Entzündungen am Auge sind nicht nur lästig, sondern oft auch schmerzhaft. Um sie loszuwerden, braucht es meist Geduld - und ein paar einfache Maßnahmen.
Das Gerstenkorn entsteht aufgrund einer bakteriellen Infektion, eitert oft ähnlich wie ein Pickel und schmerzt.
Von Regine Warth
Es zeigt sich meist schon morgens nach dem Aufwachen: Das Augenlid ist geschwollen und gerötet. Bald bildet sich ein unschönes Knötchen, prall mit Eiter gefüllt. Wenn eine Drüse am Lidrand des Auges verstopft, kann es richtig schmerzhaft werden. Und leider passiert das recht oft: Gersten- und Hagelkörner, so heißt es seitens der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG), zählen zu den häufigsten Augenleiden überhaupt, die bei vielen Menschen mindestens einmal im Leben auftreten. Doch was können Betroffene dagegen tun? Philomena Alice Wawer Matos Reimer vom Zentrum für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Köln erklärt, was zu tun ist, wenn die Schwellung hartnäckig bleibt.
Gerstenkorn oder Hagelkorn - was ist der Unterschied?
Beides ist eine Entzündung im Augenlid, beides entsteht aufgrund einer verstopften Drüse am Lidrand. Doch es gibt durchaus Unterschiede, sagt die Augenärztin Wawer Matos Reimer. „Das Gerstenkorn entsteht aufgrund einer bakteriellen Infektion, eitert oft ähnlich wie ein Pickel und schmerzt.“ Medizinisch wird diese Entzündung Hordeolum genannt. Das Hagelkorn - Chalazion genannt - ist dagegen meist die Folge eines Sekret-Staus in einer Talgdrüse am Lidrand. „Es eitert nicht, ist abgekapselt, entwickelt sich eher langsam und ist in der Regel deutlich weniger schmerzhaft“, so Wawer Matos Reimer.
„Womit wir sehr gute Erfahrungen machen, ist ein altes Hausmittel: Kompressen mit schwarzem Tee.“ Philomena Alice Wawer Matos ReimerAugenärztin am Uniklinikum Köln
Gibt es wirkungsvolle Hausmittel?
Gute Erfahrungen hat die Augenärztin Wawer Matos Reimer vor allem mit Kompressen mit schwarzem Tee gemacht: „Dafür einen schwarzen Tee zubereiten, abkühlen lassen, einen Lappen mit lauwarmem Teewasser tränken und auf das Auge legen.“ Einen ähnlichen Effekt erzielen fertige Tücher mit Schwarztee-Extrakt oder Teebaumöl aus der Apotheke.
Hilfreich kann es auch sein, zunächst die geschlossenen Augenlider für fünf bis zehn Minuten mit einem warmen Kirschkernkissen oder einer Wärmemaske zu behandeln; dann mit einem Wattepad das Lid sanft zum Rand hin massieren und mit einem Wattestäbchen die Lidränder reinigen. Um den Abheilungsprozess zu fördern gibt es zudem desinfizierende und entzündungshemmende, meist kortisonhaltige Salben. Gerstenkörner klingen meist innerhalb weniger Tage ab, Hagelkörner dagegen erst nach mehreren Wochen oder sogar Monaten, sagt Wawer Matos Reimer.
Wann braucht es einen Arztbesuch?
„Beim Gerstenkorn kann bei ausgeprägter bakterieller Entzündung eine antibiotische Augensalbe sinnvoll sein, die der Augenarzt oder die Augenärztin verschreibt, beim Hagelkorn helfen Antibiotika in der Regel nur im akuten Entzündungsintervall“, erläutert Wawer Matos Reimer. Heilt dagegen das Hagelkorn partout nicht ab, kommt ein kleiner Eingriff in Betracht: „Wir machen unter lokaler Betäubung je nach Lokalisation der Läsion von der Innen- oder der Außenseite des Lides aus einen winzigen Schnitt und entfernen das entzündliche Gewebe samt Kapsel“, erklärt die Kölner Augenärztin.
Was tun, wenn die Entzündung immer wiederkehrt?
Menschen mit Diabetes chronisch-entzündlichen Erkrankungen oder mit Allergien, aber auch mit Hautkrankheiten wie beispielsweise Rosazea oder Neurodermitis haben besonders oft mit solchen Augenlidentzündungen zu kämpfen. Auch bei Frauen, die sich in hormonellen Umstellungsphasen wie Schwangerschaft oder Wechseljahre befinden, kann sich die Funktion der Talgdrüsen verändern und die Neigung zu Hagelkörnern steigen, erklärt Wawer Matos Reimer. „Für sie ist eine tägliche Lidkantenpflege besonders wichtig.“
Wie kann man Entzündungen vorbeugen?
Lidkanten pflegen - und das möglichst täglich beispielsweise unter der warmen Dusche, rät die Augenärztin. Hilfreich sind zudem Gelmasken aus Apotheke oder Drogerie, die man erwärmen kann – oder auch Doxycyclin, ein verschreibungspflichtiges Medikament, das die Sekrete verflüssigt und insbesondere bei Rosazea oder in hartnäckigeren Fällen notwendig werden kann. Bei hartnäckigen und wiederkehrenden Entzündungen kann eine spezialisierte Augenärztin oder ein spezialisierter Augenarzt eine professionelle Ausreinigung der betroffenen Talgdrüse vornehmen.
Aber auch Umweltfaktoren und der eigene Lebensstil können Gerstenkörner und Hagelkörner begünstigen: „Dazu gehören aktives und passives Rauchen, chronischer Stress und Schlafmangel“, so Wawer Matos Reimer. Denn diese Dinge schwächen das eigene Immunsystem. Wichtig ist außerdem: Finger aus dem Gesicht lassen, sich auch nicht die Augen reiben. Zudem sollten die Augen immer sorgfältig abgeschminkt werden. Wer Kontaktlinsen trägt, ist durchaus stark gefährdet, eine solche Augenentzündung zu bekommen. Daher sollte man beim Wechseln und Reinigen der Linsen konsequent auf Hygiene achten.
Wann wird eine Augenentzündung gefährlich?
In seltenen Fällen kann es sich bei hartnäckigen Schwellungen auch um einen Tumor handeln. Meist ist es dann ein langsam wachsendes Basalzellkarzinom, auch als „weißer Hautkrebs“ bekannt. Seltener ist es ein Talgdrüsen- oder Merkelzellkarzinom, die zwar nur in zwei oder in 0,5 Prozent aller Fälle vorkommen, aber äußerst bösartig und aggressiv sind. „Warnzeichen sind ein Verlust von Wimpern, ein nachgewiesenes Wachstum der Schwellung oder eine nicht heilende Wunde, die auch mit Blutungen einhergehen kann“, so die DOG-Expertin. Auch Veränderungen wie ein Konturverlust der Lidkante sollten unbedingt augenärztlich untersucht werden. „In solchen Situationen nicht lange warten und umgehend einen Termin vereinbaren.“