Der Bosch-Konzern fährt ein großes Sparprogramm und will über 20.000 Stellen streichen. An einem Standort wurde der Abbau nun aber reduziert. Auch Investitionen sind geplant.
Bosch-Personalchef Stefan Grosch verkündete im Herbst einen großen Stellenabbau. In Reutlingen fällt er nun geringer aus als geplant.
Von Klaus Köster
Der Stuttgarter Bosch-Konzern hat seine Pläne, am Standort Reutlingen 1100 Arbeitsplätze zu streichen, reduziert. Nach intensiven Verhandlungen hat sich das Unternehmen nun mit der Arbeitnehmervertretung darauf verständigt, 150 Stellen weniger zu streichen. Zugleich sollen die Investitionen in den Standort bis 2029 um weitere 650 Millionen aufgestockt werden.
Der reduzierte Abbau ist Teil einer Vereinbarung zur Neuausrichtung des Standorts, der künftig vor allem auf die Produktion und Entwicklung von Halbleitern ausgerichtet werden und sich dabei auf die Produktion von Leistungsmodulen der neuesten Generation konzentrieren soll.
Die Herstellung von Steuergeräten in Kusterdingen dagegen wird der Vereinbarung zufolge in den kommenden Jahren schrittweise auslaufen. In Reutlingen wird die Produktion von Steuergeräten und von Leistungselektronik in reduzierten Umgang fortgeführt.
Bosch will Stellen sozialverträglich abbauen
Das Unternehmen erklärt, der Abbau solle „möglichst sozialverträglich“ erfolgen – über Altersteilzeit, Vorruhestand und freiwillige Vereinbarungen zum vorzeitigen Ausscheiden gegen eine Abfindung. Auch die interne Vermittlung auf andere Arbeitsplätze und die Nicht-Nachbesetzung freiwerdender Stellen gehört zu den Mitteln, mit denen man den Abbau sozialverträglich, also ohne Kündigungen umsetzen will.
Zur Geschäftslage erklärt das Unternehmen, der Geschäftsbereich Mobility Electronics sei in seiner Sparte für Steuergeräte mit sich rasch verschärften Marktbedingungen konfrontiert und verzeichne weiterhin deutliche Rückgänge bei den Stückzahlen. Zu den Gründen zähle die verzögerte Marktdurchdringung von Schlüsseltechnologien wie der Elektrifizierung.
Bosch: Fertigung in Reutlingen nicht wettbewerbsfähig
Zudem habe sich der Wettbewerbs- und Preisdruck in diesem Segment insgesamt verschärft. Aus diesem Grund sei die Fertigung von Steuergeräten am Standort Reutlingen „weiterhin nicht mehr „wettbewerbsfähig“.
Das Unternehmen fährt derzeit ein großes Sparprogramm, durch das mehr als 20.000 Arbeitsplätze wegfallen sollen. Dadurch sollen Milliarden eingespart werden. Die schwache Weltkonjunktur, die Konkurrenz aus China und der verzögerte Markthochlauf von Technologien wie E-Mobilität und dem autonomen Fahren zählt Bosch dabei zu den Hauptgründen.