Sexualisierte Deepfakes und Identitätsklau: Die HateAid-Geschäftsführerin kritisiert, die Politik habe die Entwicklung unterschätzt. Eine ARD-Dokumentation will aufklären.
Josephine Ballon (l) und Anna-Lena von Hodenberg (r), Geschäftsführerinnen der Organisation HateAid (Archivfoto).
Von red/dpa
Die Geschäftsführerin der Betroffenenorganisation HateAid, Anna-Lena Freiin von Hodenberg, wirft der Politik vor, Deepfakes lange nicht ernst genommen zu haben. Es sei absehbar gewesen, dass Künstliche Intelligenz die Herstellung solcher Inhalte massiv erleichtern werde, sagte sie bei einer Veranstaltung der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Das hätte man auch voraussehen können und wir haben nicht darauf reagiert.“
Bei Deepfakes werden mit Hilfe Künstlicher Intelligenz täuschend echt wirkende Bild-, Video- oder Tonaufnahmen manipuliert oder erzeugt. Von Hodenberg sieht darin eine erhebliche Gefahr für Betroffene. „Ein Inhalt in der analogen Welt ist schlimm, aber so ein Inhalt im Internet geht nie wieder weg“, sagte sie. Er werde mitunter von Millionen Menschen gesehen, sei nicht mehr kontrollierbar und könne Betroffene „bis ans Ende ihrer Tage begleiten“.
Systematischer Identitätsklau als Geschäftsmodell
Über Deepfakes wird schon seit einigen Wochen in Deutschland debattiert - vor allem wegen sexualisierter Deepfakes, von denen vor allem Frauen betroffen sind. Eine neue ARD-Dokumentation von und mit Eckart von Hirschhausen zeigt eine weitere perfide Facette des Problems: den systematischen Identitätsklau als Geschäftsmodell. „Hirschhausen und die Deepfake-Mafia“ ist vom 1. Mai an in der ARD-Mediathek abrufbar und wird am 4. Mai im Ersten (20.15 Uhr) ausgestrahlt. Der Film zeigt die Methoden unseriöser Anbieter, die mittels Künstlicher Intelligenz digitale Doppelgänger von Prominenten schaffen. Darin trifft der Moderator für den Film auch die Schauspielerin Collien Fernandes, die momentan wohl bekannteste Kämpferin gegen Identitätsdiebstahl.
Eine aktuelle Umfrage zeigt zudem die Reichweite solcher Inhalte. Nach Angaben des Meinungsforschungsinstituts Civey haben 22 Prozent der Befragten, die den Arzt und Moderator Eckart von Hirschhausen kennen, bereits Werbung wahrgenommen, in der er scheinbar Produkte bewirbt – unabhängig davon, ob diese echt oder gefälscht ist. 12 Prozent dieser Gruppe berichten demnach von Medikamentenwerbung, die auf KI-generierten Fälschungen basiert.
Für die nach Angaben von Civey repräsentative Umfrage befragte das Institut demnach vom 24. bis 28. April 2026 online 5.000 Bundesbürger und Bundesbürgerinnen ab 18 Jahren und 5.000 Personen, die Dr. Eckart von Hirschhausen kennen.