Kommt Deutschland so durch den Winter?
Von Lukas Böhl
Die Gasspeicher in Deutschland sind derzeit zu 61,6 Prozent gefüllt. Das entspricht einer gespeicherten Gasmenge von rund 152,5 Terawattstunden. Das geht aus der aktuellen Lagebewertung der Bundesnetzagentur vom 28. Oktober hervor. Damit liegen die Füllstände deutlich unter dem angestrebten Durchschnittswert von rund 70 Prozent zum 1. November. Angesichts der verbleibenden Tage ist eine Erreichung des Ziels unwahrscheinlich.
Die gesetzlichen Vorgaben unterscheiden sich je nach Speicheranlage. Während die meisten Gasspeicher zum 1. November einen Füllstand von mindestens 80 Prozent aufweisen müssen, gelten für sechs Speicher reduzierte Anforderungen von 45 Prozent. Daraus ergibt sich für Deutschland insgesamt ein rechnerischer Zielwert von etwa 70 Prozent.
Bundesregierung erwartet keine Gasmangellage
Trotz der niedrigen Speicherstände rechnet die Bundesregierung nicht mit Versorgungsengpässen. Bei der Regierungspressekonferenz am 26. Oktober erklärte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums, dass weder das Ministerium noch die Bundesnetzagentur, die Verteilnetzbetreiber oder die EU-Kommission für den kommenden Winter eine Gasmangellage erwarteten.
Für die Versorgungssicherheit seien nicht allein die Speicherfüllstände entscheidend. Auch laufende Gasimporte, verfügbare Infrastruktur und die Situation auf dem Energiemarkt müssten berücksichtigt werden. Die Bundesregierung beobachte die Entwicklung weiterhin aufmerksam.
Auf die Frage nach möglichen zusätzlichen Maßnahmen erklärte die Ministeriumssprecherin, dass bei Bedarf Handlungsoptionen zur Verfügung stünden. Konkrete Schritte kündigte sie nicht an.
Bundesnetzagentur sieht Versorgung als gesichert
Auch die Bundesnetzagentur bewertet die Gasversorgung in Deutschland derzeit als stabil. Zwar seien die Speicherstände deutlich niedriger als in vergleichbaren Zeiträumen vergangener Jahre. Die Behörde hält das Erreichen der Füllstandsziele jedoch nicht für zwingend erforderlich, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.
Nach Angaben der Bundesnetzagentur wurden zwischen dem 20. und 26. Oktober insgesamt 18,3 Terawattstunden Erdgas über Pipelines importiert. Weitere 1,1 Terawattstunden kamen über deutsche LNG-Terminals ins Land. Diese waren im genannten Zeitraum durchschnittlich zu 29 Prozent ausgelastet.
Die vergleichsweise geringen Einspeicherungen der vergangenen Tage führt die Behörde unter anderem auf die Beschaffungsstrategien der Gashändler zurück. Diese entscheiden anhand ihrer Lieferverpflichtungen und der Marktlage, welche Mengen sie einlagern.
Grundsätzlich liege die Verantwortung für die Befüllung der Speicher bei den Gashändlern. Die Bundesregierung hatte allerdings bereits Anfang Oktober das bundeseigene Energieunternehmen SEFE angewiesen, zusätzliche Gasmengen einzuspeichern.
Die Bundesnetzagentur schätzt das Risiko einer angespannten Versorgungslage weiterhin als gering ein. Gleichzeitig geht sie davon aus, dass die Speicher am Ende des Winters einen vergleichsweise niedrigen Füllstand aufweisen werden.