Die Zahl der freiwilligen Rückkehrer nimmt zu. Man sollte diesen Hebel in der Migrationspolitik nicht unterschätzen, findet Hauptstadtkorrespondentin Rebekka Wiese.
Im vergangenen Jahr sind so viele Menschen freiwillig über Förderprogramme ausgereist wie lange nicht mehr.
Von Rebekka Wiese
Es waren so viele wie lange nicht mehr: 2025 sind 16 500 Menschen freiwillig über Förderprogramme aus Deutschland ausgereist, 60 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahlen zeigen, dass in den freiwilligen Ausreisen ein unterschätzter Hebel der Migrationspolitik liegt. Vieles spricht für den Ansatz.
Dass sich im vergangenen Jahr mehr Menschen entschieden haben, Deutschland freiwillig zu verlassen, liegt vor allem am Ende des Assad-Regimes in Syrien – aber eben nicht nur. Denn auch in andere Länder sind mehr Menschen zurückgekehrt, besonders viele in die Türkei. Die Nachfrage nach den Programmen ist derzeit so hoch, dass die Behörden auf ihrer Website auf längere Bearbeitungszeiten hinweisen.
Günstiger als Abschiebungen
Wer sich für das Programm entscheidet, für den übernimmt der Bund die Reisekosten und zahlt außerdem eine Starthilfe von 1000 Euro. Das dürfte günstiger sein als die meisten Abschiebungen. Da die Betroffenen die Kosten für ihre Rückführung fast nie selbst tragen können, zahlt nämlich meist auch hier der deutsche Staat. Und zwar nicht nur für die Reise, sondern auch für Polizei, Sicherheitskräfte und Abschiebehaft. Die Gesamtkosten sind somit viel höher.
Klar ist: Nicht jeder reist freiwillig aus, auch nicht gegen Geld. Die allermeisten Afghanen in Pakistan, die trotz Aufnahmezusage aus Deutschland noch immer auf ihre Einreise warten, haben es beispielsweise abgelehnt, ihre Schutzgesuche gegen Geld zurückzuziehen. Das ist es aber auch, was die freiwillige Rückkehr zumutbarer macht als jede andere Form der Rückführung. Abschiebungen werden immer Teil von geordneter Migrationspolitik sein. Aber es wäre falsch, sie für den einzigen oder gar besten Ansatz zu halten.