In vielen Landesteilen, nicht nur wie hier in der Hauptstadt Paris, brannten am Samstag Autos und Barrikaden.
Von Michael Bosch
Am Samstag sind landesweite Proteste in Frankreich eskaliert. Es brannten Gebäude, Geschäfte wurden geplündert, Demonstranten und Randalierer lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei. Nachdem bereits über mehre Wochen gegen die maroden Bildungseinrichtung demonstriert worden war, richteten sich die landesweite Proteste nun auch gegen gestiegene Lebenshaltungskosten. Während im ganzen Land am Samstag hunderttausende Menschen auf die Straßen gingen, erlebten Städte wie Paris, Lyon und Marseille Chaos und Gewalt. Nach Angaben der Regierung wurden 1200 Menschen festgenommen und 150 Polizisten verletzt.
Die Aktionen wurden von einer breiten Masse getragen: So hatte die sogenannte Gelbwesten-Bewegung, aber auch Gewerkschaften, Schüler, Studierende, Landwirte sowie andere Organisationen mobilisiert. An den Aktionen nahmen landesweit nach Regierungsangaben rund 550.000 Menschen teil, die Organisatoren sprachen von rund 800.000 Demonstranten.
Straßen in Paris „methodisch verwüstet“
Am Rande der Demonstrationen kam es an vielen Orten zu Gewalt und zu Auseinandersetzungen zwischen den Teilnehmern und der Polizei. Maskierte Jugendliche setzten Autos in Brand und plünderten Geschäfte. In Paris, wo laut Innenministerium 110.000 Menschen an den Protesten teilnahmen, wurden nach Angaben von Bürgermeister Emmanuel Grégoire ganze Straßen „methodisch verwüstet“. Die Polizei setzte in der Hauptstadt wiederholt Tränengas und Wasserwerfer
In unserer Bildergalerie, zeigen wir Eindrücke aus dem Nachbarland vom Samstag:
In der Großstadt Lyon ging ein Tourismusbüro in Flammen auf, in der zentralfranzösischen Stadt Limoges wurde das mehr als 140 Jahre alte Rathaus in Brand gesetzt. Das historische Gebäude sei „zum großen Teil verloren“, sagte der zuständige Präfekt Maurice Barate der Nachrichtenagentur AFP. Auch in Marseille wurde das Rathaus gestürmt. Gestürmt wurde auch die offizielle Residenz der Präfektin des Départements Gironade an der Atlantikküste. Dort wurde sogar das Polizei-Sondereinsatzkommando Raid mobilisiert.
In der südwestlich von Lyon gelegenen Stadt Saint-Etienne verlor erneut ein junger Demonstrant - ein 17-Jähriger - durch eine Polizeigranate seine Hand. Bereits vor knapp zwei Wochen hatte ein 15-Jähriger seine linke Hand verloren, als vor seiner Schule in Lens eine Blendgranate explodiert war.
Protesttag in Frankreich: Auf dem Place de la République in Paris brennt während einer Demonstration ein Auto.
Umgestürzte Leihfahrräder, Roller und Trümmer versperren eine Straße in der Nähe des Place de la République in Paris.
In der Gegend wurden auch Geschäfte geplündert.
Die Feuerwehr war an vielen Orten im Einsatz, musste sich dabei aber selbst gegen Angriffe wehren.
Zahlreiche Organisationen hatten Protesten aufgerufen, weshalb es schwer war für die Behörden den Überblick zu behalten.
Die Proteste richteten sich vielerorts gegen die hohen Lebenshaltungs- und Spritpreise. Auch wegen der maroden Schulen wurde wieder protestiert.
Das Tourismus-Zentrum in Lyon steht am Samstag in Flammen.
An mehreren Orten richtete sich die Gewalt gegen die Verwaltungen vor Ort. In Limoges in Zentralfrankreich brannte das Rathaus.
An den landeweiten Aktionen beteiligten sich verschiedene Gruppen, ehemalige „Gelbwesten“, Schüler und Studenten, Klimaaktivisten und sogar Landwirte.
Teils blieben die Proteste friedlich, vielerorts lieferten sich Einsatzkräfte und Randalierer aber regelrechte Straßenschlachten.
Hunderte Menschen wurden verletzte, es gab mehr als 1000 Festnahmen.
Die Polizei setzte in Paris auch Tränengas ein.
Es wird gemutmaßt, dass linke Gruppen die Randale bewusst lanciert haben.