Drei EU-Länder machen Europa zum führenden Olivenöl-Produzenten. Doch nicht überall wird gleich streng geprüft, kritisiert der Europäische Rechnungshof – und warnt vor den Folgen.
Olivenöl ist ein sehr genau kontrolliertes Lebensmittel, doch nicht in allen Ländern wird gleich streng geprüft.
Von Knut Krohn
Olivenöl ist in praktisch jeder Küche zu finden. Kaltgepresst, nativ oder extra nativ steht meist auf dem Etikett und verfeinert jede Speise. Doch ein Bericht des EU-Rechnungshofes lässt die Vermutung zu, dass nicht immer in der Flasche drin ist, was dort draufsteht. Der Grund: Olivenöl unterliegt in der EU zwar strengen Vorschriften, doch bei den Kontrollen hapert es nach Einschätzung der Luxemburger teilweise. Vor allem bei gemischten Ölen und Einfuhren aus Nicht-EU-Ländern werde nur lückenhaft kontrolliert, ob sie die versprochenen Qualitätsstandards erfüllen, heißt es in einem aktuellen Bericht des Rechnungshofes. Doch es gibt auch Lob aus Luxemburg: geht es um die Rückstände von Pestiziden, ist die EU demnach gut aufgestellt. Hier gebe es kaum Verstöße gegen die strengen Auflagen. Aber auch hier folgt die Kritik auf dem Fuße, denn die Kontrollen auf andere Verunreinigungen seien „uneinheitlich“.
Die Verbraucher müssen Kontrollen vertrauen können
Aus diesem Grund mahnt die zuständige Prüferin Joëlle Elvinger mit Nachdruck: „Die Verbraucher müssen darauf vertrauen können, dass das Olivenöl, das sie kaufen, die Qualitätsstandards erfüllt.“ Dabei geht es unter anderem um die Bezeichnung „kaltgepresst“ oder „extra nativ“. Dahinter verbirgt sich das Verarbeitungsverfahren: Die Oliven werden kaum oder gar nicht erhitzt, sodass die Nährstoffe erhalten bleiben.
Bei seinen Kontrollen hat der Rechnungshof allerdings nicht nur das Wohl der heimischen Verbraucher im Auge, es gehe auch um das Ansehen der EU insgesamt, betont Joëlle Elvinger. Olivenöl sei „ein Vorzeigeprodukt der Europäischen Union“ und die ist auch der weltweit größte Produzent. Über 60 Prozent des Weltmarktes stammt aus der EU, rund 65 Prozent jeder Ernte ist für den Export bestimmt. Der gute Ruf dieses Öls in Bezug auf Qualität und Unverfälschtheit sei wirtschaftlich von entscheidender Bedeutung. Der mit Abstand wichtigste Hersteller in Europa ist Spanien, gefolgt von Italien und Griechenland. Zusammen machen die drei Länder mehr als 90 Prozent der europäischen Produktion aus. Der größte Exporteuer von Olivenöl in der EU ist überraschenderweise aber Belgien. Joëlle Elvinger erklärt sich das mit den großen Häfen an der Nordsee.
Kontrolleure kritisieren Griechenland
Wie die Prüfer des Rechnungshofes betonen, sind für die Kontrollen des Öls die einzelnen Länder zuständig. Dabei ist ihnen besonders Griechenland negativ aufgefallen. So sei es ein Problem, dass die griechischen Behörden die im Grunde strengen EU-Vorschriften nur bei Olivenöl überprüfen würden, das in Griechenland hergestellt und für den griechischen Markt bestimmt ist. Das Öl für den Export werde nicht entsprechend kontrolliert, was sich unweigerlich auf die Qualität des Produktes auswirken würde.
Wichtig für die Qualität sei auch die Möglichkeit, den Weg des Olivenöls lückenlos zurückverfolgen zu können. Lobend hervorgehoben wurden in diesem Fall die beiden Länder Spanien und Italien. Die zuständigen Behörden dort verfolgten den Ursprung von Oliven und Olivenöl auf allen Stufen der Lieferkette mithilfe elektronischer Register, um die Transparenz zu erhöhen und Betrug zu verhindern. Schwierig und unübersichtlich wird es aber, wenn das Olivenöl nicht nur aus einem einzigen Land stammt, sondern ein Mix ist aus verschiedenen Ernten, Kategorien, mehreren EU-Ländern oder aus Drittländern wie etwa der Türkei und Tunesien. So monieren die Prüfer, dass es bei Importen aus Nicht-EU-Ländern keine oder nur sporadische Kontrollen auf Pestizide und andere Verunreinigungen gegeben habe.
Eine kurze Anleitung für die Kunden
Aus dieser Erkenntnis lässt sich auch eine Handreichung für die Kunden ableiten. Wer gutes Öl kaufen möchte, sollte darauf achten, dass es aus einem Land, von einem Produzenten und aus einer Ernte stammt. Zudem betonen die Prüfer des Rechnungshofes, dass gutes Olivenöl durch die falsche Lagerung auch schnell an Qualität verlieren kann. Das heißt: die privaten Vorräte in der Küche sollten also nicht zu lange an einem zu hellen und zu warmen Orten gelagert werden.