Wer ist Ibrahim Ibrahim?

Elif Eralp hat Angst vor diesem Mann

Regieren in der Hauptstadt bald Terrorunterstützer und Clankriminelle? Elif Eralp hat laut Medienberichten Angst vor bestimmten Leuten im eigenen Umfeld. (Aktualisierung)

Elif Eralp hat Angst vor diesem Mann

Ibrahim Ibrahim posiert beim Jahrestag des Terrorangriffs der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2026.

Von Michael Maier

Die Berliner Abgeordnetenhauswahl hat nicht nur die politische Landschaft aufgewirbelt, sondern auch eine Debatte über die mutmaßlichen Verbindungen von Teilen der Berliner Linkspartei ins extremistische und kriminelle Milieu entfacht. Im Mittelpunkt der Kritik stehen zwei prominente Gäste auf der Wahlparty der Neuköllner Linken: der bekannte Clanchef Issa Remmo und der propalästinensische Aktivist Ibrahim Ibrahim.

Seit Ende Oktober ist Ibrahim bekannt als der Mann, den die linke Spitzenkandidatin Elif Eralp angeblich aus Angst nicht erwähnen will. Die Wahlsiegerin soll versucht haben, seinen Namen aus einem mit dem „Spiegel“ geführten Interview herauszuhalten. In internen Kommentaren, die dann versehentlich mit der autorisierten Fassung des Interviews an das Magazin verschickt wurden, schrieb Eralp, ihr Mann und sie hätten „Angst vor diesen Leuten“. Gemeint waren offenbar Ibrahim Ibrahim und sein Umfeld.

Während die Parteispitze nach der Wahl versucht hatte, die Anwesenheit von Remmo und Ibrahim als reinen Zufall auf einer „offenen Veranstaltung“ darzustellen, zeichnen Statements und Berichte ein etwas anderes Bild.

Wer ist Ibrahim Ibrahim?

Ibrahim Ibrahim ist in der Berliner Szene kein Unbekannter, sondern eine feste Größe im radikalen propalästinensischen Aktivismus:

Ibrahim-Fotos mit Ferat Koçak und Vanessa Emde

Am Wahlabend feierte Ibrahim Ibrahim ausgelassen im Festsaal Kreuzberg und auf der Neuköllner Bezirksparty der Linken. In den sozialen Medien postete er Fotos, die ihn Arm in Arm mit frisch gewählten und prominenten Linken-Politikern zeigen – darunter:

Ibrahim trug dabei T-Shirts mit Aufschriften wie „See you in Palestine“ und präsentierte sich als selbstverständlicher Teil der Siegesfeier. Der Sohn von Issa Remmo legte nach dem linken Wahlsieg sogar noch nach und ließ die Öffentlichkeit wissen, man fühle sich als „Teil von etwas Großem“.

Linken-Unterstützung „keine spontane Entscheidung“

Die Darstellung der Partei, es habe sich um ungeladene Gäste gehandelt, geriet durch ein Glückwunschschreiben von Ibrahim ins Wanken. Wie Medien berichten, beanspruchte Ibrahim den Wahlerfolg der Linkspartei mit folgenden Worten maßgeblich auch für sich und seine Organisation:

„Ich bin stolz darauf, dass wir bereits im vergangenen Jahr eine klare Entscheidung getroffen haben, Die Linke zu unterstützen.“

Laut dem inzwischen bekannt gewordenen Schreiben sei die Wahlempfehlung „keine spontane Entscheidung“ gewesen, sondern das Ergebnis von politischen Gesprächen und kontinuierlicher Abstimmung über gemeinsame Themen. Ibrahim erklärte, man habe die arabische und palästinensische Gemeinschaft in Berlin gezielt mobilisiert, um Stimmen nicht zu zersplittern, sondern geschlossen für Die Linke zu stimmen. Als zentrale Schnittmengen nannte er soziale Gerechtigkeit und die „palästinensische Frage“.

In einem Statement auf seiner Facebook-Seite wies Ibrahim Ibrahim Mitte Oktober den Vorwurf, Terrorismus zu unterstützen, „entschieden zurück“. Er lehne Antisemitismus und Rassismus ab und richte seine Kritik gegen die israelische Regierung und deren Besatzungspolitik, nicht gegen jüdische Menschen.

Linke, „Migrantifa“ und Hamas in Berlin

Beobachter bezeichnen das Milieu mit Leuten wie Ibrahim Ibrahim als „Migrantifa“. Seine Organisation, die PFLP, gilt trotz Marxismus und angeblicher ideologischer Gegensätze als „pragmatischer Hamas-Verbündeter“. Auch wenn aus dem veröffentlichten Schreiben nicht eindeutig hervorgeht, auf welcher Ebene und mit welchen konkreten Linken-Politikern mutmaßliche Absprachen stattfanden, widersprechen die bisherigen Befunde einer bloß zufälligen Begegnung bei einer Wahlparty.

Der Fall belastet die Berliner Linkspartei und ihre Spitzenkandidatin Elif Eralp schwer. Bei den voraussichtlichen Koalitionspartnern SPD und Grüne gibt es zum Teil immer noch Vorbehalte gegen ein Regierungsbündnis. Alternativ könnte es womöglich doch noch zu einer „Kenia-Koalition“ aus CDU, Grünen und SPD kommen. Gefordert wurde eine lückenlose Aufklärung und eine unmissverständliche Abgrenzung gegenüber Antisemitismus und verfassungsfeindlichem Extremismus sowie gegenüber organisierter Kriminalität und Clan-Strukturen.

Auf Kritik stieß unterdessen auch die Tatsache, dass ein deutscher Strafverteidiger des Remmo-Clans für die Linke in eine Berliner Bezirksversammlung eingezogen ist. Allerdings ist dabei zu bedenken, dass in einem Rechtsstaat jeder Anspruch auf Beistand hat und ein Mandat als Anwalt nicht automatisch politische Nähe oder gemeinsame Sache mit Kriminellen bedeutet.

Artikel vom 23.9. – aktualisiert am 30.10.2026