Schutz gegen Katastrophen

Europas Kampf gegen Waldbrände

Im Sommer wüten immer häufiger Feuer, gefährden Leben und zerstören Hab und Gut. Die EU hilft den Staaten über ein neues Katastrophenschutzprogramm mit Rat, Tat und viel Geld.

Europas Kampf gegen Waldbrände

Ein Berg in Flammen. Auf dem Saurüsselkopf in den bayrischen Alpen musste die Feuerwehr einen Waldbrand unter schwierigsten Bedingungen löschen. Grund für das Feuer war auch das trockene Wetter.

Von Knut Krohn

Der Sommer ist noch fern, doch in Deutschland kündigt sich bereits die Waldbrandsaison an. Auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz im brandenburgischen Jüterbog brach Anfang Mai ein großflächiges Feuer aus. Die Löscharbeiten gestalteten sich schwierig, da auf dem gesamten Gelände noch Munition in der Erde liegt. Erst in diesen Tagen konnten die letzten Glutnester nach einem spektakulären Brand am Saurüsselkopf im Chiemgau gelöscht werden. Dort schien auf rund 1250 Metern Höhe der gesamte Gipfel in Flammen zu stehen.

So viele Waldbrände wie nie zuvor

Damit setzt sich fort, was sich im vergangenen Jahr bereits angekündigt hatte. 2025 wurden bei Waldbränden mehr als eine Million Hektar Wald zerstört - noch nie zuvor waren so große Schäden registriert worden. Ein Grund für die zunehmende Zahl der Feuer ist der sich verschärfende Klimawandel, was bedeutet, dass die Gefahr in den kommenden Jahren noch zunehmen wird. Steigende Temperaturen und längere Trockenperioden machen den Wald anfälliger für gefährliche Flächenbrände.

Die Europäische Union zieht nun Konsequenzen und hat begonnen, sich gezielt auf mögliche Katastrophenszenarien vorzubereiten. Dabei steht aber nicht nur die akute Bekämpfung von Waldbränden im Zentrum, vor allem soll verhindert werden, dass die Feuer überhaupt ausbrechen.

Ziegen und Schafe verhindern Waldbrände

Das geschieht durch die richtige Bepflanzung und Bewirtschaftung von Waldgebieten. Dazu werden etwa statt leicht brennbarer Monokulturen aus Nadelholz eher widerstandfähige Mischwälder aufgeforstet. Vor allem der Anteil heimischer Laubbäume wie Buchen und Eichen wird erhöht, da deren Blätter und Kronen wesentlich schwerer entflammbar sind und den Boden feuchter halten. In bestehenden großen Nadelwäldern wird versucht, breite Streifen mit Laubholz zu pflanzen, um ein schnelles Ausbreiten der Feuer zu vermeiden. Wichtig ist auch das sogenannte Totholz-Management. Zwar sind trocken Äste und Stämme wichtig für die Artenvielfalt, aber in waldbrandgefährdeten Abschnitten wie Straßen, muss es abtransportiert werden. Auch Ziegen oder Schafe können helfen, das Unterholz und die Vegetation kurzzuhalten und so die Brandgefahr mindern.

Natürlich sorgt die EU auch für den Fall der Fälle vor. Um großflächige Waldbrände schneller und besser bekämpfen zu können, wird für rund 600 Millionen Euro eine eigene Flotte von zwölf Löschflugzeugen und fünf Hubschraubern aufgebaut. Die sind in Frankreich, Italien, Griechenland, Portugal, Kroatien und Spanien stationiert, kommen im Katastrophenfall aber in der gesamten Union zum Einsatz. Bei den schweren Waldbränden im Jahr 2025 hatte sich zudem gezeigt, dass das EU-Erdbeobachtungsprogramm Copernicus den Einsatzkräften wichtige Informationen liefern kann. Der Dienst bietet zeitnahe und präzise Geoinformationen, die für die Abgrenzung betroffener Gebiete und die Planung von Katastrophenhilfeeinsätzen nützlich sind.

Brüssel kauft mehr Löschflugzeuge

Die EU-Kommission betont mit ihrem Ansatz, dass kein EU-Land im Fall eines Unglückes alleingelassen wird. „Waldbrände kennen keine Grenzen, und unsere Reaktion sollte sie auch nicht kennen“, betont EU-Kommissarin Hadja Lahbib, zuständig für Krisenvorsorge und -management. „Indem wir Prävention stärken, Ressourcen teilen und in Resilienz investieren, schützen wir Leben, Lebensgrundlagen und die Zukunft unseres Kontinents.“ Für die Einsätze im Rahmen des Katastrophenmechanismus müssen die betroffenen Staaten nichts bezahlen, die Flugzeuge und Feuerwehrleute werden von der EU kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Um die Präventionsmaßnahmen zu koordinieren und im Katastrophenfall einen reibungslosen Ablauf zu garantieren, arbeitet die EU-Kommission am Aufbau eines Europäischen Brandbekämpfungszentrums mit Sitz in Zypern. Das soll nicht nur als operative Basis für die Reaktion auf Waldbrände dienen, es soll auch die Ausbildung und europaweite Schulung der entsprechenden Feuerwehrleute und Brandschutzexperten organisieren. Zudem werden dort die Informationen bei der Bewertung von möglichen Risiken, die Forschung zur Verbesserung der Widerstandsfähigkeit gegen solche Katastrophen und natürlich die Daten der Frühwarnsysteme zusammenlaufen. Dabei setzt die EU-Kommission nach eigenen Angaben immer mehr auf die Entwicklung KI-gestützter Waldbrandmodellierungsinstrumente, die den Experten bei der Entscheidungsfindung helfen sollen.