Tourismus könnte sich Richtung Mallorca verlagern

Die europäischen Airlines sind zumindest in der Hinsicht nicht ganz so stark betroffen, da sie ihre sogenannten Hubs meist in Europa haben. Sie müssen aber Umwege fliegen, wenn durch Kriege bestimmte Lufträume nicht zur Verfügung stehen. 

 Bei vergangenen Nahost-Krisen hatte sich schon mehrmals eine Verlagerung der Nachfrage nach Spanien, und zwar vor allem Mallorca und Nachbarinseln ergeben. Das könnte wieder so kommen, sofern dort überhaupt noch Kapazitäten zur Verfügung stehen. Weiter steigende Preise scheinen auf den Balearen und dem spanischen Festland jedenfalls programmiert zu sein.

Gerade an ausgabefreudigen Qualitätstouristen, die sonst nach Dubai oder Katar reisen, zeigen sich spanische Hoteliers trotz angeblichem „Overtourism“ durchaus interessiert. Auch Länder wie Portugal, Kroatien oder Albanien könnten mutmaßlich profitieren.

Kontakt mit Reiseveranstaltern vor Ort

Insgesamt ist es nach Ansicht des Deutschen Reiseverbands aber noch zu früh, um eine Vorhersage für die Tourismus-Branche für die nächsten Tage, Wochen und Monate aufzustellen. Höchste Priorität habe derzeit, mit Reiseveranstaltern vor Ort im Kontakt zu bleiben und Informationen auszutauschen, sagte Verbandspräsident Albin Loidl auf der ITB.

„Wir beobachten die Situation vor Ort sehr genau.“ Er hoffe auf Deeskalation und eine diplomatische Lösung des Konflikts. „Für unsere Industrie hat die Sicherheit der Reisenden und der Partner vor Ort immer die höchste Priorität.“