Anleger bleiben vorsichtig

Gerresheimer-Aktie um 10 % gefallen - Das ist der Grund

Die Gerresheimer-Aktie steht am Dienstag erneut massiv unter Druck und verliert rund 10 Prozent ihres Wertes. Was steckt hinter diesem erneuten Kursrutsch?

Gerresheimer-Aktie um 10 % gefallen - Das ist der Grund

Die Gerresheimer-Aktie verliert am Dienstag 10 Prozent ihres Wertes. Erfahren Sie, welche Analystenkommentare und fundamentalen Probleme den Kursrutsch ausgelöst haben.

Von Matthias Kemter

Mit einem aktuellen Kurs von 18,11 Euro und einem Tagesverlust von 10 Prozent setzt die Gerresheimer-Aktie ihre Abwärtsbewegung fort. Negative Analystenkommentare, insbesondere von der UBS, sowie fundamentale Probleme belasten das Vertrauen der Anleger. Bereits in den letzten Tagen war die Aktie durch schwache Geschäftszahlen und externe Faktoren unter Druck geraten.

Analystenkommentare verstärken den Abwärtstrend

Die Schweizer Großbank UBS hat die Gerresheimer-Aktie von "Neutral" auf "Sell" herabgestuft und das Kursziel drastisch von 29 Euro auf 12,90 Euro gesenkt. Analyst Olivier Calvet begründet diesen Schritt mit einer pessimistischen Einschätzung der geplanten Verkäufe der US-Tochter Centor und des internationalen Glasgeschäfts. Diese Maßnahmen, die zur Reduzierung der hohen Nettoverschuldung von 1,93 Milliarden Euro dienen sollen, könnten laut UBS enttäuschend ausfallen. Zudem erwartet Calvet ein langsameres Wachstum und höhere Risiken für das Unternehmen.

Bilanzskandal und Wertberichtigungen belasten zusätzlich

Ein weiterer Grund für den Kursverfall ist der Bilanzskandal, der Mitte Februar bekannt wurde. Gerresheimer musste die Veröffentlichung des Jahresabschlusses 2025 verschieben, da Unregelmäßigkeiten bei der Umsatzrealisierung und Bilanzierung festgestellt wurden. Die Konsequenzen sind gravierend: Wertberichtigungen in Höhe von bis zu 240 Millionen Euro und eine Korrektur der Umsatzerlöse für 2024 um 35 Millionen Euro belasten die Bilanz. Diese Entwicklungen haben das Vertrauen der Anleger nachhaltig erschüttert.

Externe Faktoren verschärfen die Lage

Neben den internen Problemen leidet Gerresheimer auch unter externen Einflüssen. Schwache Daten zur Abnehmspritze CagriSema von Novo Nordisk, für die Gerresheimer Autoinjektoren liefert, haben die Aktie zusätzlich belastet. Die Unsicherheit über die Marktzulassung dieses Produkts sorgt für weitere Zurückhaltung bei den Anlegern.

Institutionelle Anleger setzen auf fallende Kurse

Interessant ist zudem, dass aktuell rund 14 Prozent der Gerresheimer-Aktien leerverkauft sind. Dies deutet darauf hin, dass institutionelle Anleger weiterhin auf fallende Kurse setzen, was den Druck auf die Aktie zusätzlich erhöht.

Ausblick

Die Gerresheimer-Aktie hat in den letzten zwölf Monaten über drei Viertel ihres Wertes verloren. Der aktuelle Kursrutsch verdeutlicht die anhaltenden Herausforderungen, mit denen das Unternehmen konfrontiert ist. Analysten raten weiterhin zur Vorsicht, da die finanziellen und operativen Probleme kurzfristig nicht gelöst werden können.

Aktuelle Ratings der Gerresheimer-Aktie

Die Analystenmeinungen zur Gerresheimer-Aktie sind derzeit überwiegend negativ. Während JPMorgan die Aktie trotz der Bilanzprobleme mit einem Kursziel von 46 Euro auf "Overweight" belässt, sehen andere Institute die Lage kritischer. Barclays und UBS bewerten die Aktie mit "Equal Weight" bzw. "Neutral" und Kurszielen von 23 Euro bzw. 29 Euro. Deutlich pessimistischer zeigt sich die DZ Bank, die die Aktie auf "Verkaufen" herabgestuft und das Kursziel auf 16 Euro gesenkt hat. Auch Bernstein Research sieht mit einem Kursziel von 18,90 Euro und der Einstufung "Underperform" wenig Potenzial. Die Deutsche Bank und Berenberg bleiben mit "Hold"-Einstufungen und Kurszielen von 22 Euro bzw. 20 Euro ebenfalls zurückhaltend.

Was macht Gerresheimer?

Die Gerresheimer AG ist ein führender Hersteller von Verpackungen aus Glas und Kunststoff mit Sitz in Düsseldorf. Das Unternehmen, das 1864 gegründet wurde, beliefert vor allem die Pharma-, Kosmetik- und Lebensmittelindustrie. Zum Produktportfolio gehören unter anderem Injektionsfläschchen, vorfüllbare Spritzen, Insulin-Pens und Parfüm-Flakons. Mit 47 Standorten in 16 Ländern und über 13.000 Mitarbeitern weltweit zählt Gerresheimer zu den bedeutendsten Akteuren in der Verpackungsindustrie.