Eine mehrere hundert Meter breite Eisfläche auf dem Bodensee nahe Konstanz lockt viele Menschen aufs Eis. Für zwei Männer endet der Spaß unterkühlt im Krankenhaus.
Bei diesem Übungsszenario wird eine Person aus einem Loch im Eis gerettet und ein Notfall simuliert. Am Bodensee sind am Mittwochnachmittag zwei Männer ins Eis eingebrochen. (Symbolbild)
Von Florian Dürr
Auf der Eisfläche über dem Bodensee bei Konstanz ist es am Mittwochnachmittag zu einem ersten ernsten Vorfall gekommen: Zwei Männer sind ins Eis eingebrochen und wurden vom Rettungsdienst mit Unterkühlungen ins Konstanzer Krankenhaus gebracht, teilte die Polizei mit. Die 56 und 75 Jahre alten Männer waren unterwegs auf dem zugefrorenen Teil „Gnadensee“ zwischen der Insel Reichenau und Allensbach, der zum westlichen Teils des Bodensees „Untersee“ gehört.
Einer der Männer wollte den zuerst ins Eis eingebrochenen Mann retten, doch hat sich damit selbst in Gefahr gebracht. Herbei eilende Passanten hätten die beiden Männer mit Mühe aus dem drei Grad kalten und etwa 90 Zentimeter tiefen Wasser gezogen.
Seit Tagen lockt die etwa 400 Meter breite Eisfläche Hunderte Menschen mit Schlittschuhen und Schlitten an. Ein generelles Betretungs-Verbot wie etwa für die kleinen Seen in Stuttgart gibt es am Bodensee nicht.
Polizei warnt vor einem „nicht zu unterschätzenden Risiko“ auf dem Eis
Eine offizielle Freigabe zum Betreten aber ebenfalls nicht: Dies erfolge „auf eigene Gefahr“, jede Person hafte für sich selbst, erklärte am Mittwoch eine Sprecherin des zuständigen Polizeipräsidiums Einsatz in Göppingen, dem die Wasserschutzpolizei am Bodensee zugeordnet ist.
Die Wasserschutzpolizei kontrolliere zwar regelmäßig die Eisdicke, um „potenzielle Gefahren durch das Betreten“ besser einschätzen zu können, auch im Falle einer Rettungsaktion, aber die konkreten Ergebnisse der Messungen werden nicht veröffentlicht.
Mit Blick auf Vorfälle wie jenem am Mittwochnachmittag warnt die Polizei: „Auch wenn Eisflächen auf den ersten Blick stabil und tragfähig erscheinen mögen, darf nicht außer Acht gelassen werden, dass sich ihre Beschaffenheit jederzeit verändern kann und stets ein nicht zu unterschätzendes Risiko besteht.“
DLRG-Experte: „In drei bis vier Minuten hat der Körper seine Energie aufgebraucht“
Immer wieder gehen Unfälle mit im Eis eingebrochenen Personen auch tödlich aus, sagte Christian Fritz von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Württemberg im Interview mit unserer Redaktion. „Die Kälte ist lebensgefährlich. Innerhalb von wenigen Minuten fährt der Körper im eiskalten Wasser seine kompletten Funktionen zurück, die Muskelbewegung wird langsamer, die Gelenke versteifen“, erklärte Fritz. „In drei bis vier Minuten hat der Körper seine Energie aufgebraucht, befindet sich im Schockzustand. Wenn bis dahin keine Hilfe da ist, kann so ein Unfall tödlich enden.“