Vom Billy-Regal zum Stromvertrag: Ikea mischt nun im deutschen Energiemarkt mit. Doch wie funktioniert das Modell, wer kann sparen – und wo lauern Risiken?
Ikea verkauft jetzt Strom: Chance oder Kostenfalle?
Von Jonas Schöll/AFP
Der Möbelriese Ikea steigt in Deutschland ins Stromgeschäft ein. Der neue Tarif verspricht Ökostrom zum Börsenpreis, Transparenz und flexible Kündigung. Doch wie funktioniert das Modell, wer kann sparen – und wo lauern Risiken?
Mit dem neuen Angebot betritt erstmals ein internationaler Möbelkonzern als Vermittler den deutschen Strommarkt. Nach Angaben von Ikea richtet sich der Tarif an Privathaushalte und soll direkten Zugang zu den schwankenden Preisen an der Strombörse ermöglichen. Versprochen werden Nachhaltigkeit und Transparenz – zugleich warnen Fachleute vor starken Preisschwankungen.
Was hat Ikea angekündigt?
Ikea Deutschland bringt gemeinsam mit dem Unternehmen Svea Solar einen dynamischen Stromtarif auf den Markt. Der Strom soll „vollständig aus erneuerbaren Quellen wie Wind und Sonne“ stammen, teilte Ikea mit. Abgerechnet wird nicht zu einem festen Preis, sondern zum jeweils aktuellen Börsenstrompreis, der sich alle 15 Minuten ändern kann.
Warum steigt ein Möbelhaus in den Strommarkt ein?
Ikea spricht von einem Beitrag zur Energiewende. „Wir wollen nachhaltige Energie für die vielen Menschen erschwinglich und zugänglich machen, unabhängig von Wohnform, Einkommen oder technischem Vorwissen“, sagt Jacqueline Polak, Expertin für nachhaltige Energielösungen bei Ikea Deutschland. Ziel sei mehr „Transparenz, Flexibilität, Unabhängigkeit und gesellschaftliche Teilhabe am Energiemarkt“.
Was bedeutet ein dynamischer Stromtarif konkret für Kunden?
Der Arbeitspreis richtet sich nach dem aktuellen Börsenkurs. Kunden zahlen keinen festen Kilowattstundenpreis, sondern den Marktpreis zum Zeitpunkt ihres Verbrauchs. Statt fester Abschläge werde „nur gezahlt, was tatsächlich verbraucht wird und das zum Echtzeit Marktpreis“, wirbt Ikea.
Wer Waschmaschine, Geschirrspüler oder das Laden eines E-Autos in günstige Zeiten verlegt, kann sparen – etwa bei viel Wind oder Sonnenstrom im Netz.
Welche Technik ist nötig – und wer bekommt sie?
Voraussetzung ist ein digitaler Stromzähler mit Kommunikationseinheit (Smart Meter). Ikea verspricht für „berechtigte Haushalte“ eine kostenlose Installation. Über eine App sollen Nutzer die wechselnden Börsenstrompreise, Prognosen und ihren Verbrauch in Echtzeit verfolgen können.
Was kostet das Angebot?
Die Grundgebühr beträgt regulär 6,99 Euro im Monat. Der eigentliche Strompreis schwankt stark. Zusätzlich wirbt Ikea mit zeitlich befristeten Rabatten und Gutscheinen für Mitglieder. Das Angebot sei „niedrigschwellig, digital und flexibel gestaltet“ und richte sich auch an Mieter und Familien.
Gibt es Risiken für Verbraucher?
Ja. Börsenpreise können stark steigen. In der Energiepreiskrise 2022 erreichten sie Rekordhöhen. Auch Ikea räumt ein, die Kopplung an den Börsenstrompreis berge „ein gewisses Risiko“. Wer nicht flexibel ist oder Preise nicht beobachtet, kann zeitweise deutlich mehr zahlen als mit einem klassischen Festpreisvertrag.
Was sagen Verbraucherschützer zu solchen Tarifen?
Verbraucherschützer sehen Chancen und Risiken. Dynamische Tarife können sich für viele Haushalte lohnen, warnen aber vor finanziellen Überraschungen bei starken Preissprüngen. Wichtig: Solche Tarife sind kein Ikea-Sonderfall. Seit 1. Januar 2025 müssen alle Stromanbieter in Deutschland dynamische Tarife anbieten.
Für wen lohnt sich das Modell besonders – und für wen nicht?
Geeignet ist der Tarif vor allem für Haushalte mit steuerbarem Verbrauch, etwa mit E-Auto, Wärmepumpe oder Homeoffice. Weniger geeignet ist er für Menschen mit konstantem Tagesverbrauch oder ohne Smart Meter.
Wie flexibel ist der Vertrag?
Der Tarif ist monatlich kündbar. Ikea tritt nicht selbst als Stromversorger auf, sondern als Vermittler. Die technische Umsetzung übernimmt das Kölner Unternehmen Svea Solar.