„Braune Herausforderung“

Ekel-Trends im Internet: In Spaniens Freibädern gibt es jetzt einen neuen

Internet-Trends spielen oft mit dem Ekel. In Spaniens Freibädern sorgt derzeit die „braune Herausforderung“ für Chaos und Ekel-Attacken: Polizei, hohe Bußgelder und Hausverbote. Doch die Täter sind erfinderisch. Was steckt hinter dem Trend des „reto marrón“?

Ekel-Trends im Internet: In Spaniens Freibädern gibt es jetzt einen neuen

Sie müssen mal? Dann bitte hier und nicht im Wasserbecken! Hinweisschild auf ein WC in einem öffentlichen Freibad.

Von Markus Brauer

Kennen Sie den Spruch: „Dir haben sie wohl ins Hirn geschissen!“ Vielleicht auch schon mal selbst verwendet? Der Ausdruck ist echt derb und soll extrem dummes, unvernünftiges oder völlig irrationales Verhalten maßregeln. Das Internet ist voll von Ekel- und Schock-Trends, für die dieser Spruch bestens geeignet ist. Virale Aktionen oder Videos in sozialen Medien wie TikTok oder Instagram, die auf Ekel, Ekliges oder bizarre Mutproben setzen. Oft überschreiten sie Grenzen des guten Geschmacks oder gefährden die Gesundheit.

Eine kleine Auswahl aus der Fülle des Nicht-Empfehlenswerten:

„Reto marrón“ oder „Dir haben sie wohl ins Hirn geschissen!“

In Spanien sorgt ein widerlicher und gesundheitsschädlicher Trend für Ekel, Ärger und erhebliche Schäden in Freibädern. Beim „reto marrón“, der „braunen Herausforderung“, handelt sich um einen viralen Social-Media-Trend, bei dem Jugendliche absichtlich in öffentliche Schwimmbäder oder Freibäder defäkieren, um dann Videos des anschließenden Tumults, der anrückenden Polizei und der Räumung des Freibads in Hoffnung auf viele Likes in sozialen Netzwerken zu veröffentlichen.

Die folgende Szene stammt aus der US-Komödie „Caddyshack“ von Harold Ramis aus dem Jahr 1980. Auch sie spielt mit dem Ekel, ist aber im Gegensatz zum echten „reto marrón“ harmlos und lustig. Die Titelmelodie stammt übrigens aus dem Thriller „Jaws“ („Der weiße Hai“) von Steven Spielberg aus dem Jahr 1975.

Auch wenn einem solchen Verhalten nicht unbedingt im medizinischen Sinn Schwachsinn - also angeborene Intelligenzminderung - zugrunde liegen muss, ist es doch Ausdruck einer verstörenden Asozialität. Ein solcher Unsinn weicht fundamental von gesellschaftlichen Normen ab und beeinträchtigt das Gemeinschaftsleben. Denn wer will schon in einem von der „braunen Herausforderung“ kontaminierten Schwimmbad genüsslich seine Runden ziehen oder vergnügt planschen.

Hohe Bußgelder drohen

Obwohl die Bußgelder bis zu 20.000 Euro betragen können plus hoher Schadensersatzforderungen und jahrelanger Hausverbote, berichten spanische Medien fast täglich über neue Fälle. Eine zentrale Erfassung der Vorfälle in den meist kommunalen Bädern gibt es nicht, aber im vergangenen Jahr sollen es rund 300 gewesen sein, in diesem Jahr bisher schon „Hunderte“, wie der Sender Cadena Ser berichtet.

Die Täter auf „frischer Tat“ zu erwischen, ist jedoch schwierig. Manche brächten die Fäkalien sogar in Plastiktüten mit, die sie in der Badehose versteckten und dann im Wasser entleerten, berichtet etwa die Zeitung „La Razón“.

Sechs Fälle allein Burgos

In der nordspanischen Stadt Burgos gibt es jetzt jedoch ein Bußgeldverfahren gegen die Eltern von vier Kindern im Alter von 11 bis 13 Jahren, wie die Stadtverwaltung bestätigt hat. Sie wurden von einem Erwachsenen dabei beobachtet, wie sie ihre braune Hinterlassenschaft im Schwimmbad El Plantío freisetzten. Der Mann alarmierte sofort die Polizei, die die Personalien der Kinder aufnahm.

Den Eltern drohen nun Bußgelder von je 3000 Euro und Schadensersatzforderungen der Kommune für die Reinigung und Desinfizierung des Freibads. Das kann im schlimmsten Fall, wenn das Wasser ausgetauscht werden muss, mehrere Tausend Euro kosten. Und die Übeltäter selbst müssen sich auf ein mehrjähriges Hausverbot gefasst machen.

Die Bürgermeisterin von Burgos, Cristina Ayala, betont, das Verfahren werden „bis zur letzten Konsequenz“ durchgezogen. Es sei in diesem Jahr bereits der sechste Fall dieser Art in Freibädern der Stadt gewesen.

Psychiater: Kampf um Anerkennung

Andrés López, als Psychiater Koordinator für psychische Gesundheit im Gesundheitsbezirk von Osuna, erklärt in einem Interview bei Cadena Ser, hinter dieser Art von Verhalten könne ein emotionales Problem bei einer besonders schutzbedürftigen Gruppe wie Jugendlichen und jungen Erwachsenen stecken. Diese würden soziale Netzwerke benutzen, um Anerkennung zu finden oder Gefühle der Einsamkeit zu bekämpfen.

López betont, dass soziale Netzwerke bestimmte suchterzeugende Mechanismen haben, die einen Mitläufereffekt begünstigten, um diese Art unsozialen Verhaltens nachzuahmen. (mit dpa-Agenturmaterial)