Er zog den Zorn der Autofahrer auf sich – und ist jetzt seinen Job los. Nach einer Kündigungswelle zieht der ADAC-Verkehrspräsident persönliche Konsequenzen.
Beim Automobilclub ADAC ist Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand zurückgetreten.
Von Jonas Schöll
Der Druck war am Ende zu groß: Gerhard Hillebrand hat sein Amt als ADAC-Verkehrspräsident niedergelegt. Das teilte der Automobilclub am Montag in einer offiziellen Pressemitteilung mit. Hillebrand zieht damit die Konsequenz aus Interviewäußerungen zum Jahreswechsel, die „zu erheblichen Irritationen bei Mitgliedern sowie zahlreichen Beschwerden und Kündigungen geführt hatten“.
Rückzug nach umstrittenem Interview
Auslöser der Affäre war ein Interview, das Hillebrand kurz vor Weihnachten der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ gegeben hatte. Darin bezeichnete er die CO₂-Bepreisung von Benzin und Diesel als „richtiges Instrument“, um die Klimaschutzziele zu erreichen, und sagte wörtlich: „Die Leute brauchen den Anreiz, um auf klimaschonende Alternativen zum Diesel und Benziner umzusteigen.“
Was als Beitrag zur klimapolitischen Debatte gedacht war, wurde von vielen Mitgliedern als Forderung nach höheren Spritpreisen verstanden. In sozialen Netzwerken machten Autofahrer ihrem Ärger Luft, sprachen von einem „Schlag ins Gesicht der Autofahrer“ und warfen dem ADAC vor, sich von seinen Mitgliedern zu entfernen. Kündigungen wurden öffentlich gepostet, Mitgliedskarten demonstrativ zerrissen.
In der Pressemitteilung zeigt sich Hillebrand reumütig. Er bedauere, „dass seine Äußerungen Mitglieder verunsichert und verärgert sowie Glaubwürdigkeit gekostet haben“. Mit seinem Rücktritt übernehme er „persönlich Verantwortung für den entstandenen Reputationsschaden“.
Weiter heißt es, Hillebrand sei zu der Überzeugung gekommen, „dass es im Interesse des ADAC und seiner Glaubwürdigkeit richtig ist, daraus persönliche Konsequenzen zu ziehen“.
ADAC: Verein fühlt sich missverstanden
Der ADAC hatte in den vergangenen Wochen wiederholt betont, dass die Position des Clubs in vielen Schlagzeilen verkürzt dargestellt worden sei. Gegenüber unserer Redaktion erklärte die Leiterin der Unternehmenskommunikation, Katrin van Randenborgh: „Der ADAC ist selbstverständlich gegen eine höhere Belastung von Autofahrern.“
Der Club warne vielmehr vor einer finanziellen Überforderung und fordere, jede CO₂-Bepreisung mit Entlastungen und Kompensationen zu verbinden. Ein höherer CO₂-Preis sei aus Sicht des ADAC nur dann akzeptabel, „wenn die Politik zuerst ausreichende Entlastungen und mehr Alternativen zu fossiler Energie schafft“.
Kündigungen – aber auch Wachstum
Erstmals nannte der ADAC zuletzt auch Zahlen: Zwar habe es aktuell eine „mittlere vierstellige Zahl“ an Austritten gegeben, gleichzeitig sei der Verein im vergangenen Jahr um rund 490.000 Mitglieder gewachsen.
Eine Austrittswelle beim #ADAC, aufgrund der Äußerungen des Vorstandes. Bisher haben ca. 15.000 gekündigt. Nach über 30 Jahren Mitgliedschaft zähle ich dazu. So geht es einfach nicht, ADAC. pic.twitter.com/TrLLzc7fBr — Thomas-Esser (DonKrawallo) (@ThomasEsser11) January 2, 2026
Wenn die Interessenvertretung der Autofahrer den Autofahrern das Messer in den Rücken rammt. #ADAC#ADACkündigen — Paul Schmidt 2 (@PaulSchmid45162) January 2, 2026
Nach Recherchen der Bild-Zeitung kündigten in den vergangenen Wochen 60.000 Menschen ihre ADAC-Mitgliedschaft. Der Verein bedauere, „dass so viele Mitglieder den ADAC aus Verärgerung verlassen haben“, sagte eine Sprecherin.
„Um Mitglieder, die enttäuscht wurden, werden wir intensiv werben.“ Allerdings habe man alleine im Januar auch mehr als 100.000 Mitglieder neu gewinnen können - das entspreche dem Vorjahresniveau.
Eine Rechnung, ob der ADAC damit aktuell mehr Mitglieder gewinnt, als verliert, ist mit diesen Zahlen allerdings nicht sinnvoll: Zum einen gibt es weiteren Kündigungen aus anderen Gründen, zum anderen werden Kündigungen erst nach einer gewissen Frist wirksam. Auf Jahresfrist hatte der ADAC zuletzt stets Zuwächse vermeldet.
Insgesamt zählt der Club rund 22 Millionen Mitglieder, etwa 90 Prozent davon fahren Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor – entsprechend emotional fiel die Debatte aus.
Schulze übernimmt kommissarisch
Den Verantwortungsbereich des Verkehrspräsidenten übernimmt nun kommissarisch der ADAC-Technikpräsident Karsten Schulze. ADAC-Präsident Christian Reinicke würdigte den Schritt seines bisherigen Kollegen und dankte Hillebrand „ausdrücklich für seinen Einsatz für den ADAC und seine Mitglieder“.