Der gebürtige Stuttgarter feiert bei Union sein Bundesligadebüt – im Alter von 32 Jahren.
Von Jürgen Frey
Stuttgart - Wenn ein Fußballer mit 32 Jahren erstmals in der Bundesliga aufläuft, dann ist das schon etwas ganz Besonderes. Carl Klaus machte nach dem 1:3 (0:2) von Union Berlin bei RB Leipzig keinen Hehl daraus: „Auch wenn das für uns ein bitterer Abend ist, für mich geht ein Lebenstraum in Erfüllung“, sagte der Torwart.
Nach der Verletzung von Union-Stammkeeper Frederik Rönnow war Klaus in der 31. Minute beim 0:2-Rückstand eingewechselt worden und zeigte danach, dass auch in der Bundesliga auf ihn Verlass ist. Seit 2024/25 steht der gebürtige Stuttgarter bei den „Eisernen“ unter Vertrag. Davor spielte er beim 1. FC Nürnberg, Darmstadt 98, Atletico Baleares/Mallorca und in der Saison 2015/16 auch für die Stuttgarter Kickers. Klaus war seinerzeit vom VfL Wolfsburg II nach Degerloch gekommen. In der Jugend hatte er beim MTV Stuttgart begonnen, mit zehn Jahren ging es zum VfB Stuttgart, ehe ihn der damalige Wolfsburger Torwart-Trainer Dennis Rudel in die U 19 des VfL holte.
Carl Klaus ist im Stuttgarter Westen am Hölderlinplatz aufgewachsen. Sein Abitur (Schnitt 1,6) hat er am Friedrich-Eugens-Gymnasium gemacht. In der Drittligasaison 2015/16 bildete Klaus bei den Kickers ein Gespann mit Korbinian Müller und Rouven Sattelmaier. Chefcoach war zunächst Horst Steffen, danach Tomislav Stipic, um die Torhüter kümmerte sich Erol Sabanov.
Der strich damals sein fußballerisches Können heraus: „Carl spielt auch in Bedrängnis den Ball ruhig von hinten heraus, das passt zu unserer Spielphilosophie.“ Und: „Er ist ein selbstbewusster Torwart, der mitspielt und mitdenkt und der auch mal Trainer-Anweisungen hinterfragt.“
Seit Freitagabend darf sich Carl Klaus – nach 26 Zweitligaspielen, sechs DFB-Pokal-Spielen – nun also auch Bundesligatorwart nennen. „Das ist schon ein besonderer Tag, ein ganz besonderer Moment in meinem Leben. Darauf habe ich zwei Jahrzehnte lang hingearbeitet“, sagte er nach der Niederlagen von Union gegen Leipzig – die sich für ihn ein bisschen auch wie ein persönlicher Sieg anfühlte.