Durch den Klimawandel steigen die Temperaturen weltweit - auch in Europa und Deutschland. Die Zahl der hitzebedingten Todesopfer schnellt in die Höhe.
Von Markus Brauer
Mehr als 1200 Menschen fordern von den EU-Institutionen verbindliche Maßnahmen für einen besseren Hitzeschutz. Der Schutz der Bevölkerung im europäischen Sommer erfordere „einen radikalen Wandel“, heißt es in einem offenen Brief an die EU-Kommission und das Europaparlament.
Bestehende Regelungen unverbindlich und unterfinanziert
Die insgesamt 1240 Unterzeichner kommen nach Angaben der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit überwiegend aus dem Gesundheitsbereich. Zu ihnen gehören Ärztinnen und Ärzte, Pflegefachpersonen, Hebammen, Rettungs- und Feuerwehrkräfte, Fachleute des öffentlichen Gesundheitsdienstes und Forscher.
„Was heute existiert, ist weitgehend unverbindlich und unzureichend finanziert“, schreiben die Unterzeichner. Derzeitige Initiativen sowohl auf nationaler als auch auf EU-Ebene reichten nicht aus, um die gravierenden tödlichen Auswirkungen zu verhindern.
Konkret fordern die Absender unter anderem einen besseren und verbindlichen Arbeitsschutz bei Hitze, Vorgaben für Hitzeschutz in Gebäuden, das Auslaufen von Subventionen für fossile Kraftstoffe und Einsatz für die Klimaziele.
„Hitze tötet leise“
Im vergangenen Sommer habe es in Europa mehr als 30.000 zusätzliche Tote gegeben, heißt es in dem Brief. „Die Opfer waren überwiegend ältere Menschen, überproportional Frauen, Menschen mit chronischen Erkrankungen, im Freien Beschäftigte und Alleinlebende in überhitzten Wohnungen.“
Beate Müller, Professorin für Allgemeinmedizin an der Universität Köln, erklärt: „Hitze tötet leise. Sie tötet in überhitzten Wohnungen, in Pflegeheimen und in Zimmern ohne Beschattung, und sie trifft zuerst die Ältesten und die Ärmsten. Schutz vor Hitze ist eine Frage der Gerechtigkeit.“
Wer unterzeichnet hat
Der Präsident des Verbands der Feuerwehren der Europäischen Union Karl-Heinz Banse erinnert an die Belastungen seiner Kollegen bei den Waldbränden. „In Frankreich und Spanien haben sie diesen Sommer gegen verheerende Waldbrände gekämpft, vielerorts weit über der Belastungsgrenze. Dafür brauchen wir verbindliche Vorgaben zum Schutz der Einsatzkräfte und der Bevölkerung.“
Zu den Unterzeichnern des Schreibens gehören der Präsident der Europäischen Fachgesellschaft für Notfallmedizin Christoph Dodt, der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte Michael Hubmann und der Bundesvorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands Markus Blumenthal-Beier. Wie alle Unterzeichnenden haben sie in persönlicher Eigenschaft gezeichnet.
Mit dpa-Agenturmaterial