Lebensmittelhändler Frank Berger und seine Marketingchefin Daniela Lucciardello haben deutlich auf den rassistischen Post reagiert.
Von Eberhard Wein
Eigentlich hat der Lebensmittelhändler Frank Berger doch nur einen neuen Mitarbeiter für die Getränkeabteilung in einem seiner drei Edeka-Märkte im Enzkreis gesucht. Doch in heutigen Zeiten kann selbst so etwas von manchem als Provokation verstanden werden. Edeka Berger kassierte einen heftigen rassistischen Kommentar. Doch darauf hat das Unternehmen mit 250 Mitarbeitern ziemlich souverän, entschieden und mit Humor reagiert.
Anlass war das auch im Internet veröffentlichte Plakat. Auf dem war ein junger Mann mit Edeka-Schürze zu sehen. „Jetzt bewerben“, hieß es dazu. Was vielen vielleicht gar nicht aufgefallen wäre, weil es so normal ist: Der junge Mann auf dem Plakat könnte der Hautfarbe nach über Migrationshintergrund verfügen. Das brachte einen angeblichen Kunden offenbar auf die Palme. „Wäre besser, ihr stellt Leute ohne Migrationshintergrund ein, ansonsten kauft meine Familie nicht mehr bei euch sein“, schrieb ein User namens Thomas K. in einem öffentlich einsehbaren Kommentar. Die Kommas wurden hier ergänzt.
Edeka-Kampagne gegen die AfD
In der Vergangenheit hat sich die bundesweite Genossenschaft schon mehrfach gesellschaftspolitisch positioniert. „Warum bei Edeka blau nicht zur Wahl steht“, hieß es zur Bundestagswahl im vergangenen Jahr in Anspielung auf die Parteifarbe der AfD und den Umstand, dass in der Natur blau als Warnfarbe vor Gift gilt. Dies löste damals teils heftige Reaktionen aus. Insofern ist die Marketing-Verantwortliche Daniela Lucciardello, die bei Edeka Berger auch die Social Media-Kanäle betreut, schon einiges gewohnt. „Aber dieser Kommentar war komplett rassistisch“, sagt sie.
Statt ihn einfach zu löschen, ließ sie ihn stehen, allerdings nicht ohne Antwort des Unternehmens: „Vielen Dank für Ihren aufschlussreichen Kommentar unter unserer Stellenanzeige. Offenbar ist uns bei unserer Personalpolitik ein schwerwiegender Fehler unterlaufen. Wir müssen nämlich gestehen: Bei uns arbeiten tatsächlich Menschen mit Migrationshintergrund! Und jetzt halten Sie sich fest: Wir haben sie sogar ganz bewusst eingestellt!“
Edeka macht „keine Stammbaumprüfung“
Man nehme auch keine Stammbaumprüfung vor, verlange keinen Herkunftsnachweis und kontrolliere auch nicht, ob die Großeltern eines Bewerbers deutsch genug gewesen seien, heißt es sarkastisch. „Stattdessen achten wir auf so nebensächliche Dinge wie Qualifikation, Freundlichkeit, Zuverlässigkeit und Engagement.“
Dann lässt Edeka Berger noch hinter die Kulissen blicken. Das Miteinander im Unternehmen funktioniere wunderbar. „Wir feiern sogar miteinander.“ Zum Beispiel gerade erst am vergangenen Wochenende. „Eigentlich war es ein Oktoberfest. Viele kamen in Tracht, unsere indischen Azubis haben ihre indischen Gewänder getragen“. Es lief bayerische Musik, aber auch Bollywood. In einem kleinen Video auf der Instagram-Seite ist zu sehen, wie die Belegschaft bunt gemischt Syrtaki tanzt.
Es sei zwar bedauerlich, wenn der User samt seiner Familie nicht mehr im Markt einkaufen wolle. „Das wird uns natürlich hart treffen“, heißt es ironisch. Schlimmer sei es aber, „wenn all unsere Mitarbeiter mit Migrationshintergrund plötzlich nicht mehr da wären. Dann könnten wir unsere Märkte nämlich gleich schließen!“
Auch Palmer fremdelte schon mit migrantischen Models
Viele feiern nun das Unternehmen. Auf Instagram erhielt der Post bereits mehr als 23.000 Likes. „Danke, dass ihr daran erinnert, worauf es wirklich ankommt: auf den Menschen“, schreibt eine Userin. Ohne rechtsextreme Kunden sei das Einkaufserlebnis ohnehin entspannter, meint ein anderer. Es sei auf jeden Fall ein Grund, öfter bei Edeka Berger einzukaufen, schreibt ein Dritter.
„Wir hätten nicht gedacht, dass unser Statement solche Reaktionen auslöst“, sagt Lucciardello. „Das zeigt, dass es noch Hoffnung gibt.“ Thomas K., der auf seinem Facebook-Account sich als AfD-Anhänger zu erkennen gibt und fleißig Inhalte teilt, die russische Narrative bedienen und andere Parteien wie CDU, SPD und Grüne verunglimpfen, äußerte sich bisher nicht zu seinem rassistischen Post. Auf die Anfrage dieser Zeitung reagierte er nicht.
Auch Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer ärgerte sich vor einigen Jahren über eine aus seiner Sicht zu divers ausgerichtete Kampagne. Damals handelte es sich um eine Bilderserie der Deutschen Bahn, die Bahnkunden zeigen sollte. „Welche Gesellschaft soll das abbilden“, fragte Palmer damals und erntete einen Shitstorm. Bei Edeka Berger sind Menschen mit Migrationshintergrund jedenfalls keine Ausnahme. Man beschäftige Mitarbeiter aus vielen unterschiedlichen Nationen.
Blick auf das Hauptgeschäft von Edeka Berger in Pforzheim-Huchenfeld.