Ein Wohngebäude in Kiew steht nach einem russischen Raketeneinschlag in Flammen.
Von Christian Gottschalk
Zeit rettet leben. Je früher die Menschen in der Ukraine vor herannahenden Drohnen oder Raketen gewarnt werden, desto mehr Zeit haben sie, Luftschutzbunker, U-Bahn-Stationen oder andere Schutzräume aufzusuchen. Je nach dem, was angeflogen kommt, sind die Vorwarnzeiten unterschiedlich. Bei eher langsam fliegenden Drohnen bleibt meist Gelegenheit genug, bei Marschflugkörpern muss es schneller gehen, zumindest dann, wenn US-Satelliten den Start einer ballistischen Rakete erfassen. Wenn erst ukrainische Systeme melden, dass eine Rakete auf die Hauptstadt zufliegt, bleiben oft nur wenige Sekunden. Genau das ist in den letzten Tagen passiert. Die USA haben geschwiegen, der Einschlag kam für viele Menschen in Kiew unerwartet.
Mehrere Menschen sind tot oder verletzt
Die zweite Nacht in Folge meldet der ukrainische Präsident schwere Angriffe auf sein Land, in Kiew wurden demnach ein Wohnblock und ein Heizkraftwerk getroffen. Dabei kamen mindestens zwei Menschen ums Leben und 21 wurden verletzt, darunter ein Kind. Erneut habe es keine Vorwarnung der Verbündeten gegeben. Die Raketen seien erst im Anflug auf die Hauptstadt von den Radaren entdeckt worden, so Selenski. „Das ist bereits das zweite Mal diese Woche, dass die Ukraine nicht vorgewarnt wurde.“ In seiner abendlichen Ansprache gab Selenski bekannt, dass die ukrainischen Streitkräfte die fünf Raketen erst Sekunden vor dem Einschlag entdeckt hatten.
„Normalerweise erhalten wir Vorwarnungen von unseren Partnern, die für unsere Verteidigung von entscheidender Bedeutung sind“, sagte Selenski und betonte, dass der Austausch von Geheimdienstinformationen der Ukraine helfe, Zivilisten zu schützen. Der ukrainische Präsident sagte jedoch nicht, welcher Partner die Warnungen nicht übermittelt hatte. Er warf Washington auch nicht ausdrücklich vor, absichtlich Geheimdienstinformationen zurückzuhalten.
Doch dieser Verdacht steht im Raum. Das Ausbleiben der Warnungen erfolgt zu einem besonders heiklen Zeitpunkt in den Beziehungen zwischen den USA und der Ukraine. Laut einem Bericht des US-Nachrichtenportals Axios, das sich auf einen ukrainischen Beamten beruft, warnten die US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner während der jüngsten Verhandlungen in Miami davor, dass Washington den Austausch von Geheimdienstinformationen aussetzen könnte, falls Kiew weiterhin russische Ölraffinerien angreifen würde. Ein US-Beamter dementierte jedoch, dass eine solche Drohung ausgesprochen worden sei.
Trump verspricht weitere Hilfe
US-Präsident Donald Trump wies Vermutungen zurück, Washington habe die Weitergabe von Geheimdienstinformationen an die Ukraine eingestellt. „Wir helfen ihnen und tauschen Informationen aus“, sagte Trump am Dienstag vor Reportern und fügte hinzu, dass Washington sowohl mit Kiew als auch mit Moskau zusammenarbeite, um den Krieg zu beenden. Warum es zu keiner Warnung gekommen war sagte Trump nicht. Das Magazin „der Spiegel“ will Informationen haben, dass es sich um ein technisches Problem handele. Demnach werde mit Hochdruck daran gearbeitet, dieses zu beheben.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenski beklagt fehlenden Schutz.