In Oman haben die iranisch-amerikanischen Gespräche begonnen. An einen Durchbruch glaubt niemand, dennoch ist eine Fortsetzung in den kommenden Tagen möglich.
mans Außenminister Badr bin Hamad al-Busaid (r.) begrüßt den US-Gesandten Steve Witkoff und Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner (li.).
Von Thomas Seibert
Mindestens zwei Verhandlungsrunden absolvierten iranische und amerikanische Gesandte am Freitag in Oman, ohne dass eine Seite die Gespräche abbrach – gemessen an den niedrigen Erwartungen an das Treffen in der Hauptstadt Maskat war das schon ein Erfolg, auch wenn es keine direkte Begegnung gab. An einen Durchbruch glaubte in Maskat ohnehin niemand, doch als die Verhandlungsrunde am Nachmittag endete, gab es die Möglichkeit einer Fortsetzung. Damit könnte ein iranisch-amerikanischer Krieg zumindest vorerst vermieden werden.
Omans Außenminister Badr bin Hamad al-Busaidi als Gastgeber und Vermittler traf sich abwechselnd mit den Delegationen der Konfliktparteien und trug Positionspapiere zwischen dem iranischen Außenminister Abbas Araghchi und dem US-Gesandten Steve Witkoff und Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner hin und her. Fotos der omanischen Regierung zeigten Busaidi bei getrennten Treffen mit Araghchi sowie Witkoff und Kushner.
Kompromiss oder Krieg
Direkte Gespräche mit den USA lehnen die Iraner bisher ab, doch die indirekten Verhandlungen vom Freitag könnten zumindest der Vorbereitung von Anschlusstreffen dienen: Iranische Staatsmedien meldeten am Nachmittag, die Delegationen würden zu Beratungen in ihre Hauptstädte zurückkehren, doch neue Gespräche „in den kommenden Tagen“ seien möglich. Das omanische Außenministerium erklärte, in Maskat sei es um die Grundlagen für weitere diplomatische und technische Beratungen gegangen.
Vor allem aber ging es um Krieg oder Frieden. „Sie wollen nicht, dass wir losschlagen“, sagte US-Präsident Donald Trump über die Iraner. Trump hat Kriegsschiffe und Kampfjets in den Nahen Osten beordert, die für einen Angriff auf die Islamische Republik bereit stehen. Teheran droht mit Vergeltungsschlägen gegen Israel, arabische Partner der USA und Stützpunkte der Amerikaner in der Region. Trump müsse sich zwischen Kompromissen und einem Krieg entscheiden, sagte ein iranischer Armeesprecher.
Die iranische Regierungspropaganda stellte die bloße Tatsache, dass der Termin in Maskat stattfand, als großzügiges Zugeständnis der Iranischen Republik dar. Im vorigen Jahr hatten sich Araghchi und Witkoff zu fünf Verhandlungsrunden getroffen und eine sechste vorbereitet, doch dann griff zuerst Israel den Iran an, und dann beteiligten sich auch die USA an den Luftschlägen. „Der Iran betreibt Diplomatie mit offenen Augen und der ständigen Erinnerung an das vergangene Jahr“, erklärte Araghchi.
In Wirklichkeit hat der Iran ein großes Interesse an einer Einigung mit Trump. Die Wirtschaft des Landes braucht dringend einen Abbau der internationalen Sanktionen, und das ist nur mit einer neuen Vereinbarung zur Begrenzung des iranischen Atomprogramms möglich. Araghchi nahm es am Freitag sogar hin, dass US-Admiral Brad Cooper als Mitglied der amerikanischen Delegation an den Treffen mit dem omanischen Minister Busaidi teilnahm. Cooper ist der Befehlshaber der US-Streitmacht im Nahen Osten und würde im Kriegsfall die amerikanischen Angriffe auf den Iran leiten.
Urananreicherung verhandelbar
Ursprünglich war Istanbul als Verhandlungsort mit Teilnahme von Politikern aus der Türkei, Katar und anderen Staaten vereinbart worden, doch die Führung in Teheran setzte die Verlegung nach Oman durch. Zum einen wollte der Iran an die Verhandlungen mit Witkoff aus dem vorigen Jahr anknüpfen, die unter anderem in Maskat stattfanden. Zum anderen wollte Araghchi nur die Amerikaner bei den Beratungen haben, um den Eindruck zu vermeiden, dass Teheran mit dem ganzen Nahen Osten verhandelt, wie es in Medienberichten hieß.
Format und Teilnehmerkreis waren noch die leichtesten Probleme in Maskat. Araghchi reiste mit der Absicht an, mit Witkoff und Kushner nur über das iranische Atomprogramm zu reden. Verhandlungen über das iranische Raketenprogramm und die iranische Unterstützung für Gruppen wie die Hisbollah im Libanon kommen für Teheran dagegen nicht in Frage. Die USA wollen auch über diese Themen reden und zudem die Niederschlagung des jüngsten Volksaufstandes im Iran zum Thema machen. Die Atomfrage bietet den größten Bewegungsspielraum. Über Zugeständnisse bei der Urananreicherung – einen unverzichtbaren Schritt beim Bau einer Atombombe – könne gesprochen werden, meldeten iranische Staatsmedien.
Der katarische Sender Al-Dschasira berichtete, arabische Staaten und die Türkei hätten beiden Seiten ein Modell vorgeschlagen, wonach der Iran drei Jahre lang ganz auf die Urananreicherung verzichten und danach das Material nur bis zu einer Reinheit von 1,5 Prozent anreichern würde, weit unterhalb der Schwelle für Atomwaffen. Derzeit hat der Iran rund 440 Kilogramm hoch angereichertes Uran, das leicht auf ein waffenfähiges Niveau gebracht werden könnte. Ein anderer Vorschlag besagt, dass der Iran die Anreicherung nur gemeinsam mit arabischen Staaten und unter internationaler Aufsicht betreiben darf. Ob sich der Iran darauf einlässt, ist offen.