Ein Imbiss in Heilbronn bietet das Fastfood-Sandwich für umsonst an. Warum machen die Betreiber das? Und wie kommt das an?
Daumen hoch: Merouane Mebarkaoui und Igor Forisch wollen Menschen, die wenig Geld haben, eine Freude machen.
Von Michael Bosch
Einen Döner für unter fünf Euro, das gibt es schon lange nicht mehr. Zumindest in Baden-Württemberg geht das beliebteste Fastfood der Deutschen in der Regel für weit mehr über die Theke. Erschwinglich ist es damit nicht mehr, besonders für Menschen, die wenig Geld zur Verfügung haben und jeden Euro zweimal umdrehen müssen.
Zwei Döner-Besitzer aus Heilbronn haben das zum Anlass genommen, und bieten Bedürftigen eine warme Mahlzeit für umsonst an. Ein Schild im Schaufenster weißt auf das Angebot hin, die Inhaber Merouane Mebarkaoui und Igor Forisch bitten darum, die Gutmütigkeit nicht auszunutzen, „damit wirklich Bedürftige davon profitieren können“. Ansonsten könne man Obdachlose gerne auf das Angebot hinweisen, heißt es.
Döner gratis: Bedürftigkeit wird nicht überprüft
„Wir kommen selbst aus ärmlichen Verhältnissen und wissen, wie das ist, wenn man kein Geld hat“, sagt Mebarkaoui. Seit vergangenem November betreibt er mit Forisch und einem weiteren Teilhaber den „Original Berliner Döner“, das Franchiseunternehmen kommt ursprünglich aus Nürnberg. Mindestens drei bis vier bedürftige Menschen kämen täglich in den Laden im Wollhaus, um das Angebot anzunehmen. An manchen Tagen auch mehr. Ihnen gehe es vor allem darum, unkompliziert zu helfen, sagen die Imbissbesitzer. Ob jemand wirklich kein Geld habe, werde deshalb nicht überprüft. „Wenn wir anfangen würden zu filtern, könnten wir jemanden übersehen, der wirklich Hilfe braucht“, sagt Mebarkaoui.
Mebarkaoui ist mit drei Geschwistern in Schwäbisch Hall aufgewachsen, seine Eltern stammen aus Algerien. Viel hatte die Familie nicht, Taschengeld war nicht drin. „Wir mussten früh selbstständig werden. Ich habe immer gejobbt“, sagt er. Seinen Freund und Geschäftspartner Igor Forisch, dessen Familie aus Serbien stammt, hat er beim Kampfsport kennengelernt. Seine Kindheit verlief ähnlich. Großzügigkeit, anderen, die nichts haben, eine Freude zu bereiten, „das ist halt in uns drin“, sagt Mebarkaoui.
Dass Mebarkaoui und Forisch wegen der Aktion etwas an Gewinn einbüßen, ist ihnen egal. Dafür werden sie mit viel Dankbarkeit belohnt, teilweise schämen sich die Menschen, die nicht zahlen können, aber auch ein bisschen, berichten die Dönerbesitzer. Die meisten würden sich aber einfach nur freuen. „Für uns ist das ein Stück Glück, das wir weitergeben können.“ Mebarkaoui und Forisch versuchen mit geschicktem Marketing – auch die Aktion mit dem Gratis-Döner ist für das Image des Ladens sicherlich förderlich – Kunden zu locken. Zur Eröffnung im vergangenen November gab es das Sandwich für einen Cent. Der Ansturm war riesig.
„Döner-Stadt“ Heilbronn bundesweit in den Schlagzeilen
Heilbronn und der Döner, das ist eine besondere Verbindung. Vor rund einem Jahr hatte die Stadt bundesweit Schlagzeilen gemacht. Die CDU-Fraktion im Gemeinderat hatte eine Döner-Obergrenze gefordert. Die Verwaltung beauftragte eine Studie, die Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) kam zu dem Schluss, dass die Döner-Dichte in Heilbronn nicht höher ist als anderswo im Land.
Ihr Anteil im Verhältnis zur Anzahl aller gastronomischen Betriebe in der Innenstadt lag demnach bei 15 Prozent. Auf 10.000 Einwohner gerechnet gibt es in Heilbronn 3,5 Dönerläden. Das sind sogar weniger als im Landesdurchschnitt (3,7). Eine Regelung, mit der die Zahl der Imbisse begrenzt wird, gibt es bis heute nicht. Auch rechtlich sei eine solche Beschränkung fraglich, argumentierte die Verwaltung. In Stuttgart sei eine Begrenzung kein Thema, teilte die Stadt damals mit.