Sensationsfund in Thüringen

Forscher entdecken älteste Schuppen-Abdrücke eines Reptils

In Thüringen haben Paläontologen die ältesten Schuppen-Abdrücke eines Reptils entdeckt. Sie stammen von einem eidechsengroßen Tier, das sich vor 299 Millionen Jahren im Schlamm ausruhte und dabei Abdrücke seines Körpers und seiner Hautstruktur hinterließ.

Forscher entdecken älteste Schuppen-Abdrücke eines Reptils

Diese Hautabdrücke eines eidechsengroßen Reptils sind 298 bis 299 Millionen Jahre alt. Sie sind der älteste Nachweis von reptilientypischen Schuppen.

Von Markus Brauer

Ob Krokodil, Schlange oder Eidechse: Typisches Kennzeichen der meisten Reptilien sind ihre Schuppen. Diese meist eckigen Hornplatten werden von der Epidermis, der äußeren Hautschicht gebildet. Dies unterschiedet sie von den aus tieferen Hautschichten stammenden Knochenschuppen der Fische und ersten Landgänger unter den Wirbeltieren.

Weichgewebsstrukturen sind extrem selten

Doch wann Urzeit-Reptilien erstmals ihre typischen Hautschuppen entwickelten, ist unklar. Hautstrukturen wie Schuppen, Federn oder Hornschnabelreste sind von einer Vielzahl von Dinosaurier-Fossilien belegt, manchmal in Form organischer Substanz und manchmal nur als Abdruck der Hautoberfläche.

„Solche Weichgewebsstrukturen sind im Fossilbericht extrem selten. Und je weiter wir in der Erdgeschichte zurückgehen, desto außergewöhnlicher werden sie“, erklärt Lorenzo Marchetti vom Museum für Naturkunde Berlin im Fachjournal „Current Biology“. „Die Spuren aus dem Thüringer Wald eröffnen neue Perspektiven auf die frühe Entwicklung der Reptilien und ihrer Hautstrukturen.“

Zu den bisher frühesten Belegen für Reptilienschuppen gehören 286 bis 289 Millionen Jahre alte fossile Hautstückchen aus den USA, sowie die 290 Millionen Jahre alte Liegespur eines Dimetrodon, die erst 2025 in Thüringen entdeckt wurde.

Schuppenabdrücke eines eidechsengroßen Urzeit-Reptils

Jetzt gibt es einen noch älteren Fund – ebenfalls in Thüringen. In der sogenannten Goldlauter-Formation aus dem späten Karbonzeitalter vor 298 bis 299 Millionen Jahren haben Marchetti und sein Team die versteinerten Liegespuren und Fußabdrücke eines eidechsengroßen Reptils entdeckt. Fundorte sind unter anderem der Steinbruch Cabarz bei Tabarz sowie Floh-Seligenthal.

Moderne radiometrische Datierungen vulkanischer Aschelagen ermöglichen eine präzise zeitliche Einordnung der Funde und machen sie zu den bislang ältesten direkten Belegen für Reptilienhaut.

Nachweis einer Kloakenöffnung im Hautabdruck

Die neu beschriebenen Liegespuren wurden als neue Spurengattung und -art Cabarzichnus pulchrus benannt. Die zugehörigen Fußabdrücke weisen Proportionen auf, die jenen der Bolosaurier ähneln – einer frühen Reptiliengruppe aus der Stammlinie heutiger Echsen.

Die Schuppenformen reichen von rautenförmig über sechseckig bis seitlich zugespitzt und zeigen bemerkenswerte Parallelen zu späteren Hautstrukturen verschiedener Landwirbeltiergruppen.

Besonders außergewöhnlich ist der mögliche Nachweis einer Kloakenöffnung im Hautabdruck nahe des Schwanzansatzes. Die meisten Landwirbeltiere haben eine Kloake – eine gemeinsame Öffnung zur Ausscheidung von Kot und Urin, die gleichzeitig der Ausgang der Geschlechtsorgane ist. Nur bei den lebendgebärenden Säugetieren liegen getrennte Öffnungen vor.

Bei Fossilien ist die Kloake als Teil des Weichgewebes fast nie erhalten und klar erkennbar. Der Hautabdruck aus Cabarz zeigt jedoch in der Nähe des Schwanzansatzes die Spur einer Kloakenöffnung.

Der Abdruck des schmalen Schlitzes deutet darauf hin, dass sich die Kloake des Cabarzichnus-Spurenerzeugers in ihrer Form und Ausrichtung von jener der Dinosaurier und Krokodile unterscheidet und stattdessen der Kloake von Schildkröten, Eidechsen und Schlangen gleicht.