Verivox warnt

Heizen mit Gas wird noch teurer

In Deutschland könnte das Heizen in den kommenden Monaten noch teurer werden. Das Vergleichsportal Verivox rechnet mit weiteren Gaspreiserhöhungen

Heizen mit Gas wird noch teurer

Die Heizkosten sollen laut Verivox weiter steigen.

Von Lukas Böhl

Die Gaspreise in Deutschland steigen weiter. Nach Einschätzung des Vergleichsportals Verivox müssen sich Verbraucher auf zusätzliche Belastungen einstellen. „Wir rechnen mit weiteren flächendeckenden Preiserhöhungen, auch für Bestandskunden“, sagte Verivox-Chef Daniel Puschmann den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Schon jetzt kostet Gas nach Angaben des Unternehmens knapp 20 Prozent mehr als vor einem Jahr. Der durchschnittliche Preis liegt demnach bei rund 13 Cent je Kilowattstunde. Für Haushalte mit einer Gasheizung können sich daraus erhebliche Mehrkosten ergeben.

Großhandelspreise haben sich verdreifacht

Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung auf dem Gasgroßhandelsmarkt. Während eine Megawattstunde Erdgas im Februar noch rund 32 Euro kostete, liegt der Preis nach Angaben von Verivox inzwischen bei 96 Euro. Das entspricht einer Verdreifachung innerhalb weniger Monate.

Diese Entwicklung dürfte auch private Haushalte treffen. Denn die Energieversorger geben höhere Einkaufspreise häufig mit zeitlicher Verzögerung an ihre Kunden weiter. Wie stark die Gaspreise tatsächlich steigen werden, lässt sich allerdings noch nicht zuverlässig vorhersagen. Die Versorger beschaffen ihr Gas zu unterschiedlichen Zeitpunkten und verfolgen verschiedene Einkaufsstrategien.

Konflikte im Nahen Osten treiben Preise

Eine wesentliche Ursache für die steigenden Preise sind die anhaltenden Störungen der Energieversorgung infolge des Krieges im Nahen Osten. Dadurch ist das Angebot auf dem internationalen Gasmarkt eingeschränkt. Europa konkurriert bei der Beschaffung von Flüssigerdgas unter anderem mit asiatischen Ländern wie Japan.

Hinzu kommen die vergleichsweise niedrigen Füllstände der deutschen Gasspeicher. Eine unmittelbare Versorgungskrise erwartet Verivox dennoch nicht. Anders als während der Energiekrise 2022 gehe es derzeit weniger um die grundsätzliche Verfügbarkeit von Gas als vielmehr um dessen Preis.

Für Verbraucher bedeutet das: Auch wenn ausreichend Gas zur Verfügung steht, könnte das Heizen im Winter 2026/2027 deutlich teurer werden.

Verbraucher sollten Gasverträge überprüfen

Angesichts der Entwicklung empfiehlt Verivox, bestehende Gasverträge genauer unter die Lupe zu nehmen. Besonders wichtig sind dabei der vereinbarte Arbeitspreis, die Vertragslaufzeit und mögliche Preisgarantien.

Wer noch über eine gültige Preisgarantie verfügt, muss nach Einschätzung des Vergleichsportals nicht unbedingt sofort handeln. Bei einer angekündigten Preiserhöhung kann es dagegen sinnvoll sein, verschiedene Anbieter miteinander zu vergleichen.

Auch die Vertragsbedingungen spielen eine Rolle. Verbraucher sollten darauf achten, wie lange sie an einen Tarif gebunden sind und welche Kündigungsfristen gelten. Bei einseitigen Preiserhöhungen durch den Energieversorger kann zudem ein Sonderkündigungsrecht bestehen.

Verivox fordert Entlastung durch die Politik

Puschmann fordert außerdem, dass sich die Bundesregierung stärker mit den steigenden Strom- und Gaspreisen beschäftigt. Während Veränderungen an den Tankstellen unmittelbar sichtbar seien, kämen höhere Energiekosten bei vielen Haushalten erst Monate später an.

Als mögliche Entlastungsmaßnahme nennt der Verivox-Chef eine Absenkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestniveau. Ein Haushalt mit einem jährlichen Stromverbrauch von 4.000 Kilowattstunden könnte dadurch nach seiner Berechnung rund 90 Euro im Jahr sparen.

Für Gaskunden bleibt die weitere Entwicklung unterdessen ungewiss. Fest steht: Sollten die hohen Großhandelspreise anhalten, dürfte sich dies zunehmend in den Gasrechnungen niederschlagen. Wie stark einzelne Haushalte betroffen sein werden, hängt vor allem vom jeweiligen Tarif und vom Energieversorger ab.