Hitze im Rems-Murr-Kreis Mit jedem Grad steigt das Risiko

Die hochsommerliche Hitze bedeutet eine ernste gesundheitliche Gefahr.

Hitze im Rems-Murr-Kreis Mit jedem Grad steigt das Risiko

Symbolfoto: Alexander Becher

Rems-Murr. Der AOK Ludwigsburg/Rems- Murr zufolge haben sich im Landkreis 2023 insgesamt 173 ihrer Versicherten wegen gesundheitlicher Schäden durch Hitze und Sonnenlicht offiziell in ärztliche Behandlung begeben. 2024 waren es 122 Versicherte. Oft unterschätzt werde in diesem Zusammenhang die Zahl der Todesfälle. Eine Analyse des Robert-Koch-Instituts im Auftrag des Umweltbundesamts habe ergeben, dass im Sommer 2023 schätzungsweise 3100 und im Sommer 2024 rund 2800 Menschen in Deutschland an hitzebedingten Ursachen starben. Damit gehört die Bundesrepublik zu den am stärksten betroffenen Ländern in Europa.

Besonders gefährlich sei es, wenn es – wie in der vergangenen Woche der Fall – über mehrere Tage hinweg sehr heiß bleibe. Während einer solchen Hitzewelle steigt das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, laut AOK um 11,7 Prozent. Ralph Bier, Arzt bei der AOK Baden-Württemberg, erklärt: „Jeder Anstieg der Umgebungstemperatur um ein Grad Celsius geht mit einer signifikanten Zunahme der kardiovaskulären Sterblichkeit um 2,1 Prozent einher.“ Dies sei das Ergebnis einer wissenschaftlichen Auswertung von 266 Studien.

Aggressionen, Depressionen und Angststörungen nehmen bei Hitze zu

Ein erhöhtes Risiko bestehe aber nicht nur bei einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. Bei psychisch erkrankten Menschen steige die Suizidgefahr. „Wissenschaftliche Schätzungen zeigen, dass eine Erhöhung der monatlichen Durchschnittstemperatur um ein Grad Celsius mit einer Zunahme der Suizidrate um bis zu einem Prozentpunkt einhergeht. Aggression, Depressionen und Angststörungen nehmen laut Forschungen der Medizinischen Universität Wien bei anhaltenden Temperaturen über 30 Grad Celsius ebenfalls zu“, führt Ralph Bier aus.

Ein weitere, weniger bekannte Gefahr: Temperaturen von 30 Grad Celsius erhöhen das Risiko einer Frühgeburt um rund 20 Prozent, Temperaturen über 35 Grad Celsius sogar um bis zu 45 Prozent. „Hält die Hitze über mehr als zwei Tage ohne nächtliche Abkühlung an, steigt die Rate vorzeitiger Wehen besonders deutlich. Prognosen der Forscher des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf zufolge könnte bis 2033 in Deutschland rund jede sechste Geburt klimabedingt eine Frühgeburt sein“, betont der AOK-Arzt. pm