Mecklenburg-Vorpommern

Mordanklage im Fall Fabian - Bekannte als Tatverdächtige

Der achtjährige Fabian wurde im vergangenen Oktober Opfer eines Gewaltverbrechens. Eine Tatverdächtige sitzt seit November in U-Haft. Gegen sie wurde nun Anklage erhoben.

Mordanklage im Fall Fabian - Bekannte als Tatverdächtige

Die Tatverdächtige wurde im November verhaftet und sitzt seitdem in U-Haft.

Von Von Helmut Reuter und Christopher Hirsch, dpa

Rostock - Unter einem Vorwand soll eine Bekannte des Kindes den achtjährigen Fabian aus Güstrow aus seiner Wohnung gelockt und an einem Teich ermordet haben. Die Staatsanwaltschaft Rostock hat jetzt Anklage wegen Mordes gegen die 29 Jahre alte Frau erhoben, die seit Anfang November in Untersuchungshaft sitzt. Sie soll den Jungen heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen umgebracht haben, wie die Ermittler mitteilten. 

Nach Überzeugung der Ermittler wurde das Kind am 10. Oktober 2025 Opfer eines tödlichen Hinterhalts. Der Grundschüler hielt sich allein zu Hause auf, weil er nach Rücksprache mit seiner Mutter wegen Unwohlseins nicht zur Schule gegangen war. Die Angeschuldigte soll mit ihm in ihrem Auto zu einem Feldstück in der Nähe von Klein Upahl gefahren und dort zu dem verdeckt gelegenen Teich gelaufen sein. 

Angeschuldigte schweigt 

Laut Staatsanwaltschaft tötete sie den Jungen dort mit mindestens sechs Messerstichen. Um die Spuren der Tat zu beseitigen, soll sie den Leichnam später mittels Brandbeschleuniger angezündet haben. Die Tat sei von ihr allein geplant und begangen worden. 

Die Angeschuldigte äußerte sich bislang nicht zu den Vorwürfen, wie ihr Verteidiger Andreas Ohm bestätigte. Die Staatsanwaltschaft habe bis zur Anklage mehrere Monate in Zusammenarbeit mit der Mordkommission gebraucht und nun werde man sehen, ob, und wenn ja, welche be- oder entlastenden Indizien hinzugekommen seien, sagte der Anwalt. Dazu könne er erst etwas sagen, wenn er die Anklageunterlagen habe. 

Für die Frau gilt die Unschuldsvermutung. Dass sie mit dem Jungen gut bekannt war, ist eines der wenigen von der Staatsanwaltschaft genannten Details zur Tatverdächtigen, die selbst Mutter ist. Das Amtsgericht Güstrow hatte bereits im Dezember mitgeteilt, dass ihr die elterliche Sorge für ihr eigenes Kind vorläufig entzogen worden sei.

Tagelange Suchaktion 

Der Fall Fabian hatte im Oktober bundesweit für Aufmerksamkeit und Bestürzung gesorgt. Tagelang war das Schicksal des Jungen aus Güstrow ungewiss. Eine ganze Stadt war im Ausnahmezustand. 

Die Mutter sah ihren Sohn am Morgen des 10. Oktobers, einem Freitag, gegen 8.30 Uhr das letzte Mal, als sie zur Arbeit gegangen sei, sagte sie in einem Interview. Bei ihrer Rückkehr von der Arbeit sei Fabian nicht mehr da gewesen. Noch am Abend meldete ihn seine Mutter als vermisst. 

Es folgte eine großangelegte Suchaktion. Hunderte Einsatzkräfte waren im Einsatz und durchkämmten Güstrow und Umgebung nach dem Kind. Hundestaffeln und Hubschrauber wurden eingesetzt. Die Beamten klingelten an Haustüren und befragten Passanten. Vier Tage lang hoffte man, den Jungen lebend zu finden. 

Eine Art Schockstarre

Am 14. Oktober kam dann die Nachricht, dass etwa 15 Kilometer südwestlich von Güstrow eine Kinderleiche entdeckt wurde. Wenig später herrschte Gewissheit: Es handelt sich um Fabian. Der Hinweis auf den Fund kam laut Staatsanwaltschaft von der später verhafteten Tatverdächtigen, die die Polizei auch zum Fundort geführt habe. Wie sich schnell herausstellte, wurde das Kind Opfer eines Gewaltverbrechens. 

Güstrows Bürgermeister Sascha Zimmermann berichtete damals von einer Art Schockstarre in dem Ort: "Weil man nicht begreifen kann, warum so etwas passiert. Warum jemand einem Kind so etwas antut und ein Kind tötet." 

Die Familie, Angehörige, Freunde und Bewohner suchten Halt. Die Kirche St. Marien wurde für sie zu einem Ort der gemeinsamen Trauer. Schon am 14. Oktober, dem Tag des Fundes, versammelten sich am Abend 700 Menschen zu einer "Lichtermesse". Damals zündeten die Menschen 400 Kerzen in der Kirche an. 

Immer wieder stellten Menschen danach Kerzen vor die Kirche. Und nicht nur das. Viele Dutzende kleine und große Plüschtiere, Hunde, kleine Mäuse, Minions und Teddybären, Matchbox-Autos und vieles mehr. "Wir lernen wohl gerade das langsame Loslassen", sagte Pastor Jens-Peter Schulz, Pastor der Evangelisch-Lutherischen Pfarrgemeinde Güstrow beim zweiten Trauergottesdienst am 30. Oktober. "Fabians Tod hat uns angerührt." Einen Abschluss werde es so schnell nicht geben können. 

Fabians Mutter als Nebenklägerin

Das gilt auch für die kommende Zeit. Das Landgericht Rostock muss prüfen, ob die Anklage zur Hauptverhandlung zugelassen wird. An einem Prozess wird Fabians Mutter als Nebenklägerin teilnehmen, wie ihre Anwältin Christine Habetha der Deutschen Presse-Agentur sagte. "Den Nebenklageanschluss haben wir bereits erklärt."

Die Polizei wertete rund 1.000 Spuren in dem Fall aus. Die Tatwaffe wurde nicht gefunden. Am 5. November - nach wochenlangen Ermittlungen ohne greifbare Ergebnisse - berichtete die ZDF-Fernsehsendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" über den Fall. Danach gingen zahlreiche Hinweise bei der Mordkommission ein. 

Haftbefehl am 6. November vollstreckt

Nur einen Tag später verhaftete die Polizei die Tatverdächtige wegen dringenden Mordverdachts. Nähere Angaben zu ihr machte der Sprecher der Rostocker Staatsanwaltschaft, Harald Nowack, auch damals nicht. 

 

Einen Termin für den Prozess gibt es noch nicht. Allerdings verwies Nowack mit Blick auf die Dauer der Untersuchungshaft auf eine Sechs-Monats-Frist, die Anfang Mai ablaufe. "Ich gehe davon aus, dass wir innerhalb dieser Frist mit der Terminierung der Hauptverhandlung beginnen werden."

Mordanklage im Fall Fabian - Bekannte als Tatverdächtige

Der Haftbefehl gegen die Beschuldigte im Fall Fabian wurde gerichtlich bestätigt.

Mordanklage im Fall Fabian - Bekannte als Tatverdächtige

Plüschtiere und Kerzen erinnerten lange Zeit in der Güstrower Marienkirche an Fabian.

Mordanklage im Fall Fabian - Bekannte als Tatverdächtige

Harald Nowack, Oberstaatsanwalt und Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Rostock, unterrichtete die Öffentlichkeit über die Anklage.